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Neue jüdische Monatshefte · 1920-02-10 · Heft 9-10 (10.2.1920) · p. Seite 196

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1919-1920
Issue
Heft 9-10 (10.2.1920)
Article
Die Nemesis des deutschen Antisemitismus
Date
1920-02-10
Page
Seite 196 (sequence 8)
Language
German
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196 Es lässt sich nicht leugnen, dass deralte christliche Staat mit der im Osten allmächtigen Beamtenhierarchie nichts rur die dort lebenden Juden tat, dass er sein ganzes Hilfswerk auf die evangelis-che Bevölkerung beschränkte — seine Ansiedler nahm er z. T. unter ungeheuren Kosten aus Süddeutschland —, dass die deutschen Antisemiten den polnischen Antisemitismus schürten. Der Jude sass zwischen zwei Stühlen. Auf die Dauer war diese Situation unhaltbar. Er räumte das Feld und statt dass die deutsche Position sich in der Ostmark verstärkt hätte, verlor sie an Boden. Die 'Zahl der Freunde preussischer Verwaltungstaktik ist selbst in 'Deutschland recht klein. In Rheinland, besonders* aber in Süddeutschland — vom Elsass ganz zu. schweigen — ist man davon wenig entzückt. N In der Ostmark hat sich das antisemitische Herrschaftssystem bitter gerächt. Durch die Vertreibung der Juden verloren hunderte von Orten (ihren nichtpolnischen Charakter. Als die Herrschaft der rohen Gewalt 'zusammenbrach, zeigte es sich, c^ass die Deutschen, die so wenig der Freundschaft, der Interessen und der Eigenart ihrer Juden gedacht und geachtet hatten, doch ihrer bedurft härten. Ueber 'die Provinz Posen sind die Akten geschlossen. Sollte später noch einmal die .Frage einer Grenzregulierung eine Rolle spielen, dann kann leicht die jüdische Bevölkerung das Zünglein an der Wage sein. Die Geschichte der preussischen Verwaltungspolitik hat den davon betroffenen Juden die Augen geöffnet. Trotz der Sprachgemeinschaft ist die deutsche Begeisterung unter den Zurückbleibenden im Abflauen. Es' ist die Frage, ob der Rest der Zurückgebliebenen, Jür ein Deutschland grosses Interesse behalten wird, das durch ein Jahrhundert eine judenfeindliche Politik im Osten betrieb. Von 'momentaner Bedeutung ist die jüdische Bevölkerung im Abstimmungsgebiet. In Schleswig-Holstein gibt es nach der Volkszählung von 1905 nur deutsche Juden 3106 (1895: 3445). Die 14 Juden mit dänischer Muttersprache spielen keine Rolle. Im Abstimmungsgebiet wohnen nur wenig Juden. Es Waren Juden in den Kreisen (1905): Hadersleben 5 Apenrade 17 Sonderburg 9 Flensburg 94 Eiderstedt 2 Eckernförde 4 Schleswig 152 Husum 5 Die Hauptzahl der Juden wohnt in Altona (1674), Kiel (409), Pinneberg (243), Wandsbeck (189). Die Juden haben in diesem Abstimmungsgebiet also keinerlei Bedeutung. Die dänische Judenheit erfährt durch diese Gebietsvermehrung keine erhebliche Vergrösserung jüdischen Elements. Wichtiger dagegen ist die Haltung der Juden im Abstimmungs*- gebiet Oberschlesiens und Westpreussens,

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