Neue jüdische Monatshefte
- Journal
- Neue jüdische Monatshefte
- Volume
- 1919-1920
- Issue
- Heft 7-8 (10.1.1920)
- Article
- Hiob und sein spätgeborener Sohn
- Date
- 1920-01-10
- Page
- Seite 171 (sequence 3)
- Language
- German
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17t Du Schöpfer alles Lebens weisst es jetzt: Ein Spiel war dir, aus nichts das All zu scheiden, Doch das Gewesene, vergangne Leiden Zu löschen, bleibt unmöglich bis zuletzt. War nicht genug, dass mir allein geschah Auf immer Leid? — Jedoch mein Leid verdirbt Die Luft für jeden, der mir lebensnah, Bis seine Wurzeln krank, bis er verdorrt. — Auch wenn mein Leid mit meinem Körper stirbt, Erbt es als Fluch von Glied zu Glied sich fort.*) Glossen Clemenceau. Er ist nicht Präsident der französischen Republik geworden: aus diesem Grunde liest man bei uns jetzt oft biographische Aufsätze über ihn, die fast wie Nekrologe anmuten. Schade, dass sie alle zu erwähnen vergessen, was mindestens deutsche Juder] wissen sollten: dass Gemen«, ceau der einzige war, der Zola in seinem Kampf für Dreyfus vom ersten Tage an unterstützte, der die Zeitung „L'Aurore4"4* gründete, um ihn führen zu helfen, und der einer der erfolgreichsten Verteidiger im Wiederauf nahmeverfahren war. -tz- Prozentnorm? Antisemiienlogik beweist in Form tief wissenschaftlicher Abhandlungen, die niemand liest, aber auch auf fast briefmarkeiikleinen Zettelchen, die zu Tausenden an Mauern und Zäunen kleben, dass die Juden in gewissen Berufen eine gefährliche Vorherrschaft besitzen und folgert daraus die Notwendigkeit einer zwangsweisen Berufsximschichtimg durch Einführung der Proz.cntnorm in irgendeiner Weise. Es soll hier einmal ganz ausser Betracht gelassen werden, inwieweit diese „Vorherrschaft" tatsächlich vorhanden ist. Sie möge für unseren Zweck einmal als wahr unterstellt werden. Versuchen wir jedoch, das Problem von der anderen Seite aufzurollen. Fragen wir also: warum gibt es Berufe, in denen das nichtjüdische Element nicht stark genug vertreten ist? Die Antwort ist verblüffend einfach: weil das nichtjüdische Element nicht in genügender Weise in diese Berufe hineingehen will, weil es sie, — in irgendeiner Weise — bis für bessere Menschen „unmöglich44 betrachtete und heute noch betrachtet. Den Christen des Mittelalters war das Wuchern verboten, den Juden Ackerbau und Handwerk, der ' Wucher aber bei ihnen nicht nur *) Entnommen dem Gedichtband „Elohim" der Verfasserin. (Welt- Verlag, Berlin). Die erste Auflage dieses Buches war in wenigen Wochen vergriffen, die zweite befindet sich in Vorbereitung.