Neue jüdische Monatshefte
- Journal
- Neue jüdische Monatshefte
- Volume
- 1919-1920
- Issue
- Heft 7-8 (10.1.1920)
- Article
- Der jüdische Proselytismus
- Date
- 1920-01-10
- Page
- Seite 146 (sequence 2)
- Language
- German
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146 selbe hebräisch Nathan. „Herrliches rühmt man von dir, du Stadt Qottes", singt der 86. Psfalm, dessen Inhalt allerdings sehr dunkel und nur mehr zu erraten als zu übersetzen ist. „Aus Rahab und Babel, aus Philisterland ^yrus und dem Mohrenlande Kusch sind Bekenner von mir gebürtig. Aber jeder von ihnen nennt Zion seine Mutter, und er selber, der Höchste im Himmel, hält allesamt fest . . . Aller Heimat ist in dir, Jyerusalem." Der1; beginnende Proselytismus gewinnt seine besondere »rassengeschichtliche Bedeutung durch den weltpolitischen Umschwung, der sich in jenen Jahrhunderten vollzieht. An der Spitze seiner blonden Makcdonen kommt der arische Halbgott Alexander und stürzt die -tönernen Kolosse der (morschen;Riesenreiche des Orients. Er selbst verfällt dem Zauber der grossen, nun schon abgelebten Buhlerm Babel, die sein junges Heldentum zu Schanden macht. Aber den Sieg des jugendlichen Europa über das alternde Asien vermag sie nicht zu hindern. Auf Marduks Heer gewordenen Greiscnthron steigt der lockcn-umwailte olympische Zeus. Auf den Sockel, von dem zwei Jahrtausende ihre semitische Mutter Istar Königen und Völkern zugelächelt, stellt sich Aphrodite in der jugendlichen Marrnorschönheit ihres Griechentums' — freilich nur zu einem kurzen „arischen" Zwischenspiel, um von istars semitischer Madonnenenkelin 'Maria bald für abermals Jahrtausende verdrängt zu werden. Ungezählte Griechen, ein anthropologisches Gemisch von brünetten Mediterranen und blonden Norden, strömen nach Syrien, Aegypten und die Euphratländer. Allenthalben entstehen griechische Kolonien; wie eine Rosenhecke über zerfallenem Gemäuer, blüht griechisches' Leben über den Ruinen der altsemitischen Kultur. Palästina wird griechische Provinz und in den Wirbel hellenisch - römischer Geschichte gerissen. Jüdische Sitte und griechische Schönheit vermählen sich in Judäa zur kurzen Schöngeistehe des Hellenismus. Der Verkehr zwischen Ost und West entwickelt sich rapide. Die sprachgewandten undbeweglichen Juden wenden sich dem Handel zu und kommen zu jR eich tum. Judäa wird als Durchgangsland für den Verkehr zwischen Asien und Europa eine der gesegnetsten Provinzen. Das bescheidene Gut mehrt sich zu reichem Besitztum, die patriarchalischen Sitten weichen griechischem Luxus. Hellenische Sklaven bilden die natürliche Staffage zum griechischen Inventar des Hauses. Nach Landessitte und dem talmudischen Gebot wurden diese Sklaven zumeist der Beschneidung 'unterworfen und ins Judentum aufgenommen, wogegen, sie sich um so weniger sträubten, als sie, ohnehin heirnat- und rechtlos* unter den Juden humanere Behandlung erfuhren als unter heidnischen Herren — „Wie ein "Eingeborener sei euch der Fremdling . . . Seid milde gegen den Fremdling, denn Fremdlinge wäret ihr in Aegypten." Der jüdische Sklave war kein 'Arbeitstier, das' man zu Tode peitschte, sondern ein Hausgenosse, der an Festen und Fasten teilnahm und dadurch mit der Familie seines Herrn zu Leid und Freud verwuchs. Der römische Sklave war der Willkür und Grausamkeit seines Besitzers so schonungslos ausgeliefert, dass selbst Mommsen gesteht: „Mit denen