Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 1 (1923)
- Issue
- Heft 1
- Article
- David Pinski
- Date
- 1923-01-01
- Page
- Seite 10 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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10 M E N O R A H DAVID PINSKI David Pinski, Dramatiker und Novellist, ist eine der repräsentativen Erscheinungen der modernen ostjüdischen Literatur; er lebt und schafft seit einer Reihe von Jahren in New York und die dort einsetzende Entwicklung der neuesten jüdischen Literatur in der Volksumgangssprache baut zum Teil auf den Grundlagen weiter, die Pinskis dichterisches Werk geschaffen hat. Es ist keine Dutzenderscheinung, der heute etwa fünfzigjährige Mann, welcher, am Schnittpunkt zweier jüdischer Kulturströmungen stehend, für den literarischen Ausdruck einer neuen Strömung richtunggebend geworden ist. David Pinski, welcher im Jahre 1872 zu Mohilew am Dniepr geboren wurde, in seiner Geburtsstadt die übliche Erziehung im jüdischen Cheder erhielt, jedoch schon als zehnjähriger Knabe mit den Eltern nach Moskau kam und dort allgemeine Bildung sich anzueignen die Möglichkeit fand, hat aus den Großstädten — nach der Vertreibung der Juden aus Moskau kam er, zwanzigjährig, nach Warschau, wo er in Spektors „Hausfreund", dem damaligen Sammelpunkt der jungen jüdischen Literatur, seine ersten literarischen Gehversuche machte, und ging dann im Jahre 1896 nach Berlin, um die Universität zu beziehen — den Puls der aufsteigenden Arbeiterbewegung gespürt. Nicht unbezeichnend ist denn auch das Pseudonym D. Puls, unter welchem er in Warschau und Wilna aufklärende populäre Schriften über naturwissenschaftliche Themen, später auch Erzählungen und Skizzen, dem jüdischen Arbeitcrleben entnommen, veröffentlichte. Der Sozialismus in seiner Wiederspiegelung auf das jüdische Leben im Osten wurde für David Pinski die Grundlage seiner dichterischen Anschauung und ist es bis heute geblieben. Freilich, die Schablone tagespublizistischer Kritik, welche David Pinski mit dem Schlagwort „Arbeiterdichter" abfertigt, gilt in diesem Fall ebenso wenig wie in anderen Fällen. Denn Pinski verdiente nicht den Namen eines Dichters, wäre ihm nicht aus dem Blick auf das jüdische Weltbild rings um ihn all das ins dichterische Bewußtsein gekommen, was für die Formung dieses jüdischen Weltbildes bis heute neben und über den Sozialismus maßgebend und schöpferisch ist. Pinski sah, wie die spät, aber doch einsetzende modern kapitalistische Entwicklung Rußlands in dem bis dahin ziemlich einheitlichen sozialen Leben der russischen Judenheil eine neue soziale Schichtung hervorrief, sah das Entstehen eines jüdischen Arbeiterstandes, aber auch das Versinken einer alten jüdischen Welt, die eine gewisse kulturelle Einheit besessen hatte. Aus diesen inneren Erschütterungen, die von schweren äußeren begleitet waren, entwickelte sich — krampfhaft und in Zuckungen — das, was wir im kulturellen Sinne das moderne jüdische Leben zu nennen gewohnt sind, mitten in der großen Masse des Ostens. David Pinski, der bereits nach der ersten Epoche der ostjüdischen Aufklärung zu Worte kam, konnte eine breitere, weitere Ausschau gewinnen über die Entwicklungsmöglichkeiten des jüdischen Lebens. Er sah sie zunächst in der Entwicklung der volkstümlichen kulturellen und sprachlichen Elemente. Darum war er, zusammen mit dem Publizisten Chaim Schitlowski, der erste, welcher in der Schweiz im Anschluß an den ersten Zionistenkongreß zu Basel die erste Konferenz der Freunde der jiddischen Sprache organisierte. Bereits die ersten Erzählungen Pinskis, wie „Reb Schlojmc", „Erew Jörn Kipur" und andere, schlagen neben gewissen aufklärerischen und sozialistischen Akkorden einen Grundton an: den tragischen Untergang des alten jüdischen Geschlechtes, den Pinski stark und mit Wehmut mitempfindet. Und das rein sozialistische Fahrwasser einer platten Aufklärung, wie sie in der Zeit des Entstehens der jüdischen Arbeiterbewegungen beliebt war und vielfach bis heute blieb, hatte Pinski bereits verlassen, als er im Jahre 1899 sein „Ein fi^r ^f* >*->r ^> ' <£■ ^>^3 ■ ^" \ V ** «f (<3X~>is . ( >£o-*4l A**V; v*, M ^C^'d^> »lyr ^-^^U?^" 1S>^^ ^)^ * i £>. -u-^ °S ^':><-'.-> v. Qs^ r\^*^ . 03^ v^&; V, '.•I'i'i Mordechai Benet, Letter of Introduction for Jona Beer Bondi (Eisenstadt) Empfehlungsschreiben des Mordechai Benet für Jona Beer Bondi aus Eisenstadt