Neue jüdische Monatshefte
- Journal
- Neue jüdische Monatshefte
- Volume
- 1919-1920
- Issue
- Heft 7-8 (10.1.1920)
- Article
- Erinnerung an Wolffsohn
- Date
- 1920-01-10
- Page
- Seite 154 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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154 „Nun ist er dahingegangen. Gleich H e rz 1 seiner Arbeitsfreudigkeit und seiner Aufopferung im Dienste eines grossen Gedankens erlegen, als eifi guter und treuer Kämpfer. Gestorben in einem Augeablick, da wiederum die Bewegung schwere Zeiten durchlebt und seiner Erfahrung, Klugheit und Opferwilligkeit nur zu sehr bedurft hätte. Er wird nicht nur den einzelnen fehlen, die mit ihm ein Stück der alten Herzlzeit, ihrer Begeisterungsfreudigkeit und ihrer Schönheit verlieren. Denn mit ihm sinkt für die Gesamtheit eine, ragende Standarte, nach der viele Tausende in allen von Juden bewohnten Ländern aufschauten, an der ihr Herz hing als an einem zionistischen Wahrzeichen. Um seinen Sarg wird die Palme von Moza ihre Wurzeln schlingen, ihre Blätterkrone wird über seiners Hügei rauschen. Dort hat er sich auf den Bergen Judas die letzte Ruhestätte gewünscht. Und auf seinem Grabstein wird eine wahre Inschrift stehen : „E r w a r der t r e ue Freund und Nachfolger Theodor Herzl's." Zur Gesundheitsfrage in Palästina*) Von Dr. Kurt Wiener, nderthalbjährige ärztliche Tätigkeit in Syrien und Palästina (Ga^4ia) gaben mir Gelegenheit, manchen Einblick in die gesundheitlktien Verhältnisse des Landes zu tun. Ohne politisches Vorurtei? und ohne Anspruch auf Vollständigkeit will ich versuchen, Bemerkenswerte* meiner Erfahrungen im folgenden auszuführen. Die Krankheit, die in Palästina den grössten Einfluss auf da« Wohlbefinden der Bevölkerung ausübt, ist die Malaria. Man geht nicht zu weit, wenn man sagt, dass von dieser Erkrankung, ihrer Ausbreitung oder dem Gelingen ihrer Bekämpfung die Zukunft des Landes abhängig ist. Die Verbreitung der Malaria ist in den einzelnen Landesteilen sehr verschieden. Während eine Reihe von Orten des Gebirges und der Küste ganz oder nahezu frei sind (Saffcd, Haifa, Nazareth und eine Anzahl jüdischer Kolonien des galiläischen Gebirges), gibt es im Jordantal und in der Ebene Jesreel viele mehr oder weniger stark verseuchten Orte. Auch Jerusalem ist zu den ungesunden Städten zu zählen. Am schlimmsten betroffen sind die fruchtbaren Körnerbaukolonien am El-Hule-See, Mischmar-ha-Jardcn und Jessod-Hamaala, in denen das Schwarzwasserfieber, die gefährlichste Komplikation der Malaria, viele Todesopfer fordert. In diesen Orten entgeht kein Mensch der Malaria, uud keiner wird sie dauernd los; viele Kinder sind schon äusserlich an dem durch die riesig vergrösserte Milz aufgetriebenen Leibe als krank zu erkennen. *) Mit diesem sehr instruktiven Beitrag eröffnen wir eine Reihe von Artikeln über praktische Fragen der Palästinasiedlung, für die wir ein starkes Interesse bei allen Lasern voraussetzen dürfen. D. Seh.