Neue jüdische Monatshefte
- Journal
- Neue jüdische Monatshefte
- Volume
- 1919-1920
- Issue
- Heft 6 (25.12.1919)
- Article
- Episode
- Date
- 1919-12-25
- Page
- Seite 139 (sequence 4)
- Language
- German
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139 tiefenden Schrei, und brach zerstört zusammen. Die Mutter wandte den Kopf, als sie den schneidenden Ton hörte, erstarrte und sank in die Knie, ohne das Mädchen loszulassen. Plötzlich gewahrte Eli den Vater der eben noch an seiner Schulter schritt, zehn Schritte vor sich, und die Brust durchwirbelt von einem Strudel Empfindung sprang er ihm nach. Einen jähen Moment freute er sich, dass1 seine Mutter lange tot war, dann bemerkte er, wie der furchtbare Stock des Vaters dem vordersten den Schädel von der Seite her zertrümmerte, wenig anders als einen irdenen Topf, und wie der Tote seitlings auf die Steine fiel, er s'ah 'die beiden anderen sich zur Wehr setzen, und dann war er heran: ein, zwei helle Schüsse kamen ihm -entgegen, er nahm den Browning in die Rechte, der Vater schlug auf den Schaessenden ein, das Messer des letzten hob sich gegen seinen Rücken — Eli tastete etwas kalt ans Herz, dann stand er, schoss, schoss, schoss: und das Messer klirrte auf dem Pflaster. Eine masslose Erregung schrie aus ihm: i„GetroffenHinter ihm riefen Frauen etwas Gellendes, ein trappendes Laufen war da, ein Schuss donnerte dunkel hinter ihm, noch einer — kein Browning, wusste er r— in seinem Licht erblickte er das Gesicht des Vaters, der sich umdrehte, grellweiss, mit weiten Augen funkelnd vor ungeheuerem Zorn — und schon nicht mehr; er fiel nach vorwärts . . . „Vater!" dachte er, und sogleich warf ihn etwas von oben Fallendes nieder wie ein heisrer Blitz. Der Polizeileutnant wischte den Säbel ab und befahl: „Weiter." Die Frauen stierten, vor Grauen dumm, auf alle die Liegenden, während die Polizisten sich schnell entfernten: auf den Mann, die Burschen, den Knaben und das Kind. Die Bibel als methaphysisches Dokument Von Arno Nadel. Das alles ist leider: logische Wort- und Gedankenverknüpfung. Denn in Wahrheit (Ja, was ist Wahrheit? ruft jeder aus, und dennoch gibt es eine nähere untf eine fernere, eine bessere und eine schlechtere Wahrheit, sonst hörte jedes Denken, jeder Schfuss überhaupt auf. Wir sind eben beim Eikenntnis-Suchcn auf einem höchst gefährlichen schmalen Pfad, auf dem nur die besten, geübtesten, letzten Endes „begnadetsten" Artisten sich bewegen 'können) — in Wahrheit können wir ebenso bei Dahlke voller Zweifel fragen: was ist das: individuelle Tendenz? Was ist das: Strebung? was: Charakter, was Bewusstsein? was endlich: „potentielle Energie" und „Ichprozess im Zerfall0? Und das, was Dahlfcc tadelnd gegen andere „Wissenschaftler" vorbringt, das gilt auch zuletzt für ihn selber :;„Die Sprache ist nichts als Diener. Sie dient einem Herrn so gut wie dem andern." Weil eben Wissenschaft etwas grundsätzlich anderes ist als Religion. Wissenschaft ist logische Folgerung, Religion: überlogische Folgerung. Das ist auch dem ernsten Buddhisten klar, und er verwahrt sich mit Recht dagegen, dass man seine Lehre eine Religion nenne, da er der Meinung ist, diese Lehre, diese Wissenschaft allein sei Religion und 'keine andere.