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Menorah · 1923-01-01 · Heft 5 · p. Seite 3

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
1 (1923)
Issue
Heft 5
Article
Die eiserne Wand
Date
1923-01-01
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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3 MENORAH dieser Hinsicht gibt es keinen wirklichen Unterschied zwischen unseren „Militaristen" und unseren „Vegetariern". Die einen ziehen eine eiserne Wand aus jüdischen, die anderen aus irländischen Bajonetten vor; die dritten, die Anhänger eines Übereinkommens mit Bagdad, sind bereit, sich mit bagdadischen Bajonetten zu begnügen (ein sonderbarer und gefährlicher Geschmack); wir alle aber bemühen uns Tag und Nacht um die eiserne Wand. Dabei aber, mit unserer Deklaration von der Übereinkunft, verderben wir selbst unsere Sache, indem wir der Mandatarmacht zu verstehen geben, daß es sich nicht um die eiserne Wand, sondern um immer neue und neue Redereien handelt. Es sind diese Deklamationen, die unsere Sache zugrunde richten. Sie zu diskreditieren, zu zeigen, daß sie ebenso phantastisch wie auch objektiv-unehrlich sind, ist daher nicht nur ein Vergnügen, sondern auch eine Pflicht. IV. Noch zwei kurze Bemerkungen. Erstens: Auf den abgenützten Tadel, als ob der oberwähnie Standpunkt unethisch wäre, antworte ich: nicht wahr. Eins von beiden: entweder ist der Zionismus moralisch oder er ist unmoralisch. Es war unsere heilige Pflicht, diese Frage für uns selbst schon früher entschieden zu haben, noch bevor wir den ersten Schekel genommen haben. Und wir haben sie doch im positiven Sinne entschieden. Ist aber der Zionismus moralisch, das hcif.il gerecht, so muß die Gerechtigkeit ins Leben geführt werden, ohne Rücksicht, ob A, B und C damit einverstanden sind oder nicht. Und falls A, B oder C die Verwirklichung der Gerechtigkeit mit Gewalt hindern wollen, weil sie sich dadurch benachteiligt sehen, so muß man ihnen auch mit Gewalt die Möglichkeit dazu nehmen. Das ist Ethik; eine andere Ethik gibt es nicht. Zweitens: Das alles bedeutet nicht, daß mit den palästinensischen Arabern überhaupt keine Verständigung denkbar wäre. Nur eine freiwillige Übereinkunft ist unmöglich. Solange die Araber nur die geringste Hoffnung haben, uns los zu werden, werden sie diese Hoffnung weder für süße Worte noch für nahrhafte Butterbrote verkaufen, eben weil sie kein Gesindel, sondern ein lebendiges, wenn auch ein zurückgebliebenes Volk sind. Ein lebendiges Volk gibt nur dann in solchen gewaltigen, schicksalsschweren Fragen nach, wenn kein einziges Schlupfloch mehr i n der eisernen Wand zu finden ist. Nur dann verlieren die radikalen Gruppen, deren Parole „Niemals!" lautet ihr Prestige; nur dann beginnen die gemäßigten Gruppen an Einfluß zu gewinnen. Nur dann werden diese gemüßigten Gruppen an uns mit Vorschlägen über gegenseitige Nachlässe herantreten; nur dann werden sie anfangen, mit uns über praktische Fragen, wie die Garantie gegen eine V erdrängung oder für die Gleichberechtigung odei nationale Selbständigkeit ehrlich zu feilschen. D e r einzige Weg zur Einigkeit ist die eiserne Wand, das heißt, Befestigung einer den arabischen Einflüssen unzugänglichen Macht in Palästina; und das ist eben dasjenige, was die Araber bekämpfen. Mit anderen Worten: der einzige Weg für uns z.u einer Übereinkunft in der Zukunft besteht in dem absoluten Verzicht auf irgendwelche Versuche, eine Übereinkunft in dei Gegenwart zu erzielen. Reste des alten jüdischen Synagogalge Sanges PROF. DR. MAX GRAF Die Schicksalsstunde für die Erforschung der alten jüdischen Synagogalmusik ist gekommen. Die moderne Musikwissenschaft wendet sich der Erforschung dieses Gebietes mit steigendem Interesse zu, weil die wissenschaftlichen Voraussetzungen für ein Gelingen dieser Aufgabe jetzt gegeben sind. Noch läßt sich nicht das Haus bauen, aber der Baugrund kann bereits abgesteckt werden, welcher das Haus der jüdischen Musikforschung tragen soll, einzelne Fundamente können bereits errichtet werden, seitdem die moderne, junge Musikwissenschaft die Musik des Orients in ihr Arbeitsgebiet einbezogen hat. Vor zwei, drei Jahrzehnten war die Musikwissenschaft ausschließlich europäisch orientiert. Was außerhalb dieses Gesichtskreises lag: die Musik der großen Kulturrciche des Orients, die Musik der primitiven Völker wurde kurz im Eingang oder Anhang von Musikgeschichten abgehandelt. Dies ist erst seit kurzer Zeit anders geworden. Die Erforschung primitiver Musik, welche die ganze Entwicklungsgeschichte der Musik erhellt und den Blick frei macht für das Verständnis des Werdens der Musikformen, ist auf sichere Grundlagen gestellt worden. Die Bedeutung des Orients, von dem aus bis ins Mittelalter breite Wellenschläge von Musik in den Okzident hineingeflutet sind, für die Kunstwissenschaft, ist von zahlreichen horschern untersucht worden. Der historische Blick der Kunstwissenschaft hat sich unermeßlich erweitert. Das Arbeitsgebiet der Musikgeschichte ist weit und frei geworden. Wo man früher nur eine einzige Entwicklung gesehen hat — eine Entwicklung in der Linie — sieht man jetzt Entwicklungskreise, ein Sich-Ablösen, ein Werden und Vergehen von Kulturen, die einander folgen, mannigfach ineinander übergehen, wellenförmig sich erheben, sinken, weiterfließen; also einen Organismus von Kulturkreisen, in dem die Musik des Orients selbst ein mannigfaltig zusammengesetztes Kulturgebiet ist mit komplizierten Entwicklungsgesetzen. Innerhalb dieses Kulturkreises des Orients nimmt die alte jüdische Musik eine bedeutende Stellung ein. Sie hat in A. Z. I d c I s s o h n, über dessen Wirken ich den Lesern dieses Blattes noch ausführlich Bericht erstatten werde, den ersten hervorragenden, modernen Musik forscher gefunden. Idelssohn hat jahrelang im Orient gelebt und die modernen Forschungsmethoden in den Dienst der jüdischen Musikforschung gestellt. Zwei Bände seines großangelegten „Plebräischorientalischen Melodienschatzes" enthalten die Gesänge der jemenitischen und babylonischen Juden, religiöse und weltliche, eine wahre Fundgrube neuen Materials, das der Musikforschung von einem Manne dargeboten wird, der Begeisterung mit kritischem Sinn, unermeßlichein Fleiß mit modernem, musikwissenschaftlichem Weitblick verbindet. Wird das große Werk Idelssobns fertiggestellt sein, so wird die „vergleichende Musik forschung" vielleicht auch an ihre schöne Aufgabe gehen können, mit wissenschaftlicher Genauigkeit aus den mannigfachen Formen des orientalischen und europäischen Tempelgcsanges Urformen des alten jüdischen Synagogengesanges feststellen zu können, deren Umwandlung und Entwicklung zu den verschiedenartigen Synagogalgcsängen geführt hat. Allein diese schöne Aufgabe liegt noch in weiter Zukunft. Wir stehen heute erst am Beginn des Weges und am Beginn einer Arbeit, die vielleicht erst von einer großen wissenschaftlichen Organisation, a!s deren Träger ich mir ein internationales Institut für jüdische Musikforschung vorstelle. ml yy i * M ■ »i ö$ferreichi$che Quähf£i$cirheit.! die Sparsamste, -Daher Beste! | Mtt£r<&$$ie Weünroduktion g

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