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Neue jüdische Monatshefte · 1919-12-10 · Heft 5 (10.12.1919) · p. Seite 95

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1919-1920
Issue
Heft 5 (10.12.1919)
Article
Nationalitätenstreit und Antisemitismus
Date
1919-12-10
Page
Seite 95 (sequence 3)
Language
German
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95 Schon seit vielen Jahren wurde von national-jüdischen Politikern auf die Gefahren hingewiesen,;die bei einem Umstürze in Ungarn sich gerade für die Juden ergeben würden. Man hielt die magyarisch-oligarchische Herrschaft für den einzigen fixen Pol im alten Oesterreich-Ungarn, obwohl gerade die magyarische und polnische Oligarchie durch (die »beiderseitige Nationalitätenpolitik Haupturheber des Weltkrieges und des Zusammenbruches des alten Donaureiches waren, »die infolge des deutsch-tschechischen Streites und der Unterstützung von Seiten der jüdischen Assimilanten durch Jahrzehnte dieswie jenseits!der Leitha die ausschlaggebenden politischen Faktoren waren. Der Schreiber (dieser Zeilen hat noch lange vor Ausbruch des Krieges, als nicht nur vereinzelter jüdischer Schriftsteller, sondern auch einsam in der österreichischen Journalistik als eine vox clamantis .in . deserto nicht nur die Notwendigkeit eines deutsch-tschechischen Ausgleiches im allgemeinen, sondern speziell auf der Grundlage vorgeschlagen, dass die Slowakei lmit Böhmen) umd die deutschen Teile Westungarns mit Deutsch- Österreich vereinigt werden. Vom ''Gesichtspunkte einer einheitlichen igrosszügigen Nationalpolitik wäre ein solcher Ausgleich zwischen Deutschen und Tschechen auf dieser Grundlage schon längst logisch gewesen. Geblendet -aber durch eine einseitige Machtpolitik und veraltete historische Traditionen wurde er zum Schaden nicht nur der Deutschen und Tschechen, sondern auch Oesterreichs und nicht in letzter Linie seiner Juden abgelehnt. Charakteristisch 'aber für die Segnungen der jüdisch-assimilatorischen Politik jst es, dass gerade in jenen Ländern und bei (jenen Völkern, wo die Assimilation am meisten fortgeschritten schien, in Ungarn und Galizien, .der Antisemitismus am üppigsten gedeiht und seltsamerweise am .stärksten (nicht bei jenen Völkern, die mit jüdisch-assimilatorischer Hilfe zu Staatsbürgern zweiter und dritter Klasse degradiert wurden, in vUngarn bei den Nichtmagyaren, speziell bei den Slowaken, Deutschen und Rumänen, in Galizien bei den Ukrainern), sondern bei Magyaren und Polen. Gerade idie magyarischen und polnischen Parteien sind am meisten vom Antisemitismus durchseucht und keine Tatsache, illustriert deutlicher den vollständigen Zusammenbruch der bisherigen ungarischen Judenpolitik als der Umstand, dass in 'den Mauern von Budapest, wo /vor kurzem die ungarischen Juden einen jüdischen Minister, den Demokratenführer Dr. Vaszony, hatten, sie nun von rumänischen Okkupationsiruppen vor Pogromen geschützt werden müssen!! Tempora mutantur et mos rnutamur in illis.

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