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Neue jüdische Monatshefte · 1920-01-10 · Heft 7-8 (10.1.1920) · p. Seite 142

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1919-1920
Issue
Heft 7-8 (10.1.1920)
Article
Kriegsende
Date
1920-01-10
Page
Seite 142 (sequence 2)
Language
German
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142 bei den siegreichen Völkern, und man weiss1, dass die Stunde der Weihe nicht in Versailles schlug, sondern in jenen Schützengräben, vor denen der Tod Halt machte. Man. vergleiche, wie man damals — überall — vorn .werdenden Frieden sprach und wie man heute — überall — vom gewordenen spricht, und man wird inne werden, welche Hoffnungen getäuscht, welche «Erwartungen betrogen wurden. Man erinnere sich dessen, was der Völkerbund in der reinen Idee war und was er im politischen Handel 'geworden ist, und man wird erkennen, welche Aufgaben uns bleiben: aus dem Waffenstillstand die „treuga dei" der. ganzen Welt, aus dem Kriegsende den Frieden zu gestalten. Es soll hier davon gesprochen werden, wie das Judentum im allgemeinen und das deutsche Judentum im besonderen an diesen Aufgaben mitarbeiten kann. Denn das jüdische Volk als' Gesamtheit und der jüdische Mensch als Einzelner haben allen Grund, Pflicht und Recht der Mitarbeit am vWiederaufbau der zerstörten Welt in besonderem Masse für sich in Anspruch zu nehmen. Das' jüdische Volk, das diesen Krieg weder gewollt noch veranlasst hat, hat in ihm Opfer gebracht, wie kein zweites. Seine blutigen Verluste bedeuten einen furchtbaren Aderlass und kein 'Waffenstillstand hat die Ströme jüdischen Blutes zum Stehen gebracht, die heute noch in Russland, der Ukraine, Ungarn fliessen, gestern noch in Polen flössen, und morgen vielleicht an andern Stellen iiiessen werden. Und der jüdis'che Mensch, unter welchem Banner er immer auch focht, trug schwer an dem Wissen dessen, dass auf der andern Seite Brüder standen, gegen die er die Waffe führen musstet Wenn drgendwen, so muss den Juden der Ekel und das Entsetzen vor dem Kriege, — vor neuen, noch ungeborenen Kriegen, — zu einer Leidenschaft sondergleichen im Denken und Handeln führen, wenn es gilt, die neue Welt zu schaffen, die geschaffen sein will zwischen dem Abend des beendeten Krieges und dem Morgen des1 ersehnten Friedens. Dean iFrieden, — was wir bisher so Frieden nannten, — wird jedenfalls. Das eherne Gesetz der Gewöhnung lässt langsam aber sicher die Welt ins Gleichmass' ihres Alltags zurückfallen. Nur das ist die Frage: ob dieser Friede der Friede sein wird, von allen gewollt, für alle gemeint, und darum allein wirklicher Friede, nicht Waffenruhe auf wenn auch noch so lange Frist. Ein {wirklicher Friede kann nur inter nationes geschlossen werden: zwischen den Völkern. Die Träger einer Bewegung, die ihn schaffen will, werden in erster Linie diejenigen Menschenjgruppen sein, die internationalen Charakter haben. Und wenn in diesem Kriege anscheinend alle „Internationalen" als friedenserhaltende Faktoren versagt haben, so spricht das nur gegen den geringen Grad ihrer zwischenvolklichen Bindung, nicht gegen deren Wert an sich. Dieser Krieg beweist nicht, dass die goldene Internationale des Kapitals, die rote des' Sozialismus, die schwarze des Ka,tholisizrnus, internationale Wissenschaft und Kunst, keine Brücken sind, sondern er hat nur erwiesen, dass diese Brücken zu schwach waren. Die „jüdische" Internationale, die in der antisemitischen Theorie eine so bedeutende Rolle spielt, ist während des Krieges überhaupt nicht

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