Neue jüdische Monatshefte
- Journal
- Neue jüdische Monatshefte
- Volume
- 1919-1920
- Issue
- Heft 9-10 (10.2.1920)
- Article
- Die Nemesis des deutschen Antisemitismus
- Date
- 1920-02-10
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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JT &ö V\ b T\ imdBSdac Mct® Zeitschrift für Politik, Wirtschaft und Literatur in Ost und WesS Mitbegründet von Hermann 'Cohen fimiiiiiiiiiiiiiimiiMiiimmmmimmimiimiminmimiiH IV. Jahrgang 10./25. Februar 1920 Heft 9/10 Niiiiiimiiiimiiniimiimmimiiiiiimmiiiim Alle für die Neuen Jüdischen Monatshefte bestimmten Sendungen wolle man ausschliesslich an die Schriftleitung, Berlin N.W. 7, Dorotheenstr. 35, richten. Für Manuskripte, die ohne vorherige Anfrage eingehen, übernimmt die Schriftleitung keine Verantwortung. Rücksendung findet nur statt, wenn das Porto der Sendung beigefügt war. Nachdruck ist bei genauer Quellenangabe gestattet; die Rechte der Autoren werden durch diese Erlaubnis nicht berührt Die Nemesis des deutschen Antisemitismus. Von Dr. Felix A. Theilhaber, Berlin-Wilmersdorf. er Friedensvertrag bringt Deutschland um wertvolle östliche Provinzen. Trotz aller Beglückungder Ostmark durch die Deutschen war die Provinz Posen der Sitz einer Irredenta, ein deutsches Irland. Die deutsche Verwaltung tragt an diesen Verhältnissen in Posen selbst die grösste Schuld. Als die Ostmark durch die z. T. kriegerische Politik Friedrich II. unter die holten zollern sehe Herrschaft kam, bestand die städtische Bevölkerung zu grossen Teilen aus Juden und Deutschen. Der Pole spielte eine nebensächliche Rolle, die sich besonders darin ausdrückte, dass er ökonomisch und kulturell hinter den Juden und Deutschen zurückblieb. Die preussische .'Regierung hat den Polen auf Kosten der Juden gross und reich gemacht. Das Junkersystem hat die Juden aus Posen herausgebissen. In einer unglaublichen Verblendung hat man -das blühende Leben der posnischen Judengemeinde zerstört und sich nichts dabei gedacht, dass diese verkehrte Politik den gesündesten und bodenständigsten Teil des Judentums vernichtete und indirekt die Stärkung des Polentums begünstigte. Noch zum Ende des 18. Jahrhunderts war ein Viertel der neuen preussischen Juden im Handwerk tätig. Der Jude arbeitete körperlich. Nach der Zählung, der Posener Gewerbekammer (1797) wurden Hunderte jüdischer Schlosser ermittelt, viele Bäcker, Barbiere, Musikanten. ' In allen Handwerken und Gewerben waren sie vertreten, Goldschmiede, Schneider, Buchbinder, Posamentiere, Mützenmacher, Knopfmacher waren in hohem Verhältnis Juden.