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Neue jüdische Monatshefte · 1920-02-10 · Heft 9-10 (10.2.1920) · p. Seite 221

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1919-1920
Issue
Heft 9-10 (10.2.1920)
Article
Vom werdenden Palästina
Date
1920-02-10
Page
Seite 221 (sequence 4)
Language
German
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22! Atmosphäre, von denen ich im Westen träumte, und die meinen zionistischen Glauben und meine Begeisterung rechtfertigen. Hier, das fühlt man, sind die Väter einer werdenden judischen Generation." („Der Jude", IV/9.) Prof. Alfred E. Zimmern. Die „.Erziehung" der Ostjuden durch die Westjuden. „Was die Ostjudcn brauchten, war ökonomische Gleichberechtigung, eine Ausrüstung für den wirtschaftlichen Kampf ums Dasein — man kämpfte, um ihnen politische Gleichberechtigung zu verschaffen. Sie brauchten Aufklärung, Welt wissen, Kenntnis von Technik und Handwerk — man brachte ihnen religiösen Freisinn. Abraham Geiger empfahl Ende der 60 er Jahre als das wirksamste Mittel gegen das Elend der rumänischen Juden das Studium der neueste« .Ergebnisse der Bibel- und Talmudkritik, und die Pariser Juden schickten nach Bukarest und Jassy elegante französische Prediger, die (geistreiche Sermons hielten und den Gottesdienst modernisierten. Eine Schar von tüchtigen Industrielehrern und Handwerksmeistern hätte man hinsenden sollen, anstatt der freisinnigen Theologen; Lehrbücher für den Zeichenunterricht, für Handfertigkeit und kaufmännische Buchhaltung hätten mehr genutzt als sämtliche Bibel- und Talmudkritik. Was den Juden am meisten nottat., war eine körperliche Ertüchtigung. Das leben im Ghetto, die sitzende Lebensweise der meisten, der Chassidisnuis und das Elend hatten ihre Muskelkraft stark heruntergebracht, so dass sie zu grösserer körperlicher Anstrengung unfähig geworden waren und rein physisch im Kampfe ums Dasein zurückstanden. Turnen und Leibesübungen hatten da eine viel grössere B-edeutung für den Fortschritt als reformierter Gottesdienst. Jahrzehntelang kämpften die Westjuden einen schweren Kampf gegen die Regierungen Rumäniens, um den dortigen Juden das Recht zu erwirken, als Hausierer mit dem Warenkasten auf'dem Rücken herumzureisen und als Schankwirte sich in den Dörfern zu betätigen. Warum hat man sich nicht gefragt: sollen diese Juden ewig als Hausierer und Schankwirte ihr Dasein fristen? Wäre es nicht angezeigt, wenigstens der folgenden Generation den Weg zu. ehrenhaften Erwerbsquellen, wie Handwerk und Gewerbe, zu erschliessen? Jeder Privatmann und alle grossen und kleinen jüdischen Organisationen im Westen, die sich mit der „Hebung" der Ostjuden befassten, waren zunächst darauf bedacht, ihnen Schulen zu gründen. Schulen sind gewiss ein Segen, aber nur, wenn sie für das Leben vorbereiten. Das tun nur jene Schulen, die die Judenknaben mit dem 12. oder 14. Lebensjahre aufnehmen und 'sie bis zur Vollreife ein nützliches Gewerbe lehren, das ihnen ermöglicht, sich in der Welt redlich fortzubringen. Die westeuropäischen Schufen für die Ostjuden brachten der Schuljugend ein bisschen Lesen und Schreiben bei, die Anfangsgründe des Deutschen resp. Französischen, und überliessen im 12. Lebensjahre die Schulentlassenen ihrem Schicksale. Daraus ergab sich nur eine Vermehrung des gebildeten Proletariats unter den Juden, verstärkte sich die äusserst ungesunde, ja gefährliche Ucberfüllun^ der Biidungsschicht und der akademischen Berufsarten. Wie sollten alle diese Akademiker in Zukunft ihr Dasein fristen, zumal die Beamtenkarriere ihnen nur in einem verhältnismässig geringen Masse offen stand? Das

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