Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 1 (1923)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Die Ethik der eisernen Wand
- Date
- 1923-01-01
- Page
- Seite 3 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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3 MENORAH gehöre ihm. In diesem Falle empfiehlt der Talmud dem Richter eine weise, aber für den „Gentleman" traurige Entscheidung. Der Richter sagt: „Über eine Hälfte ist man einig. A. gibt selbst zu, dato sie dem B. gehört. Nur die zweite Hälfte ist strittig, infolge dessen teilen wir sie in zwei Hälften." — Der Starrkopf bekommt also im ganzen drei Viertel und der „Gentleman" nur ein Viertel, und es geschieht ihm auch recht. Es ist ja recht schön, ein Gentleman zu sein, aber deshalb muß man ja noch lange kein Tropf sein. Unsere Großväter haben das ganz gut verstanden. Wir aber haben es vergessen. Wir sollten dies im Gedächtnis behalten. Insbesondere deshalb, weil es in unserem halle um die Sache der Konzession sehr traurig bestellt ist. Das Maß der Konzessionen, die wir dem arabischen Nationalismus anbieten können, ohne den Zionismus umzubringen, ist sehr bescheiden. Auf das Bestreben, zu einer jüdischen Mehrheit im Lande zu gelangen, können wir nicht verzichten, wir können auch keine arabische Aufsicht über unsere Immigration dulden, noch ein Parlament mit einer arabischen Majorität zulassen, noch in eine arabische Föderation eintreten. Ja sogar noch mehr. Wir können nicht einmal die arabische Bewegung unterstützen, da sie uns vorläufig feindlich gegenübersteht und freuen uns alle herzlich, selbst die arabophilen Deklamatoren, an jedem Mißerfolg dieser Bewegung nicht nur im benachbarten Ostjordangebiet oder in Syrien, sondern auch in Marokko. Und so wird es auch bleiben, weil es nicht anders sein kann, bis eines Tages die eiserne Wand die Araber zwingen wird, sich mit dem Zionismus ein für allemal abzufinden. III. Stellen wir uns einen Augenblick auf den Standpunkt derjenigen, denen dies alles unmoralisch scheint. Denken wir nach. Die Wurzel alles Übels besteht freilich darin, daß wir ein Land gegen den Willen seiner Bevölkerung, infolgedessen mit Gewalt kolonisieren wollen. Alle anderen Unannehmlichkeiten wachsen aus dieser Wurzel mit automatischer Unvermeidlichkeit. Was ist nun zu tun? Der einfachste Ausweg wäre, nach einem anderen Lande für unsere Kolonisation Umschau zu halten. So zum Beispiel: Uganda. Bei einer näheren Betrachtung wird man aber auch hier dasselbe Unheil finden. Auch Uganda hat eine einheimische Bevölkerung, die sich natürlich, wie in allen anderen Beispielen der Geschichte, instinktiv oder bewußt dem Andränge der Kolonisatoren widersetzen wird. Die Tatsache, daß diese Eingeborenen schwarz sind, ändert nichts am Wesen der Dinge. Wenn es unmoralisch ist, ein Land gegen den Willen der Eingeborenen zu Hermann Struck: Landscape in Palestine Palästinensische Landschaft Rad kolonisieren, so muß doch diese Moral für schwarze Menschen genau so ihre Geltung haben, wie für Weiße. Man kann freilich hoffen, daß die schwarzen Menschen noch nicht so entwickelt sind, um Delegationen nach London zu schicken, eine sehr schwache Hoffnung, da sich überall gute Freunde weißer Farbe finden werden, um sie zu belehren. Und wenn auch diese Eingeborenen wie hilflose Kinder wären, so liegt der Fall noch viel schlimmer. Da eine Kolonisation einem Raubüberfall analog ist, so wäre es doch das größte Verbrechen, hilflose Kinder zu berauben. Daher ist auch Uganda unmoralisch, daher ist auch jedes andere Gebiet, unabhängig von seinem Namen, „unmoralisch". Unbewohnte Inseln gibt es in der Welt nicht mehr. In jeder Oase sitzt schon seit unvordenklichen Zeiten eine eingeborene Bevölkerung, die keine eingewanderte Mehrheit oder überhaupt keinen Andrang von Fremdlingen dulden will. Wenn nun irgendwo auf der Welt ein landloses Volk existiert, dann muß sogar sein Traum von einem nationalen Heim ein unmoralischer Traum sein. Die Landlosen müssen für immer landlos bleiben. Der ganze Boden der Welt ist bereits verteilt und damit basta, das verlangt die Ethik. In unserem Falle hat diese Ethik ein besonders interessantes Ansehen. Wir Juden zählen, sagt man, auf der ganzen Welt 15 Millionen Menschen. Die Fliilftu lebt jetzt buchstäblich wie hauslose, verfolgte Hunde. Die Zahl der Araber beträgt insgesamt 38 Millionen. Sie bewohnen Marokko, Algier, Tunis, Tripolis, Ägypten, Syrien, Arabien und Mesopotamien — ein Gebiet, das ohne die W ästen in seiner .-Ausdehnung der Hälfte Europas gleichkommt. Durchschnittlich entfallen auf diesem riesigen Gebiete 16 Araber auf eine englische Quadialmeile; es ist nützlich, vergleichsweise daran zu erinnern, daß in Sizilien 352 und in England 669 Einwohner auf eine Quadratmeile entfallen. Noch nützlicher wäre es, daran zu erinnern, daß Paliistina ungefähr den 200. Teil dieses Gebietes ausmacht. Wenn aber das obdachlose Judentum Palästina für sich fordert, so ist dies aus dem Grunde „unmoralisch", weil es den Eingeborenen nicht paßt. Eine derartige Ethik kann wohl unter Menschenfressern, nicht aber in der zivilisierten Welt Geltung haben. Der Boden gehört nicht denjenigen, die ihn im Übermaß besitzen, sondern denjenigen, die keinen haben. Es ist ein Akt der Gerechtigkeit, den \ ölkern, die zu den Großgrundbesitzern der Erde zählen, eine Parzelle zu enteignen, um einem Wandeivolke Zuflucht zu gewähren. Wenn ein solches Großgrundbesitz.ervolk das nicht will — was ja ganz natürlich ist — so muß man es dazu zwingen. Die Gerechtigkeit, die mit Gewalt durchgefühlt wird, hört daher nicht auf, die heilige Gerechtigkeit zu sein. Darin besteht die einzige für uns objektiv mögliche arabische Politik. Über eine Übereinkunft weiden wir auch später Zeit finden, zu debattieren. ö$terzeichi$che QnaHiäi$arheit. Die Sparsamste -Daher Beste! . Dr1ft&6$$te ^elf/irpduMon