Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 1 (1923)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Der Aufbau des jüdischen Palästina
- Date
- 1923-01-01
- Page
- Seite 15 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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15 MENORAH T Sir Herbert Samuel / Der Aufbau des jüdischen Palästina Der allbcrühmtc Londoner Makkabäcr- Klub, vor dem auch seinerzeit Theodor HerzI zuerst seine politischen Ansichten verkündete, veranstaltete unter Vorsilz des Lord Rothschild ein Bankett zu Ehren von Sir Herbert Samuel, bei dem dieser über den „Aufbau des jüdischen Palästina" sprach und seine Ansichten über die jüdische Kolonisation und das Araberproblem verkündete. Wir bringen diese in vieler Beziehung bemerkenswerte Rede zum ersten Male in deutscher Sprache. Diese Rede widerlegt allerdings nicht die Beschwerden der palästinensischen Judenschaft gegen die Zurücksetzung gegenüber dem Arabertum und erwähnt nicht die Hindernisse, die dem jüdischen Aufbauwerke in vieler Hinsicht gemacht werden. D. Red. Ich danke Ihnen auf das wärmste für die Freundlichkeit und Herzlichkeit Ihres Empfanges. Es ist für mich eine große Freude, mich unter meinen alten Kollegen vom „Makkabäerklub" zu befinden, und ich fühle mich hochgeehrt durch die Gastfreundschaft, welche Sie mir gewähren. Als ich das letztemal die Ehre hatte, innerhalb dieser Räume bei einem Bankett zu sprechen, bekleidete ich das Amt eines Gcneralpostmeisters, und ich hatte zu jener Zeit einen Kollegen in derselben Würde in Sir Er n est Shacklcton, welcher sich damals auf einer seiner antarktischen Reisen befand. In diesen Gegenden halte er sich selbst den Titel eines Gcneralpostmeisters der südlichen Polarregionen verliehen, wohl zu dem Zwecke, um neue Briefmarken herausgeben zu können. Seine Amtsstunden dauerten, wie mir gesagt wurde, von 12 bis 1 Uhr Mittag, abzüglich einer Stunde für das Mittagessen. In Palästina haben wir allerdings längere Arbeitsstunden. Die Lasten der Verwaltung eines derartigen Territoriums sind nicht gering, und es ist eine Ermutigung, sich in dem Besitze des Wohlwollens einer Schar von Männern zu wissen, wie diejenige, die mich hier umgibt. Aber wenn auch die Mühe groß ist, die Genugtuung, günstige Resultate erzielt zu sehen, ist nicht geringer. Es wird Aufbauarbeit geleistet. Ich möchte Sie nicht mit der eingehenden oder auch nur flüchtigen Schilderung der mannigfaltigen Tätigkeit der Verwaltung von Palästina ermüden. Der Bericht der Regierung von Palästina wird eben jetzt von der Regierung Seiner Majestät veröffentlicht, und darin findet sich die Chronik der Verwaltung von Palästina. Noch wichtiger jedoch als die Tätigkeit des Staates sind die privaten Unternehmungen, welche in wachsender Zahl und in steter Entwicklung in Palästina gegründet werden — Fabriken der verschiedensten Art für die Erzeugung von Ziegelsteinen, eine Dampfmühle, Ölpresscrcicn, Zementwerke, Salzgcwinnungsnnlagcn (für welche das Wirlschaftsamt [Economic Board] für Palästina in London ein bcsondercs Interesse zeigt), Tabakfabriken und die großen Elektrizitätsunlernchmungen von Rutenberg. Neue landwirtschaftliche Siedlungen wachsen in den verschiedenen Teilen des Landes aus :1cm Boden, die Bautätigkeit blüht in ganz Palästina und beweist den wirtschaftlichen Aufschwung. Die öffentliche Sicherheit ist im ganzen gut. Natürlich können wir uns nicht mit einem Schlage zum Niveau alter Kulturländer, zum Beispiel — Irlands, erheben. Aber in seiner Art und an seinem eigenen Maßstab gemessen ist Palästina im großen ganzen ruhig. Sie finden viel Übertreibung in der Presse in bezug auf Palästina. Die Londoner Presse bringt alle Neuigkeiten, die tatsächlich vorhanden sind, und viele, die nicht vorhanden sind. Jeder kleine Zwischenfall, jedes Verbrechen in irgend einem Dorf wird berichtet, als ob es ein Ereignis von großer politischer Bedeutung wäre. Als zwei Wagen mit Gendarmen, die meine Eskorte bildeten, durch Zufall auf eine Bande von Briganten stießen, welche eben über die syrische Grenze gejagt worden waren, und diese, in dem Glauben, daß sie verfolgt würden, Feuer gaben und unglücklicherweise drei Polizisten töteten, wurde dies als ein Angriff auf das Leben des High- Sir Herbert Samuel Gouverneur von Palästina Commissioner bezeichnet. Ich bin glücklich, sagen zu können, daß auch Transjordanien in einem viel friedlicheren Zustand ist, dank der tatkräftigen und weitblickenden Regierung Seiner Hoheit des Emirs Abdullah, welcher trotz großer Schwierigkeiten Ordnung eingeführt hat, wie Transjordanien sie lange nicht kannte. Wenn der Leiter einer Verwaltung bei einer geselligen Zusammenkunft wie diese hier den günstigen Zustand des Landes, mit welchem er verbunden ist, zu schildern Gelegenheit hat, so geschieht es häufig, daß er mit der Miene der Bescheidenheil versichert, dies alles sei nur dem Stab tatkräftiger Beamten zu verdanken, die er untcr sich habe, und diese Bemerkung ist in der Regel viel wahrer, als er in seinem innersten Herzen zuzugeben geneigt sein dürfte. Was mich betrifft, so bin ich überzeugt, daß es wirklich wahr ist, und ich schätze mich glücklich, Sir Wyndham Dcedcs hiev zu sehen, damit wir unsere Dankbarkeit für die Dienste, die er Palästina geleistet hat, öffentlich zum Ausdruck bringen können. Drei Jahre lang war er erster Sekretär und entwickelte einen Eifer, eine Hingabc, eine Energie und, was nicht weniger wichtig ist, eine Vorsicht, die über alles Lob erhaben sind. Ich begrüße die Gelegenheit mit Freude, ihm auch meinen persönlichen Dank auszusprechen für die Dienste, die er der Verwaltung in Palästina geleistet hat. Vom Standpunkte des Engländers ist einer der erfreulichsten Züge in der Lage Palästinas die rapide Abnahme der Auslagen. Die Zollverwaltung kostet den britischen Steuerzahler nichts und hat ihn von Anfang an nichts gekostet — sie wird ausschließlich aus den lokalen Einnahmen des Landes bestritten. Aber die Auslagen für die Garnison sind von vier auf zwei, beziehungsweise auf eineinhalb Millionen gesunken, für das nächste Jahr beträgt der Kostenvoranschlag eine Million, für das nächste Jahr weniger als diese Summe, und wir sehen vor uns das erreichbare Ideal eines Palästina, das sich ganz aus eigenen Mitteln erhält. Es ist vor allem — dies muß zugegeben werden — jüdische Tatkraft, der die wirtschaftliche Entwicklung Palästinas zu verdanken ist. Viele der notwendigen Unternehmungen werden im großen Stile aus den Fonds unterstützt, welche die zionistische Organisation und der Kercn Hajessod angelegt haben. Ich glaube, Dr. Weizmann — diese mächtige und gewinnende Persönlichkeit — hat einen außerordentlichen Erfolg errungen, als er in Amerika fast allein und nur von lokalen Hilfskräften unterstützt, die Summe von nicht weniger als einer halben Million Pfund Sterling durch freiwillige Spenden für Palästina aufbrachte. Durch die daraus resultierenden Zuwendungen wurde eine erhöhte Einwanderung in Palästina ermöglicht, nicht in dem Maße, wie es vielfach gewünscht würde, aber entsprechend der wirtschaftlichen Fähigkeit des Landes, die Einwanderer aufzunehmen. Diese sind von guter Qualität. Es sind keine B 'schewiken, weit davon entfernt! Ich glaube nient, daß der Prozentsatz an Bolschewiken in Palästina ein größerer ist als unter den arbeitenden Klassen des vereinigten Königreiches. Ich wiederhole, sie sind von guter Qualität und tüchtige Arbeiter. Dreißigtausend sind seit der Besetzung hereingekommen, und es waren, außer einem kleinen Rest von Arbeitslosen, alle imstande, Beschäftigung zu finden. Es gibt, und ich bin überzeugt, daß Sic alle hierin mit mir übereinstimmen, eine Grundbedingung, von welcher die wirtschaftliche Entwicklung eines Landes notwendig und zweifellos abhängen muß, das ist Stabilität. Ein sich selbst erhaltendes Palästina hängt ab von der wirtschaftlichen Entwicklung des Landes, und wirtschaftliche Entwicklung hängt ihrerseits ab von politischer Festigkeit, Konsequenz und Gleichmäßigkeit in der Verwaltung, in den politischen Bestrebungen. Ich will in dieser Hinsicht nicht mehr sagen, als daß ich überzeugt bin, die Regierung Seiner Majestät ist sich der grundlegenden Bedeutung dieser Maximen voll bewußt. Es gibt, wie Sie wissen, viele Probleme in Palästina. Ich glaube, es war mein Freund Dr. Macnamara, welcher in einer Sammlung kindlicher Aussprüche die Geschichte eines kleinen Knaben erzählte, der, anläßlich einer Prüfung, nach den Hciratsgebriiuch.cn der alten Grieche:.