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Menorah · 1923-01-01 · Heft 1 · p. Seite 9

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
1 (1923)
Issue
Heft 1
Article
Carl Marx, an Enemy of Jewry ; Karl Marx als Judenfeind
Date
1923-01-01
Page
Seite 9 (sequence 2)
Language
German
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9 M E N O R A H Juden ist die Emanzipation der Gesellschaft vom Judentum". Auf diesen Ausspruch scheint Marx besonders stolz zu sein. Schon die Marx-Kritik vor dem Weltkrieg hat über diese einseitige Auffassung eines wichtigen sozialen Problems sich sehr heftig geäußert. Man behauptete, daß dieser Lösungsversuch des Begründers des modernen Sozialismus nicht würdig sei. Masaryk, der große Soziologe und wirksame Staatsmann, hat in einem seiner Hauptwerke „Die philosophischen und soziologischen Grundlagen des Marxismus", Seite 452, wörtlich gesagt: „Marx will in der jüdischen Frage weder die nationale noch die religiöse Seite richtig sehen. Das wirtschaftliche Moment ist keine Analyse, keine psychologische Vertiefung des jüdischen Religionsproblems". In der Fassung von 1874 wird Marx beinahe zum Soziologen der Hakenkreuzler. Ich gehe noch weiter wie Masaryk und behaupte, daß sowohl der alte wie der junge Marx die kulturelle und politische Geschichte des Judentums auch nicht begriffen haben. Es ist wahr, daß es im Altertum ganze religiöse Sekten gegeben hat, die das Volk bewucherten. Wie es aber in Rom neben der Korruption der Equites die sozialen Reformen der Gracchen gab, so wirkte im alten Palästina der große Hillel, der Christus' Auffassung antizipierte und vorbereitete und schon den Satz prägte: „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst." Sicherlich waren die Juden liisenstadt <>f Atahaiam Ascli — (nah: Eisenstadt mbstone ..... Grabstein des Mittelalters durch die Zinsverbote der Kirche an Wucher gewöhnt, aber das ist nur die eine Seite der jüdischen Medaille. Die Marxisten müssen zugeben, daß Tausende von Juden sich als Idealisten bewiesen und für ihren Glauben in den Tod gingen. Auch Marx wird diesen Heroismus nicht als Geschäft deuten. Es ist ein tragisches Schicksal, daß ein großer und origineller Denker auf fast allen einzelnen Gebieten der Philosophie und der eigentlichen Soziologie versagt hat. Und wie ein Satyrspiel zur Ergänzung des Dramas stoßen wir auf die Tatsache, daß Marx selbst ein reiner Jude im guten und schlechten Sinne war. Er war gelehrt und einseitig, scharfsinnig und der Sklave geistiger Konstruktionen, und er war mehr Talmudist wie Forscher. Jüdische Gelehrte behaupten. daß das große Rabbinergeschlecht, dem er direkt entsproß, als scharfsinnige, aber auch einseitige und boshafte Talmudinterpreten bekannt war. Marx hat aber seltsamerweise auch die wirtschaftlichhistorische Seite des Judentums nicht mit der nötigen Präzision erfassen können. Die Juden sind nicht die Initiatoren und die Träger des modernen Kapitalismus. Die Fugger waren vor den Rothschilds da und hatten eine größere Macht als die Frankfurter Juden. Die technischen Ausdrücke jener Geldperiode waren von italienischer Prägung. Bis zum Weltkrieg (wo eine Renaissance des Bankiertums in Erscheinung tritt) sind es die Könige der einzelnen Großindustrien, die wirtschaftlich herrschen. Hier bilden die Juden nur einen bescheidenen Prozentsatz der modernen Entwicklung. Die ganz großen Industriemagnaten in Amerika und Mitteleuropa sind Nichtjuden. Ja, sie haben oft extreme christliche und antisemitische Neigungen. Man denke an Rockefeller, der einer christlichen Sekte angehört, und an Ford, der offenen Antisemitismus treibt. Aber auch die großen Bankiers Amerikas wie Morgan sind ausgesprochene Arier. In Mitteleuropa ist der reichste Industrielle sicherlich Stinnes, der nicht nur Eisen, Kohlen und Schiffahrt beherrscht, sondern auch den deutschen Nationalismus dirigiert. Die Juden haben den Kapitalismus nicht erfunden und sie haben ihn auch nicht modernisiert. Paul W' eisengrün Die Judenstadt von Tunis Im Glanz die Stadt, ein weißes Flimmern. So ruhig blaut der Himmel drein. Gestalten, weiß und stumm. Ein Schimmern Bricht hell dort aus des Marktes Reih'n. Da ziehen Juden starken Ganges, Die Edelsteine auf der Brust: Sie ziehen murmelnd stolzen Sanges, Wie Priester ihres Gotts bewußt. Und wie ein König an Gebärde Weist mir der Alte dort sein Haus; Die Kinder neigen sich zur Erde, Spricht nur ein Wort der Vater aus. In Purpur, golclverbrämten Mützen LVnschreiten sie den Hausaltar. Er hebt das Buch —- die Blicke blitzen. Du lebst, Judäa, du bist wahr! Judäa, längst aus deinen Bürden Riß ich mich spielend heiter los. Nun fühl' ich meines Stammes Würden Lhid sink' in deinen dunklen Schoß. Müd schwingt in mir versunknes Beten, Urväter Zug das Tal durch fegt. Gesträubten Haars sieh den Propheten, Wrie er aus Herzen Quellen schlägt. -------- Paul Welheimer

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