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Menorah · 1923-01-01 · Heft 4 · p. Seite 17

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
1 (1923)
Issue
Heft 4
Article
Letters of a Young Farmer from Palestine ; Briefe eines jungen Farmers in Palästina
Date
1923-01-01
Page
Seite 17 (sequence 1)
Language
German
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17 MENORAH Letters of a Youn: 28. Juli 1922. Liebe Eltern! Die armen ß. J. haben 20 Hühner verloren! Allen anderen sterben sie wie die Fliegen. Unsere sind gottlob gesund. 22, die sechs Monate und zehn Tage alt sind, legen gegen 16 große Eier täglich, andere fangen an, täglich ein Ei zu legen. An Nickerl habe ich geschrieben. Freue mich, daß Ihr einen guten Sommer habt. Ich weiß heute, was ich in meiner Jugend für herrliche Sommer gehabt habe. Es sind wieder etwa 10.000 Dunam, ein ganzer Komplex neben ChedcTah, den Arabern abgekauft worden, so daß der Streifen an der Küste Chedcrah—Flaifa schon fast ganz jüdisch ist. Es war ein interessanter Typ hier, ein FIcrr A. D., ein christlicher Araber, der ein Judenfreund ist und auf Deutsch schriftstcllert; ein Kamerad übersetzt eines seiner deutsch geschriebenen Werke ins Russische. Was S. betrifft, so vertritt er zehn andere, die noch in England sind. Sie gedenken gegen 20.000 Pfund in Land anzulegen. Er ist ein Geschäftsmann durch und durch, aber sehr angenehm und durchaus ehrlich. Wir haben noch kein Gehalt ausgemacht, erst gegen Ende des Monats. Es kann sich eine gute Stelle daraus entwickeln. Natürlich würde ich es vorziehen, auf meinem Grund und Boden zu sitzen, und wenn er noch so klein wäre, aber ... Meine Beine sind schon seit einiger Zeit wieder hergestellt. Sie waren nur abgeschürft, aber hier heilen Wunden schwerer. Hitze nicht mehr arg, aber kühler wird es erst in einem Monat werden. Saris ist tot. Seid nicht böse, wenn ich nur knapp schreibe, aber ich habe wenig Zeit. Araber so ruhig wie no:h nie, man trägt sich mit den Gedanken, die Schomrim als überflüssig ganz abzuschaffen. Von Büchern möchte ich gern haben: Stebler, Fultcrbau; Strecker, Landwirtschaftliche Maschinen, beides bei Paul Sarcy, Berlin. Ihr habt recht, was meine Diplomarbeit betrifft. Am besten, ich machte daraus ein Vademekum für Landwirte. Ich lasse es mir durch den Kopf gehen. Habe aber momentan keine Zeit. * 14. August 1922. Liebste Eltern! Die Lage ist jetzt folgendermaßen: Am 1. September löst sich unsere kleine Gesellschaft vollkommen auf. FI. fährt nach Paris, St. wird auf Stellensuche gehen müssen, die Chaluzah geht zu ih«r Gruppe nach Jerusalem, bis sie ihre Papiere hat, um zu ihren Verwandten nach Amerika zu fahren. Mir bleiben folgende Möglichkeiten: I. Das Haus allein weiter zu behalten und andere Teilhaber zu suchen, bei S. weiter zu arbeiten, falls ich etwas Geld bekommen kann, Kühe zu kaufen, langsam von Kühen und Farmer from Palestine / Farmers in Palästina Hühnern zu leben, gelegentlich alles zu vergrößern, Land zu bebauen usw. 2. Alles zu liquidieren und zu B. J. zurückzukehren. 3. Zu liquidieren und eine Stelle außerhalb Chedcrah zu suchen. Bitte um Eure Ansicht. Es ist jetzt eine Übergangszeit — und das ist nicht fröhlich. Da ich aber bei bester Gesundheit bin, viel Arbeit habe, selbstcrlcgtc gebratene Enten vertilge und ans Meer reite, um dort zu baden, habe ich nur Samstag Zeit, mich zu quälen. Zur gleichen Zeit schreibe ich aber auch Briefe, und dieses ist natürlich ein Malheur, indem daß die rromentanc Laune wirkt. 20. August 1922. Bin heute wieder obenauf, mache schon Pläne für Tabakbau, für Kühe und Sonstiges. Der arme S. ist krank und hat keinen Menschen, so schaue ich öfter zu ihm hinüber. Eine Bitte: macht eine Firma ausfindig, die Tabakmaschinen baut; ich brauche eine Schneidemaschine mit Handbetrieb. 26. August 1922. Hurrah! Vorgestern war ich unwohl zu Hause, als ich te'.ephonisch die Nachricht bekam, ich sollte nach Sichron kommen, um Herrn R. von der Ica zu sprechen. Fuhr natürlich hin. Er sagte mir, er habe die Nachricht erhalten, daß ich in Tschuni-Bcnjamina1) angesiedelt werden sollte. Ich erwiderte, es könne natürlich keine Rede davon sein, daß ich Benjamina ausschlage, aber falls ich Land und Anleihe in Chedcrah bekommen könnte, wäre es mir lieber. Er erwiderte, er verstehe vollkommen, würde in den nächsten Tagen nach Chedcrah kommen und mit mir eingehend sprechen. Auf alle Fälle sollte ich aber nach Benjamina gehen, mich dort umschauen usw. Was ich tat. Außerdem habe ich mich mit fast a'lcn Leuten beraten, die ich schätze, und von allen denselben Rat erhalten, nämlich, nach Benjamina zu gehen. Und so habe ich mich denn — ein schwerer Entschluß! — für Benjamina entschieden. Ich brauche Euch a'so nicht mehr zu schreiben, was für und gegen Chedcrah spricht, denn ich werde Herrn R., sobald er herkommt, mitteilen, daß ich mich unter allen Umständen zu Benjamina entschlossen habe. Die Bedingungen sind: Jeder bekommt 100 Dunam Boden, wovon etwa 20 Dunam bewässert sind. Ein Flaus mit zwei Zimmern, Grundfläche 4 8 m, einen Stall in drei Teilen (Schuppen, Futterstall und eigentlicher Sta'l). Grundfläche 4X20 m. Des weiteren 480 Pfund für Inventar und Betriebskapital. Drei Jahre lang ist jeder nur Pächter, das heißt, die lea hat jederzeit das Recht, ihn an die Luft zu setzen, sogar wenn er seine (minimale, noch nicht bestimmte) Pacht pünktlich bezahlt. Briefe eines jungen (hortsetzung.) Dann wird ein „Kolonistcnvertrag'" gemacht, und man kann atmen. Vorderhand bekommt man nicht einmal die Erlaubnis, für eigenes Geld (falls man welches hat) dazuzubauen, bevor die drei Jahre um sir.d; höcl: stens Holzbarackeir). Die Sache kann schon in I bis 3 Monaten losgehen. Bestimmtes nicht zu erfahren. Die Häuser und Ställe müssen erst fertig werden, dann werden sie verlost. Benjamina liegt etwa 10 km nördlich von Chcderah, eine Gehstunde von Sichron Jakob, im Zentrum eines großen, im Verlaufe der letzten Jahre gekauften Bodcnkomplcxes. I ünf Minuten von der Bahnstation. In Benjamina werden sein: die Kwuzah Tschuni, die dort schon seit drei Jahren arbeiten, vorderhand I 3 Mann, die unter gleichen Bedingungen angesiedc'i werden wie ich. Dann einige Leute unter denselben Bedingungen, nur daß sie die 480 Pfund für Inventar und Betrieb selber stellen müssen. (Unter diesen ist A. T. aus Prag.) Dann kommt hin die Kalifornische Cooperativc unter andern Bedingungen und die ehemalige Holländische Gemüsekwuzah, ebenfalls unter andern Bedingungen, herncr noch einige Leute, die ich nicht kenne. Es wird eine ziemlich große Kolonie sein (dieses Jahr a oraussichtlich etwa 60 Häuser). Flabe jetzt einen ziemlich vollen Schädel. Habe mit E. geteilt, wobei der arme Kerl schlecht weggekommen ist, aber wir haben gelost: er hatte halt Pech. Dann habe ich \ an den andern das bißchen Haus- und die ziemlich vollständige Kücheneinrichtung abgelöst. Weiter bin ich nicht ganz wohl, es dreht sich mir alles im Kopf, ich muß mir etwas Geld zur Übersiedlung verschaffen usw. Ferner herrscht in Chcderah die Hühnerpest, und ich fürchte sehr für die Hühner. Kurz, Ihr werdet mir nicht böse sein, wenn ich Euch heute nur noch schreibe, daß ich sehr, sehr glücklich und zufrieden bin. Es wird genug schwere Arbeit und Zores;l) und Schwierigkeiten geben, deren Überwindung nicht allein von mir abhängen wird — aber das gehört nun schon einmal dazu. Natürlich kann ich jetzt auch nicht nach Hause kommen — Gott weiß, wann. Dann werde ich ans Fleiraten denken müssen. Übrigens, da nie etwas a'Iein kommt: für den I. Oktober habe ich hier eine Stelle mit 16 Pfund angeboten bekommen, die mir absolut noch freie Zeit lassen würde, für mich zu arbeiten. Das war auch ein Grund, weswegen ich an Chcderah dachte. In Benjamina werde ich mich nicht so bald auf 13 Pfund monatlich zu stehen kommen. Dafür hat es aber andere Vorteile. In diesem Briefe kommt wieder ..ich, ich, ich" von Anfang bis zu Ende vor. Ich bitte dafür um Entschuldigung: wenn es mir nur ein bißchen besser gehen wird, wenn ich mich ein wenig freier fühlen werde, dann wird das sicher aufhören. Vielen Dank für die Zeitungen, die mir doch mitteilen, in was für Verhältnissen alle, die mir nahestehen, leben. Gern möchte ich wieder ein bißchen nach Hause und alle begrüßen — aber jetzt einen so kostspieligen Besuch zu machen, wäre der höchste Leichtsinn, und mehr als ein Besuch soll es nicht werden. In Palästina bin ich, glaube ich, schon für immer gelandet. 3. .September 1922. Liebste Eltern! Vielen Dank für die Bücher. Es würde mich sehr interessieren, zu hören, Avas ihr von dem Buch von Holitscher*) denkt. Es ist so ziemlich das wahrhaftigste, das ich bis jetzt gelesen habe, wenn er auch nur einseitig orientiert ist. Wirklich gekränkt hat mich die immerwährend fortgesetzte

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