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Neue jüdische Monatshefte · 1919-12-10 · Heft 5 (10.12.1919) · p. Seite 115

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1919-1920
Issue
Heft 5 (10.12.1919)
Article
Offener Brief an Georg Hermann
Date
1919-12-10
Page
Seite 115 (sequence 3)
Language
German
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115 In diesem Sinne glaube ich, dass auch Sie, der Sie die Oedanken der Menschheit so warm betonen, nichts gegen die zionistischen Bestrebungen einwenden werden. Allerdings, wie weit sind die nationalistischen Bestrebungen, .die wir ringsum sehen, noch entfernt von solchen Idealen! Aber* audh dieser nationalistische Wahnsinn wird sich! läutern. Und gerade unter den Juden hat das wahre Menschentum von jeher mutige, edre Bekenner und ernste Vorkämpfer gehabt: Darum war der alte Gottesstaat der Juden schon in den Zeiten der Propheten weit entfernt von dem Machtstreben! 'der anderen) Staatsgebilde des Orients, darum gingen aus dem Judentum zu allen Zeiten Verkünder der Nächstenliebe und der sozialen Gerechtigkeit hervor: Von jenen alten Propheten, von Moses und Jesus bis zu Marx und Lassalle, ja bist zu den — oft irrenden und unklaren, aber doch mit sittlichem Ernst, mit warmem . Herzen und mit bewundernswertem Mut sich betätigendem — revolutionären Führern unserer Tage, dartun haben Sie, sehr geehrter Herr Hermann, gewisslieh recht mit Ihrem schönen Worte, dass die Juden in erster Linie sich als treue Siegelbewahrer der Gedanken der Menschheit gezeigt haben. Mit vorzüglicher Hochachtung Ihr sehr ergebener Dr. Julius Simon. Die Bibel als methaphysisches Dokument Von Arno Nadel. VI. ptimismus und Religion, —- das ist ein grosses Thema. Wir müssen dabei solange verharren, bis der Leser, dem es um diese, um die wichtigste und tiefste Materie ernstester Ernst ist, so weit gelangt sein wird, dass er sich, seinem innersten Wesen folgend, für eine oder die andere Richtung entscheidet. Die eine Richtung ist: optimistische Religionsanschauung, die andere: pessimistische. Optimistische Religion ist Bejahung des Seins. Das heisst: Ekjahung des ganzen Seins, -— mit allem Bösen,, allem Guten. Pessimistische Religion ist: Verneinung des Seins: mit allem Bösen, allem Guten. Diese Gedankengänge haben stets die Seele der Menschen beschäftigt und werden es weiter und weiter tun. Weil sie das Leben selber sind. Versuchen wir daher noch einmal, der konsequentesten pessimistischen Religion, dem Buddhismus, auf den Grund zu gehen, um — unseren Weg zu gewinnen, — den Weg, wie ihn nach unserer Erkenntnis der Mensch zu wandeln hat. Die einfachen Idpen des j^uddhismus sind etwa diese: wir wissen unendlich wenig, oder besser: nichts. Wir wissen nicht, ob es Gott und Götter, ob es Gott oder Götter gibt, wir wissen nicht, ob 'die Welt geschaffen oder nicht geschaffen ist, ob sie ewig oder vergänglich, ob sie endlich oder unendlich' ist. Wir wissen nicht ob Seele und Körper eins oder nicht eins sind. Wohl aber wissen wir: dass wir vergänglich sind, und dass wir während unseres Lebens: leiden 'müssen. Das wissen

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