Neue jüdische Monatshefte
- Journal
- Neue jüdische Monatshefte
- Volume
- 1919-1920
- Issue
- Heft 11-12 (10.3.1920)
- Article
- Ausland
- Date
- 1920-03-10
- Page
- Seite 271 (sequence 3)
- Language
- German
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271 allgemeinen sei daran festzuhalten, dass viele antijüdischc Handlung-en der Polen mehr politischen als antisemitischen Charakter haben; dies erhelle schon daraus, dass die Juden in Polen nationalpolitisch organisiert sind. Abhilfe kann da nur geschaffen werden durch demokratische Verwaltung des Landes, wobei die Politik nichts' mit der Besetzung der .JBeamtenstcllcn 'zu tun haben darf; diese dürfen nur nach der Tüchtigkeit vergeben werden. Es darf keine Front der Majorität von 86 Prozent der 'Bevölkerung gegen die Minorität von 14 Prozent geben. Der Bericht kommt zum Schluss, dass d>? Mission während ihres Aufenthaltes in Polen sich nur über die allgemeine Lage der Bevölkerung informieren konnte. Um die Lösung der jüdischen Frage in Polen zu formulieren, sei eine genaue Untersuchung über die wirtschaftliche Lage der Juden im besonderen und die Bedürfnisse Polens im allgemeinen notwendig. Daher 'möge der Völkerbund oder die grossen Nationen, welche an dem Problem interessiert sind, eine Kommission von Fachmännern auf allen Gebieten nach Polen entsenden, welche dort so lange zu bleiben hätte, bis sie das' Problem gründlich untersucht hat, Diese Kommission soll einen Plan^ finden, um den Juden Polens die Garantie für dieselben wirtschaftlichen und sozialen Bedingungen zu schaffen, welche sie in anderen freien Ländern gemessen. Dass Polen den Grundsätzen der Freiheit, welche es seit jeher besitzt und auch durch den Friedensvertrag auf sich genommen habe, treu bleiben werde, daran sei nicht zu zweifeln. Die Lösung des jüdischen Problems in Polen wird nach der im Berichte ausgesprochenen Aussicht eine bis zwei Generationen dauern. Zum Schlüsse mahnt der Bericht alle Bürger Polens zur Einigkeit, welche für das Gedeihen des neuen Staates unbedingt nötig sei; „es darf nur eine Klasse von Bürgern in Polen, von denen alle die gleichen Rechte geniessen und die gleichen Pflichten tragen.u Die jüdische Liste. „Hoffen wir, dass die Sieger ihren Kriegsverbrechern (gegenüber dieselbe Gerechtigkeit werden walten lassen, die sie von den Besiegten fordern. Das würde den Weg, der uns von dem hehren Tempel der wahren Weltgerechtigkeit trennt, beträchtlicher kürzen, als alle Reden, Noten, Ideologien zusammen. Ein neues Gesetz wäre aufgestellt, ein neuer Grundsatz des Rechtes der zivilisierten Nationen, den von Barbarei zu brechen vermöchte, dass weder Souveränität, noch Macht, weder Rang noch ausserordentliche Umstände wie Krieg oder Wirren von der persönlichen Haftung für Verbrechen gegen Völker und Einzelne befreien. Dann wäre der Weg frei für den Gerichtshof, der die Hoffnung aller Unterdrückten, aller Geknechteten und Gepeinigten wäre, der keinen Unterschied zwischen stark und schwach, sondern nur zwischen Schuld und Unschuld kennen würde. Freilich muss, damit dies hohe Iribunal wirklich seiner Aufgabe gerecht werden könnte, alle Menschen guten Willens der starke Wunsch beseelen, der Gerechtigkeit zum Siege zu verhelfen. Nun wohl, ihr kleinen, unsagbar leidenden Völker, wo sind eure Listen? — Die Arrneniermctzelcicn dauern nach all den Schandtaten der letzten Kriegsjahre weiter fort. Wo ist die Aufzählung der Schuldigen, jener Mörder und Räuber, vom Pascha bis zum letzten anatolischen Askari? Wo, vor allen Dingen, ist die Liste des jüdischen Volkes, die beginnen müsste mit 1. Denikin, General. Gab Befehle, die zu Mord Zehntausender, zu Plünderung, Vergewaltigung wehrloser Frauen, Raub, Erpressung, Diebstahl, zu Deportationen und Massensterben führten. 2. Haller, General. Desgleichen. 3. Friedrich, Kriegsministcr. Gab Befehle, die zur Plünderung, Vergewaltigung, Erpressung usw. führten. 4..... 5. . .. und ins Unendliche weiter, bis zu den wirklichen Mördern und Banditen, dem Abschaum der Menschheit, der auf die Juden losgelassen wurde, oder etwa jener Leute, die Aufhetzung zu Pogromen, Aufreizung z\ir Bewaffnung gegen Juden, Verleumdung, Lüge usw. sich zur Lebensaufgabe setzen. — "Wo bleibt diese Liste, die tausend und tausend Namen enthalten würde, die von den jüdischen Zeitungen, von der anständigen Presse