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Neue jüdische Monatshefte · 1920-03-10 · Heft 11-12 (10.3.1920) · p. Seite 245

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1919-1920
Issue
Heft 11-12 (10.3.1920)
Article
Aussenpolitik und Ostjudenfrage
Date
1920-03-10
Page
Seite 245 (sequence 2)
Language
German
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245 mentales Gemüte, dass nun wenigstens dieses Grab, dank der Liebe zweier Galizianer, bemerkbar bleiben wird. 2. Es erscheint klug, den gemütiidhen Tonfall der Anekdote aufzugeben und stramm zum Thema zu schreiben, mit einleuchtender Deutlichkeit und ohne doppelten Boden — zu einem Thema, welches der deutschen Politik angehört — der äusseren, wie der inneren. Der äusseren?' Sprechen wir von ihr. Alle Akte eines Volkstums, die über seine politischen Grenzen hinauswirken, sind Akte der äusseren Politik. Sie beeinflussen entscheidend das Bild, das ein Volk von aussen gesehen bietet, uhd auf das allein sich das Werturteil der Mitvölker gründet —* dieses moralische Phänomen, .über das die „Realpolitiker" sich so lange mokierten, als es sie nicht erschlagen hatte. Die Gesinnungder' Abendländer gegen ein Volk ihrer Gemeinschaft ist eine Wirklichkeit ersten Ranges; so "fällt jedes symptomatische Geschehen innerhalb eines Staates zugleich mit Notwendigkeit, als dem europäischen Urteil unterbreitet, in jene aussenpolitische Sphäre. Wehe, wenn man nun daraus sofort eine „praktischpolitische Maxime" ableiten, das heisst, seine inneren Akte nach dem Eindruck einrichten wollte, den sie nach aussen machen. Denn jede . mit dem Schielen nach jener Oeffentlichkeit gefälschte Handlung ist sofort eine vergebens getane Handlung. Europa ist nicht dumm genug, sich etwas vormachen zu lassen, ohne kühl zu registrieren, dass jemand Eindruck schinden wolle; was den Eindruck bekanntlich ins Gegenteil wendet. Es kommt alles darauf an, frei und aus der Gesinnung des nationalen Wesens heraus zu handeln! und das Urteil der Welt als Folge 2fu tr(agcn —' Urteil und praktische Folgerung daraus, die eine Einheit sind. Auf jede Aeusserung der Deutschen Republik, die eine Gesinnung des jungen Staates ausspricht, wie auf jede seiner Teilstaaten, ist die europäische Oeffentlichkeit heute aufmerksam, denn von dieser Gesinnung hängt die Haltung ab, die sie gegen uns einzunehmen gewillt ist, und von dieser Haltung der Weg, den wir durch diese fürchterliche Gegenwart gehen. Die Ostjuden sind eine in jedem Sinne praktische, schwächere Gemeinschaft als die Deutsche Republik. An der Haltung eines. Schwachen gegen den Schwächeren erkennt man untrüglich seine geistige Struktur: ob er der Gerechtigkeit selber fähig sei, die er beständig anrufen muss, hier entscheidet es sich. Ob er die innere Wandlung wirklich erlebt hat, die er von sidh bezeugt, hieran erkennt man es, und man richtet sielt in Vertrauen und Misstrauen darnach ein mit vollem Recht. Nichts hat dem neuen polnischen Staate mehr geschadet, als die Judenmetzeleien, mit denen er seine neue Freiheit einleitete und befJeckte: die Probe an dem Schwächeren ist untrüglich. Dies ist ein Beispiel und kein Vergleich, denn schon das Vertrauen in die sittliche Kraft des gemeinen Mannes, das sich in dreieinhalbjähriger Kameradschaft aufbauen und erproben konnte, würde ihn nicht für erlaubt halten, von allem anderen abgesehen. Da politisch ein Ausdruck öffentlicher Sittlichkeit ist, müsstc hier an diese Wahrheiten •— Bisen Wahrheiten wie bekannt — erinnert werden, damit man sich jetzt um so unabgelenkter der Gegenüberstellung widmen könne, die in der Niederschrift ausgedrückt ist.

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