Neue jüdische Monatshefte
- Journal
- Neue jüdische Monatshefte
- Volume
- 1919-1920
- Issue
- Heft 7-8 (10.1.1920)
- Article
- Hiob und sein spätgeborener Sohn
- Date
- 1920-01-10
- Page
- Seite 170 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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170 Das Bild der Früh verblich nen zu erreichen, Deren Erfüllung, reich und auserlesen, Unendlich wurde, weil sie nie gewesen. Hiob spricht: Als siech mein Leib vom schwärenden Gebrestc Und die geliebten Kinder mir entglitten, Hielt Zwiesprach ich mit Gott, die jeden Dritten Von mir vertrieb, weil drohend seine Geste. Ich blieb a\hint — und das war so das Beste, Denn niemals habe tiefer ich gelitten, Als heut, da zage, ungesprochnc Bitten Mich lösen wollen von dem Leidensreste. Naht sich mir Liebe, muss ich sie verfluchen. Ich fürchte Gott, ich will ihn nicht versuchen, Dass Nochmals' er sein Auge auf mich lenkt. \ Ich kann nicht mehr in andern Wurzeln schlagen, Es könnte Gottes Laune leicht behagen, Mir .neu zu rauben, was er mir geschenkt. Der Knabe spri cht: Gewaltig ist mein Vater, — wer wie er Geprüft von Gott und dann bewährt gefunden, Muss einsam bleiben, denn der andern Wunden Missachtet er, ihr Leiden dünkt ihm leer. Geschah das ,Wunder froher Wiederkehr Der toten Brüder, — würde er gesunden? Kann :er noch fühlen, wie er einst empfunden? Er ist zu gross, — er liebte sie nicht mehr. Doch ich bin schwach, und ich ertrage nicht Die Nähe solcher Grösse, denn wer gibt Ein 'Lächeln mir? — Ich möchte mich verlieren An einem Lächeln, doch mich schreckt sein Licht, Das grell und hart. Ich werde immer frieren, Weil niemand meine Jugend wärmt und liebt, Hiob spricht: Gott, deine Allkraft hast du überschätzt! Du 'wolltest nach der Prüfung herbem Meiden Begütigend an meinem Glück dich weiden; Sieh wie ich bin, mein Innerstes zerätzt!