Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 1 (1923)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Der Herbst
- Date
- 1923-01-01
- Page
- Seite 5 (sequence 1)
- Language
- German
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MENORAH 2)er 3Ter6st Eine Predigt, gehalten am 16. Okiober 1826 (fr»C5/l mrC \S CT ) in Wien von /. /V. MANNHEIMER (1793—1865). -kc . :x MEINE ANDÄCHTIGEN ZUHÖRER! Es ist dahin die ernste feierliche Zeit unseres religiösen Lebens! Die Zeit der Selbstprüfung und der Bekehrung, die Zeit der Heimsuchung und der Vergeltung. Da war unser Blick gerichtet ins eigene Heiz, und unsere Seele trauerte um die hingeschiedenen Sünden ihres Lebens! Sie ist dahin, die ernstliche, feierliche Zeit, und die Zeit, die ihr folgt, ist die Zeit der Freude und der heiteren Lebenslust! Also hat es Gott gewollt, und unser Gott ist ein Gott der Milde und der Liebe; im Gotteshause wie im Menschenleben! Wo das Göttliche hat gewaltet, da kehrte Ruhe ein — nicht die tote Ruhe, sondern die lebendige, freudige Heiterkeit. Die Nebel und die Wolken und die düsteren Schatten, die weichen und verschwinden wo Gottes Sonne hat geleuchtet, draußen in der Natur wie im Morgensonnenschein — im Leiblichen wie im Geistigen, derselbe Übergang vom Düsteren zum Heiteren! Das Leere nur ist das Schreckliche, das Gott verbannt wissen will aus dem großen Weltenraum, wie aus der noch größeren Gedankenwelt, die da Raum hat in einer Menschenree le! A!so hat es Gott gewollt, der uns die Zeiten und die Feste hat geordnet — die Bußtage und die Freudentage — beide aber sind zur Verkündigung des Heiligen! E'TH ^iOW Die ernste Zeit, die unser Gemüt sollte erschüttern und aufwecken aus der toten Ruhe, ist dahin, die heitere Zeit beginnt, die sich uns ankündigt -I' Aus der Nähe und aus der Ferne zogen sie herbei, die Stämme Israels, und keiner blieb aus, und brachten mit sich die herrlichen Früchte eines gesegneten Landes, die sie verzehrten in freudigem Genüsse und in brüderlicher Eintracht! Das war eine schöne Zeit! Ein Volksleben — ein fröhliches, freudiges Zusammenleben, bei milder Luft und reicher Kost und geselligem Frohsinn unter als die i;vinatr für der Freude und des roll das Menschliche und wirken, aber als und ein Geläutertcs, und die heitere Lebenslust hineingezogen werden in den als die Zeit Frohsinns. Da in uns walten iin Gereinigtes Der Frohsinn sollen Kreis , iLßf jiiArrrTiEiJiJiiiJiii *//////, / /t//t<//< t des Heiligen. Drum öffnen sich aufs neue die Hallen des Tempels, und die Gläubigen ziehen ein mit ihren Opfern und Gaben, und jedes Opfer ist ein Freudenopfer — ein Dankopfer, festlich geschmückt mit heiteren Farben, das birgt der dankbare, freudige Sinn. Wifii Ihr, wie das heutige Fest gefeiert ward in Israel?! n;u*n jikxs wenn clas Ja'ir 7U F-nclc g'»g» wenn ein jeglicher eingesammelt hatte den Ertrag seines Fleißes von dem Felde, das ihm von Gott war gegeben, wenn Scheune und Kelter sich füll-- ten, und die Arbeit ward vollendet — dann verließen sie jeglicher seine Heimat und zogen hin mit Lobgesang und mit freudigem Jauchzen, hin nach der Reheiligten Stätte, wo die Gottheit thronte — und da feierten sie ein Erntefest dem Herrn "TKH /et Att/tc/tA ////r/t t///t/c?;/,1 // stt 'fett Gottes Irciem Himmel. Verlassen lagen die engen Stuben von Menschenhänden gebaut und gegründet, und die Frommen und Fröhlichen wohnten Hl!' "rüZ jV'^I' ~j"lCZ im Schutze Gottes im Schatten des Allmächtigen, und die Palmen und die Myrten, die Gott hat gepflanzt, die waren ihre Wände und Mauern, und Gottes Flimmel war ihr Dach. So feierten sie ihr Erntefest des Herrn, und ihre F reude war gar groß. So wif.it Ihr nun, woher das Hüttenbauen kommt, das bei uns noch üblich ist. Das ist ein Angedenken von jener Zeit, da Gott die Väter ließ in Flutten wohnen; aber bei uns ist es nur ein dürftiges Hüttenleben, wie a'lcs, was nicht lebendig aus dem Leben sich gestaltet, da ist nichts Herzliches, nichts Freudiges darin, und die Palmen jjnd die Myrten und die Prachtäpfel und die Weiden, die Ihr heute sehet im Tempel Gottes — die sind auch so ein heiliges Andenken an jenes Land der Väter, wo sie heimisch sind und wachsen freudig und üppig wie in einem Garten Gottes! Nun, meine Freunde, laßt uns nicht so ganz leben in der Vergangenheit, daß wir auch darüber die Gegenwart könnten vergessen. Das heutige Fest ist eigentlich gar kein Erinnerungsfest, kein Fest des Angedenkens, das uns mahnen soll an das Hingeschiedene (die Erinnerung an das Hüttenleben in der Wüste, die sich daran anknüpft, bot sich ohnehin von selbst dar), sondern ein lebendiges, heiteres, das ganz dem zeitlichen Leben angehört. Wir leben ja auch m einem gesegneten Lande, das da ist wie ein Garten Gottes, haben verlebt einen Frühling und einen Sommer, und haben erreicht die Zeit der Reife und der. Einsammelns. Wenn wir auch selber nicht haben bebaut die Acker, die uns nähren, und die Fluren, die uns sättigen — wir genießen ja doch, was uns Gott hat bereitet, der seinen Segen hat ausgebreitet über das Vaterland, der da gesendet hat Licht und Wärme, Tau und Regen, jegliches zu seiner Zeit. So lal.it uns feiern ein Erntefest dem Gott der Wellen "\r<t2 u-"l" l'l? „der in seiner Macht hat die Berge gegründet und befestigt, der da stillet das Brausen de? Weltmeers, und den Strömen zeichnet den Weg". j"Hp£ „Er hat bedacht unser Land und hat es gewässert und getränkt und gar bereichert. Er hat die Furchen geglättigt und geebnet, hat sie erweicht und hat gehütet den sprossenden Keim" -p2",.I2 PiZZ" -Tru> ..*?r hat gekrönt das Jahr mit seinem Guten — die Hügel waren umgürtet mit freundlichen Reben, die Tritten waren beweidet mit Schafen, und die Kornfrucl.t hüllte die Täler ein — er hat Gras wachsen lassen fürs Vieh, und hat ceücihen lassen, was Menschen bauen. Da kam Brot aus der Erde und Wein, der des Menschen Herz erfreut, und Öl, das sein Gesicht macht glänzen, und alles Nährende, das des Menschen Her/, erquickt und labt." Wir nehmen sie an mit dankbarem Herzen die Gaben Deiner Huld und Liebe — allgütiger Gott! Ob viel oder wenig, ob reicher oder ärmer das Jahr war an Segen und an Überfluß, wir werden ja wohl alle satt werden und genug haben — gegen Hunger und Dürftigkeit sind wir gesichert und geschützt, o Gott, durch Deine Macht und Milde. Du F.ast es gegeben und wirst es geben, wir dürfen es nur sammeln 2"£~ *>* ""t? "IT