Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 1 (1923)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Carl Marx, an Enemy of Jewry ; Karl Marx als Judenfeind
- Date
- 1923-01-01
- Page
- Seite 8 (sequence 1)
- Language
- German
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MENORAH Carl Marx, an Enemy of Jewry / Karl Marx als Judenfeind Da immer behauptet wird, das Judentum stünde zu einem Großteil im marxistischen Lager, was übrigens eine glatte Erfindung ist, dürfte ein antisemitisches Pamphlet interessieren, das keinen Goringeren als den Schöpfer des modernen Sozialismus, Karl Marx, zum Verfasser hat. Der im Jahr 1874 erschienene Aufsatz hatte nach der Berliner „Roten Fahne" folgenden Wortlaut: „Suchen wir das Geheimnis des Juden nicht in seiner Religion, sondern suchen wir das Geheimnis der Religion im wirklichen Juden. Welches ist der weltliche Grund des Judentums? Das praktische Bedürfnis, der Eigennutz. Welches ist der weltliche Kultus des Juden? Der Schacher. Welches ist sein weltlicher Gott? Das Geld. Nun wohl! Die Emanzipation vom Schacher und vom Geld, also vom praktischen realen Judentum, wäre die Selbstemanzipation unserer Zeit. Eine Organisation der Gesellschaft, welche die Voraussetzungen des Schachers aufhöbe, hatte den Juden unmöglich gemacht. Sein religiöses Bewußtsein würde wie ein fader Dunst in der wirklichen Lebensluft der Gesellschaft sich auflösen. Die Judenemanzipation in ihrer letzten Eisenstadt t (Renaissance Style) of a jewis naissancestil) eines l-iscnstädtei Bedeutung ist die Emanzipation der Menschheit vom Judentum. Der Jude hat sich auf jüdische Weise emanzipiert, nicht nur, indem er sich die Geldmacht angeeignet, sondern indem durch ihn und ohne ihn das Geld zur Weltmacht und der praktische Judengeist zum praktischen Geist der christlichen Völker geworden ist. Die Juden haben sich insoweit emanzipiert, als die Christen zu Juden geworden sind. Das Judentum hat sich neben dem Christentum gehalten, nicht als religiöse Kritik des Christentums, sondern ebenso sehr, weil der praktisch-jüdische Geist, weil das Judentum in der christlichen Gesellschaft selbst sich gehalten und sogar seine höchste Ausbildung erhalten hat. Der Jude, der als ein besonderes Glied in der bürgerlichen Gesellschaft steht, ist nur die besondere Erscheinung von dem Judentum der bürgerlichen Gesellschaft. Das Judentum hat sich nicht trotz der Geschichte, sondern durch die Geschichte erhalten. Aus ihren eigenen Eingeweiden erzeugt die bürgerliche Gesellschaft fortwährend den Juden. Das praktische Bedürfnis, der Egoismus ist das Prinzip der bürgerlichen Gesellschaft und tritt rein als solches hervor, sobald die! bürgerliche Gesellschaft den politischen Staat vollständig aus sich herausgeboren. Der Gott des praktischen Bedürfnisses und Eigennutzes ist das Geld. Das Geld ist der eifrige Gott Israels, vor welchem kein anderer Gott bestehen darf. Das Geld erniedrigt alle Götter des Menschen — und verwandelt sie in eine Ware. Das Geld ist der allgemeine, für sich selbst konstituierte Wert aller Dinge. Es hat daher die ganze Welt, die Menschenwelt wie die Natur, ihres eigentümlichen Wertes beraubt. Das Geld ist das dem Menschen entfremdete Wesen seiner Arbeit und seines Daseins, und dies fremde Wesen beherrscht ihn, und er betet es an. Der Gott der Juden hat sich verweltlicht, er ist zum Weltgott geworden. Der Wechsel ist der wirkliche Gott des Juden. Sein Gott ist nur der illusorische Wechsel. Das Judentum erreicht seinen Höhepunkt mit der Vollendung der bürgerlichen Gesellschaft; aber die bürgerliche Gesellschaft vollendet sich erst in der christlichen Welt. Nur unter der Herrschaft des Christentums, welches alle nationalen, natürlichen, sittlichen, theoretischen Verhältnisse dem Menschen äußerlich macht, konnte die bürgerliche Gesellschaft sich vollständig vom Staatsleben trennen, alle Gattungsbande des Menschen zerreißen, den Egoismus, das eigennützige Bedürfnis an die Stelle dieser Gattungsbande setzen, die Menschenwelt in eine Welt atomistischer, feindlich sich gegenüberstehender Individuen auflösen. Das Christentum ist aus dem Judentum entsprungen. Es hat sich wieder in das Judentum aufgelöst. Der Christ war von vornherein der theoretisierende Jude, der Jude ist daher der praktische Christ, und der praktische Christ ist wieder Jude geworden. Sobald es der Gesellschaft gelingt, das empirische Wesen des Judentums, den Schacher und seine Voraussetzungen aufzuheben, ist der Jude unmöglich geworden, weil sein Bewußtsein keinen Gegenstand mehr hat, weil die subjektive Basis des Judentums, das praktische Bedürfnis vermenschlicht, weil der Konflikt der individuell-sinnlichen Existenz mit der Gattungsexistenz der Menschen aufgehoben ist. Die gesellschaftliche Emanzipation des Juden ist die Emanzipation der Gesellschaft vom Judentum." * Diese Äußerungen des Begründers der Sozialdemokratie können auch vom extremsten Antisemitismus nicht leicht übertroffen werden. Es wäre aber ein großer Fehler, wollte man glauben, daß Marx erst im Jahre 1874 zu dieser Anschauung gekommen wäre. Damals war der große Gelehrte schon ein reifer Mann, er hatte sein vielleicht bedeutendstes Werk „Kritik der politischen Ökonomie" längst hinter sich. Auch der erste Band seines Systems war bereits erschienen. Viel mehr aber steht der junge Marx in bezug auf das jüdische Problem auf einem radikaleren Standpunkt. Lange vor dem „Kommunistischen Manifest", das er zusammen mit Engels verfaßte, schrieb er einen Artikel zur Judenfrage in den Deutsch-französischen Jahrbüchern 1 844. In diesem Aufsatze heißt es, daß der Eigennutz die eigentliche Religion der Juden sei. In allen Studien des alten und jungen Marx kommt der Satz vor: „Die gesellschaftliche Emanzipation der