Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 1 (1923)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Fashion Notes ; Modebericht
- Date
- 1923-01-01
- Page
- Seite 19 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 89% known words query
- IRI
…/2912821-2912822-2912823-2913075--00093-2913144- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
19 M E N O R A H 3rasßion SVotes I SYlodeßericfit (Redigiert Rose Low ) Daß der Mode im Leben der Frau eine überragende Bedeutung zukommt, ist wohl nie wirklich bestritten worden, aber sie wurde gerne als die unbarmherzige Beherrscherin hingestellt, deren grotesken Launen man sich unbedingt fügen müsse. Man behauptete, sie mache alle ihre Untertanen zu willenlosen Sklaven; und doch ist die Mode keineswegs bloß eine launenhafte Göttin, sondern die beste, hilfsreichslc Freundin der Frau. Sie gibt ihr die wirkungsvollsten Waffen, sie ist das wichtigste und erfolgreichste Hilfsmittel im weiblichen Existenzkampfe, sie verhilft der Schönheit der Frau zu deutlicherem Hervortreten und rückt alle ihre Vorzüge ins hellste Licht. Wer ein bißchen vorausschaute — was auch bei der Mode wichtig sein soll — sah sie kommen, die Linien, die eine Anlehnung an den second empire stark verrieten. Fast sah es so aus, als würde man uns gleichzeitig ein paar Torheiten dieser Mode zumuten. Aber das sah nur so aus. Bei tiefster Verbeugung und Respekt vor Mode kann heute keiner Dame zugemutet werden, die Krinoline anzuerkennen. In einer Zeit, wo für Nichts allzuviel Raum ist, wäre für die breite, weite Dame auch kein Platz. So nahm man wieder mit sicherem Griff und Blick das Schöne aus jener Zeit, wo Muße und Geduld es zuließen, entzückende Handarbeilen, Lingerien, Fähchenputz zu verfertigen. Sehr reicher Band- und Blumenschmuck gehören zur Art dieser Mode. Dennoch gibt es eine große Verschiedenheit der Formen und Besätze, und auch das Material der zu verarbeitenden Stoffe ist ein ungemein reichhaltiges. Vorwiegend weicher Krepp, schimmernde Tafte, seidige Alpakas und Popeline; gestreift, kariert, brochiert, gestickt, soutachiert, in wundervollster Kleinkunst verarbeitet. Die zu Beginn stark herrschende Mode der überreichen Dekors der indisch und persischen Stoffmuster geht man hier bei Straßentoiletten gern aus dem Wege und entscheidet sich lieber für Phantasiedessins in Foulard, Mousselinc, Marocain und auch für den Wellkrepp, die, mit glatten Geweben gemengt, die herrlichsten Kombinationen zulassen und jede Kleiderkünstlcrin zu schöpferischen Phantasien anregen muß. Sehr elegant und immer vornehm wirken Zusammenstellungen der immer neu bleibenden Idee von Schwarz-weiß, was für den Sommer ganz besonders gerne aufgenommen wird. Mit großen Ornamenten auf weißem Fond — feine Ajourinkrustationen, Streifen, Säumchenbordüren — lassen sich wundervolle Wirkungen erzielen. Das Kostüm, das längere Zeit ein bißchen vernachlässigt und nur als Lauf- und Zweckkleid betrachtet wurde, rückt jetzt wieder in den Vordergrund, und die an den Rock gearbeitete oder lose Bluse läßt viel Bewegungsfreiheit für Geschmack und Linie. Das dazu verwendete Taillenmatciial — stark abstechend oder mit dem Grundton korrespondierend — ist Crepe de Chine, Foulard, Marocain, Japon oder der sehr viel verwendete Crepe Georgette, der deshalb gern genommen wird, weil er das Tragen auch an heißen Tagen ermöglicht. Die 1. Origineller Cape-Mantel mit aufgestepptem Schürzenteil. — Originell Cape-cloak with quilted apron. 2. Helles Trotteur mit Leder. — Light trotteur with leather. 3. Schwarzes Maroquine-Kleid mit Organdy geputzt. — Black maroquin-dress arranged with organdy