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Menorah · 1923-01-01 · Heft 2-3 · p. Seite 25

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
1 (1923)
Issue
Heft 2-3
Article
In an Old Jewish Town ; Aus einer alten Judenstadt
Date
1923-01-01
Page
Seite 25 (sequence 3)
Language
German
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November 1723 und 30. Juni 1 724, die Gehaltszuwendungen der Gemeinde von Maharam Asch nicht eigenhändig quittiert sind, veranlagte Wachstein zu der sicherlich richtigen Annahme, daß ein Ereignis in seinem Leben, das bis auf den heutigen Tag keine Aufklärung gefunden hat, wahrscheinlich eine plötzliche, fluchtartige Abreise aus Eisenstadt, in diese Zeit gefallen ist. Man wird nicht fehlgehen, anzunehmen, daß eine böswillige Beschuldigung die Ursache gewesen ist, denn er nennt eine später veröffentlichte und in Druck gelegte Rede „Moralrede, die vor dem versammelten Volke gehalten wurde, da ich nach Polen Verläumdcr wegen flüchten mußte." Nicht unwichtig ist es, zu erfahren, daß die weltlichen Machthaber der Gemeinde selbst einem so angesehenen Manne gegenüber ihre Kompetenz stets behaupteten und keineswegs einen Eingriff der rabbinischen Macht in ihre Machtpositionen duldeten. So wird ein unter seiner Zuziehung gefaßter Beschluß vom Gemeindevorstande mit der kurzen Begründung aufgehoben, „diese Worte sind irrtümlich und ohne unser Wissen geschrieben. Der Oberrabbiner hat hierin geirrt". Man sieht daraus, daß das Bestreben, aus dem Rabbiner einen Geistlichen, unabhängig von der Laienwelt, zu machen, erst im assimilatorischen Denken entstanden ist. Wohl aber gehörte zu seinem Wirkungskreis eine Art polizeilicher Macht gegen groben Unfug und was man dafür hielt. Es finden sich in den von ihm verfaßten Statuten Vorschriften gegen Kartenspiel und das Tragen von Reif rocken. Selbst das gemeinsame Spazierengehen von Jünglingen und Mäd.hen wurde verboten und ebenso das Halten eines verheirateten weiblichen Dienstboten. Letzteres aus dem Grunde, um die grassierende Kindersterblichkeit zu beseitigen, die man als Folge von Sittlichkeitsvergehen ansah. (Kenner der modernen jüdischen Dramatik werden einen ähnlichen Gedankengang in dem ergreifenden Trauerspiel „Tag und Nacht" gefunden haben. Wachstein hat sich die Mühe genommen, aus den Schriften dieses Mannes und den wenigen erhaltenen Briefen die Namen aller ihm bekannten oder mit ihm in Verbindung stehenden Gelehrten festzustellen. Es ist ihm gelungen, 83 Gelehrte zu eruieren, die im engen literarischen Gedankenaustausch mit Maharam Asch standen. Es darf nicht unerwähnt bleiben, daß nebst so hervorragenden Leuten die große Masse der Bevölkerung selbstredend nur guten Durchschnitt aufweist und daß der Unbedeutenden in dieser großen Gemeinde und dem langen Zeiträume nicht wenige sind. Oft weiß selbst Wachstein, dem doch alle Quellen zur Verfügung stehen, nicht die geringste biographisch interessante Nachricht mitzuteilen. Aus dem Mittelmaß ragen in ihrer Art im 19. Jahrhundert zwei Männer hervor, die weit außerhalb ihrer Heimatsgemeinde bekannt wurden; der zu seiner Zeit sehr geschätzte Maler Leopold Kerpel (1818 bis 1880) und Ferdinand Freiherr Rosenzweig von Drauburg (1811 bis 1892), der als k. u. k. Feldzeugmeister starb, während sein Vater Michael Lob Rosenzweig 43 Jahre lang der jüdischen Gemeinde als Notar gedient hat. Wachsteins Buch ist eine grundlegende Arbeit auf dem Gebiete der Gemeindehistoric, der Kulturforschung und der Gelehrtengcschichte. Nicht allzu häufig sind Werke dieser Art, obwohl es in der jüdischen Wissenschaft noch so viele unerschlossene Gebiete gibt. In diesem Zusammenhang wird auch die Unerläßlichkeit der Laienforschung für die jüdische Wissenschaft klar. Durch Wachsteins Arbeiten sind schon manche kundige Männer aus Laienkreisen zu Studien und Forschungen angeregt worden, insbesondere auf dem Gebiete der Ortsgeschichte. M. Markbreiter arbeitet an einer Geschichte der Eiscnstädter Fläuser, //. Figdor an neuerer Eisenstädter Familienforschung, Sandor Wolf aber hat eine mustergültige Studie geschrieben, die zugleich mit Wachsteins Werk erschienen ist: „Die1 Entwicklung des jüdischen Grabsteines und die Denkmäler des Eisenstädter Friedhofes". Dieses bescheiden als Studie bezeichnete Werk behandelt das fast unerforschte Gebiet der jüdischen Kunst forschung und wird ein andermal die verdiente Würdigung hier finden. Paul Josef Diamant

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