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Neue jüdische Monatshefte · 1920-02-10 · Heft 9-10 (10.2.1920) · p. Seite 208

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1919-1920
Issue
Heft 9-10 (10.2.1920)
Article
Anitta Müller
Date
1920-02-10
Page
Seite 208 (sequence 6)
Language
German
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208 ihre Persönlichkeit und ihre Arbeit eines sind(. Daheim und in ihren Bureaus ist sie dieselbe einfache, warme, menschlich so sehr sympathische Frau; bewundernswert ist, wie sie es über sich gewinnt, Eseit sechs Jahren ihr schönes Heim über ihrer sozialen Arbeit fast den ganzen Tag zu entbehren. Sie selbst betrachtet — was ihrer ganzen Tätigkeit den eigentlichen Stempel des Natürlichen und Echten aufprägt — ihre Arbeit nicht als eine Aufopferung, nicht als Geschenk, sondern als die selbstverständliche Pflicht des ganzen, produktiven, innerlich reichen Menschen gegenüber seinen Brüdern und gegen sich selbst. Sie nennt es „ihre eigene Selbstsucht befriedigen", wenn sie die in ihr latenten Kräfte sich regen lässt zum Segen der Unglücklichen, sie ist den kranken Kindern dankbar, dass sie für sie sorgen kann. Und so weit geht ihre Auffassung von ihrer Pflicht gegen ihr Volk, dass sie vor einigen Monaten trotz der Ueberfülle der auf ihr lastenden Arbeit noch bei den verschiedenen Wahlkampagnen die wertvollste Stütze der jüdisch-nationalen Partei war. Dass einer unserer Führer in die Nationalversammlung, dass drf»t Jüdischnationale in den Gemeinderat gewählt wurden, das ist zu einem grossen Teil der Mithilfe Anitta Müllers zu danken, die wochenlang ohne Rücksicht auf sich und ihre eigene Häuslichkeit täglich mehrere Agitationsreden hielt, überall unter stürmischer Begeisterung und mit bestem praktischen Erfolg. Auch darin sieht sie eine Verpflichtung, ihr auferlegt durch die ihr verliehene Kraft. Trotz ihrer politischen und rethorischen Tätigkeit, die sie nur selten neben ihrer sozialen Arbeit ausübt, bleibt ihr eigentliches Gebiet doch immer die Fürsorge um kranke und schwache Kinder, und ihre Pläne für den weiteren Ausbau sind grosszügig und schön! Ihr Motiv ist das Motto auf dem ersten Jahresberichte der „Sozialen Hilfsgcmeinschaft Anitta Müller": Grösser als alle Not soll die helfende Liebe sein! Ein Siedlungshaus für Palästina. Von Regierungsbaumeister Alex. Baerwald, Berlin, er Verband Zionistischer Ingenieure und Agronomen der Vereinigten Staaten hat ein grosszügiges Programm derjenigen Arbeiten aufgestellt, die zur Einwanderung und schliesslichen Sess- . haftmachung der jüdischen Massen erforderlich sind. Die Bauarbeiten nehmen an diesem Programm, zu dem die zionistische Technikerschaft , anderer Länder, also auch Deutschlands; Stellung nehmen soll und wird, einen grossen Raum ein. Wie alles1, was Amerikaner anpacken, ist die ganze Behandlung der Bauaufgaben grosszügig und grossartig, "aber sie ist rein theoretisch und geht von Gesichtspunkten aus, die mit den Anschauungen, «die in den Kreisen hiesiger zionistischer Techniker heirrschen, nicht immer in EinklangN stehen. Das gilt insbesondere von den Häusern der endgültigen Siedelungen. Hier in Deutschland liegt der Zwang, in allen Dingen sparsam zu sein, in der Natur der Verhältnisse! Alle Volkswirtschaftler und

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