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Menorah · 1923-01-01 · Heft 2-3 · p. Seite 24

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
1 (1923)
Issue
Heft 2-3
Article
In an Old Jewish Town ; Aus einer alten Judenstadt
Date
1923-01-01
Page
Seite 24 (sequence 2)
Language
German
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24 MENORAH 13 stille Provinzstadt wurde, die von den Wirrnissen und Fehden der Staatsaktionen unberührt ein beschauliches Dasein führte. So mag es für seine Bewohner ein angenehmer, ruhiger und friedlicher Aufenthalt gewesen sein, wie denn stets jene Völker die glücklichsten sind, von denen die Weltgeschichte nur wenig zu erzählen weiß. Die angesehenen Wiener Finanzleute, die zwar mit dem kaiserlichen Hofe große Lieferungsgeschäfte machen durften, deren Wohnrecht in Wien aber keineswegs gesichert war, erwarben fast in allen Fällen das Wohnrecht in der Eisenstädter Gemeinde für ihr Alter und kehrten oft,'wenn nach mühevollem Leben der scheinbar große Reichtum verschwunden war, arm, aber frohen Herzens nach Eisenstadt zurück. Begreiflicherweise haben sie aber zu Zeiten, als sie in Wien am kaiserlichen Hofe in Gunst standen, für die Erhaltung der Gemeinde nachhaltg gesorgt. Am meisten tat aber in dieser Beziehung Samson Wertheimer, der ein Haus in Eisenstadt besaß und selbst eine Synagoge dort erbaute. Er war es auch, der der Gemeinde ihren Rabbiner empfahl: Mose ben Isaak, der Maharam Asch genannt wurde. In Wachsteins Buch ist die Lebensbeschreibung dieses Mannes und die Schilderung seines Wirkens ein wahres Kabinettstück biographischer Forschung. Wachstein schildert seine Tätigkeit als Lehrer, Rabbiner und Richter. Als Meir ben Isak 1717 nach Eisensladt zog, zählte die Gemeinde 60 Steuerzahler und 31 Häuser. Die in Wien wohnenden Gemeindcmitglieder waren damals auf dem Höhepunkte ihres finanziellen Ansehens. Maharam Asch hat also tatsächlich hier einen Wirkungskreis gefunden, der seinem Können entsprach und in dem seine Fähigkeiten sich zu Nutz und Segen der Gemeinde voll entfalten konnten. Mehr als 26 Jahre dauerte seine Wirksamkeit in Eisenstadt. Groß war seine Bedeutung als Lehrer; berühmt seine Meisterschaft im Halten von talmudischen Vorträgen. Es war ein tiefgründiger Vortrag, der Orientiertheit in den Quellen und ein rasches Zurechtfinden in dem komplizierten Stoffe bei Vortragenden und Zuhörern voraussetzte. Es konnte kein Vortrag eines auf dem Katheder thronenden Gelehrten sein, da Fragen, Antworten, Einwürfe und Rechtfertigungen zwar den Vortrag erschwerten, aber sicherlich die Tätigkeit des Vortragenden auf eine höhere Basis stellten. Die Lehrtätigkeit und wohl auch das Interesse des Maharam Asch erstreckte sich also nicht auf den niederen oder mittleren Unterricht, sondern auf die höheren talmudischen Disziplinen. Bekanntlich war zu seiner Zeit in den jüdischen Gemeinden der Elementarunterricht sehr schlecht bestellt, da man, dem Zeitgeist entsprechend, das ganze Gewicht auf höhere, gelehrte Studien richtete, denen sich naturgemäß nur wenig hochbegabte Köpfe widmen konnten. Als Seltenheit mutet es daher an, wenn in einer Inschrift ein Mann erwähnt wird, der eine Schule für Elementarunterricht gründete und nicht eine Stiftung für höhere Talmudstudien machte. Wie schlecht es mit dem Elementarunterricht bestellt war, ersieht man aus dem Umstände, daß von dem im Jahre 1 756 verstorbenen Pinkas ben Meir Eibenschitz die Grabinschrift meldet, daß er sich mit dem Unterricht beschäftigt habe. Derselbe wird auch in einer Häuserliste von 1 750 als Schulmeister bezeichnet, während ihn die Konskriptionsliste von 1735 noch als einen Mann 'kennt, der Branntwein und Semmeln verschleißt. Man erkennt, daß ein Mann, der diesen kleinen Handel nicht auszuüben fähig war, sich nach seinem Niedergange in vorgeschrittenem Alter zum Schulmeister noch tauglich genug erachtete. Die Lehrtätigkeit des Maharam Asch, die Schüler aus allen Ländern versammelte, wurde noch durch seine literarische Tätigkeit und seine juristische, insbesondere durch die Abfassung berühmter Responswerke, ergänzt. Die Novellen zum Talmud, die Maharam Asch herausgab, sind als Frucht seiner Eisenstädter Tätigkeit entstanden. Maharam Asch sagt selbst: „Danken will ich Gott in weit vernehmlichem Preise, daß er mich Dürftigen aus der Niederung erhoben und unter vornehme, rühmenswerte Menschen gesetzt. Er hat mich in einen würdigen Ort, wo Gelehrsamkeit anzutreffen ist, das ist unsere würdige Gemeinde Eisenstadt, gebracht. Dort fand ich viele Gelehrte und scharfsinnige Männer. Auch haben die Vornehmen der Gemeinde für die Erhaltung einer Schule, in welcher ich lernbegierigen Jünglingen ständige Vorträge hielt, Sorge getragen. Mit ihnen versenkte ich mich in die Tiefen . . . und zeichnete alles auf." Seine Tätigkeit als Rabbiner war zu jener Zeit größtenteils eine richterliche, da das Rabbinatsgericht von der Obrigkeit als erste Instanz anerkannt wurde und auch die Juden selbst nur in den seltensten Fällen eine andere als die jüdische Gerichtsbarkeit angerufen haben. Es handelt sich also bei dieser Tätigkeit nicht nur, wie man leichthin glauben möchte, um Entscheidungen religiöser Kasuistik, sondern um eine tatsächliche zivilprozessuale Rechtssprechung in allen Fragen, die das bürgerliche Recht betreffen. In den Prozessen der damaligen Zeit spiegelt sich das ganze lebhaft pulsierende Leben einer zwar nicht streitsüchtigen, aber durch ihren Beruf und ihr enges Zusammenleben zu Prozessen und Händeln gedrängten Bevölkerung. Die unruhigen, kriegerischen Zeiten und die wirtschaftlichen Folgen und Krisen der Nachkriegsjahre haben schon damals den Richter vor ähnliche Probleme gestellt wie heutzutage. Valutaprozesse sind alltäglich, wenn Darlehen in gutem Gelde gegeben, vom Schuldner gerne in verschlechteter Münze zurückgezahlt werden wollen. Frauen, deren Männer in den Kriegsläuften verschollen sind, die nicht wissen, ob sie Witwen sind, und die nach dem strengen Gesetze keine zweite Heirat eingehen können, bevor der Tod ihrer Männer nicht zur strengsten Gewißheit geworden ist, haben sich zur Erwirkung der Todeserklärung, wie die Quellen beweisen, oft an ihn um Hilfe gewendet. Maharam Asch war kein Eisenstädter, sondern stammte, wie so viele Rabbiner der damaligen Zeit, aus dem Osten. Wachstein weiß aus den wenigen dürftigen Quellen immerhin eine ziemlich genaue Schilderung seiner Abkunft und seiner Wirksamkeit vor dem Eintreffen in Eisenstadt zu geben. Maharam Asch war ungefähr um das Jahr 1670 geboren, verheiratete sich in Sochaczew in Polen und konnte sich in den ersten Jahren seiner Ehe, aller Sorgen ledig, ganz dem Studium widmen. Der früher erwähnte Samson Wertheimer war sein Gönner, dem er zuerst eine Berufung nach Worms und von dort nach Proßnitz, zuletzt nach Eisensladt, verdankte. Über seine Stellung zu den Gemeindemitgliedern in Eiscnsfärdt, seine Lebensführung sind nur spärliche Nachrichten vorhanden. Diese wenigen aber hat Wachstein auf das genaueste durchforscht und Views of Eisenstadl / Ansichten aus Eisenstadt

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