Neue jüdische Monatshefte
- Journal
- Neue jüdische Monatshefte
- Volume
- 1919-1920
- Issue
- Heft 9-10 (10.2.1920)
- Article
- Vom werdenden Palästina
- Date
- 1920-02-10
- Page
- Seite 219 (sequence 2)
- Language
- German
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219 lande«? geschrieben von der Zeit der ersten britischen Niederlassungen bis zur Aufsaugung des letzten Staates durch die Vereinigten Staaten; sie haben «davon als von dem Marsch der Pioniere nach1 Westen über das Festland geschrieben. Wenn man mit den jüdischen Pionieren spricht, so erkennt man, dass sie sich genau vor demselben Problem stehend fühlen. Es ist ausgeschlossen, dass jüdische Kulturarbeit dauernd an irgendeinem künstlichen Punkt aufhören und dass hinter diesem Punkt nomadisierendes oder Kaffernleben beginnen sollte. Es ist ebenso unmöglich, auf der Karte eine Grenze westlich von der Wüste zu ziehen, als es unmöglidh! wäre, dass das Mississippital oder die Rockeymountains oder irgendein Ort, der nicht am Stillen Ozean liegt, eine Grenze bilden könnte. Welche Grenze immer auf der Karte gezeichnet wäre -— und ich'hoffe und glaube, dass es eine gute Grenzlinie wird, — wir müssen annehmen, dass das jüdische Heimatland sich schliesslich; bis an den Rand der Wüste ausdehnen wird, d. h. das neue Palästina wird in den verschiedenen, von mir erwähnten Hinsichten ein modernes Palästina sein, sehr verschieden von dem Palästina Davids oder dem der Makkabäer oder dem, das die Juden nach dem Fall Jerusalems verliesserr. ... — Wir wollen uns jetzt ein jüdisches Heimatland sichern, aber ungleich den Briten hatten wir unsere Dominions, ehe wir unser Heimatland hatten. Wir hatten unser Australien und Kanada, ehe wir unser England hatten. Die verschiedenen jüdischen Gemeinschaften der Diaspora haben auf eigene Rechnung nationale, oder vielleicht sollte ich sagen: subnationale Eigentumrichjkciten entwickelt. Ich möchte daraus den Schluss ziehen, dass unser Problem sich nicht einfach darum dreht, ein altes Volk in sein altes Heim zu bringen, es handelt sich vielmehr darum, den neuen Juden, oder richtiger Arten von neuen Juden in Beziehung zu setzen zu einem wirklich neuen leben; Unsere Aufgabe ist es, eine neue Nation zu schaffen, in manchen Beziehungen so neu wie die Vereinigten Staaten, Kanada, Neuseeland oder Australien. — Es gibt wenigstens vier Subnationalitäten unter den palästinensischen Juden: die Jemeniten, die Sefardim, die Aschkenasim und was ich die regierende Klasse nennen möchte. Und der Verkehr zwischen ihnen ist durchaus kein solcher, wie man ihn in einer durchaus demokratischen und wanderschaftskundigen Gemeinschaft erwarten würde. So wurde mir z. B. gesagt, dass kein einziger Fall von Mischehe zwischen einem Jemeniten und einer andern Abteilung der Gemeinschaft bekannt ist, und VJass es als ungeheure Ehre für eine jemenitische Famillie betrachtet werden würde, wenn eine solche Verbindung sich vollzöge. Ferner hörte ich', [dass die gleiche Arbeit in verschiedener Weise entlohnt wird, je nachdem Jemeniten, Aschkenasim oder sefardische Juden sie leisten. Die Jemeniten klagten darüber, dass, trotzdem sie bessere Arbeiter sind, jene Mitbürger höhere Löhne bekommen, weil die Jemeniten als blosse Holzhauer und Wasserträger angesehen werden. Ich war empört, in Tel-Awiw in Steinwurfs^ weite von einer der verkehrsreichsten Strassen nach dem Meer eines der übelsten Quartiere zu finden, die ich je gesehen habe. In der Mehrzahl der jüdischen Kolonien hatte ich 'den Eindruck von einer ausgesprochen aristokratischen Gesellschaft. In einer Kolonie, an die ich besonders schöne Erinnerungen habe, vollzog sich unser Empfang in aufsteigender gesell-