Neue jüdische Monatshefte
- Journal
- Neue jüdische Monatshefte
- Volume
- 1919-1920
- Issue
- Heft 6 (25.12.1919)
- Article
- Die jüdische Emigrationsfrage
- Date
- 1919-12-25
- Page
- Seite 127 (sequence 6)
- Language
- German
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127 haben. Es fragt sich noch, wer die Schaffung der notwendigen Organisation in die Hand nehmen kann, welche Organisationen und welche finanziellen Mittel dafür in Anspruch genommen werden könnten. Es will mir scheinen, dass hier eine gemeinsame Aktion der vier grossen jüdischen Organisationen das" Gebotene wäre, nämlich der „Bnc Britir-, der „JewislV G'olonisation Organisation", der „Alliance Israelite", des ,,HilsfVereins" und der Zionistischen Organisation. Welche von diesen grossen Körperschaften in der Frage auch die Führung nehmen möge, es wird ein unvergängliches Verdienst sein, an dem auch die anderen, ihren Teil werden beanspruchen können, je nach ihrem Anteil an der Arbeit. Zwei Bücher der Selbstbesinnung *) -) Von Prof. Dr. Franz Oppen heim er, Frankfurt a. M. älirend des letzten Jahrzehnts haben heftige Meinungskämpfe den deutschen und österreichischen Zionismus erschüttert, haben alte, »getreue und verdiente Anhänger der grossen Palästinasache veranlasst, aus dem Kreise zu treten oder wenigstens untätig bei Seite zu stehen; und haben, was vielleicht bedeutsamer war, unzählige Hilfsbereite und innerlich Reife verhindert, sich einer Bewegung anzuschliessen, die mit dem zweifellos Guten und Erstrebenswerten andere, weniger zweifellose, ihnen jedenfalls unsympathische Dinge verquickte. Zu den Zionisten, denen es unmöglich war, die „nationalistische" Entwicklung mitzumachen, gehört auch der . Verfasser dieser Zeilen. Er hat in einer Reihe von nicht immer angenehmen Kämpfen seinen Standpunkt vertreten müssen und war dabei doppelt „gehandicapt". Denn erstens gebot ihm das Interesse der -Bewegung, die ihm als eine grosse, vielleicht entscheidende Menschhcits'sache erscheint, Mässigung; und zweitens verstand er als Soziologe sehr wohl, dass die Entwicklung sich genau so und nicht anders vollziehen musste, wie sie es tat, und dass die Schärfe, mit der die junge Generation gegen ihn und seine Gesinnungsgenossen vorging, völlig gutgläubig und subjektiv berechtigt war. Jede „Gruppe" nämlich — und der Zionismus ist, sozialpsychologisch befrachtet, eine Gruppe, d. h. ein Kreis von Personen, die auf äussere Einwirkungen hin gemeinsam reagieren — will leben, d. h. sich als Gruppe erhalten. Dazu bedarf es' eines gemeinsamen „Inter-, esses". Das ist ohne weiteres gegeben, so lange die Lagerung der Gruppe zu ihrem historischen sozialen Milieu ihr ein klares Ziel steckt, dem sie sich" in lebendiger Betätigung zü nähern sucht. So lange besteht auch die innere Einigkeit über die Mittel zum Zwecke, die Wcg.c zum Ziele. Sobald aber das Ziel verloren geht oder a,uch 'nur ah* in absehbarer Zeit unerreichbar erkannt wird, hört diese sozusagen *) Dr. J. Z o 1 1 s c h a n. Revision des jüdischen Nationalismus. Wien und Berlin (R. Löwit) 1919. 1S2 Seiten. 2) Heinrich Marg-ulies. Kritik des Zionismus. Erster Teil: Volk und Gemeinschaft. Wien und Berlin (R. Löwit) 1920. 170 Seiten.