Neue jüdische Monatshefte
- Journal
- Neue jüdische Monatshefte
- Volume
- 1919-1920
- Issue
- Heft 2-4 (25.10.1919)
- Article
- Das Werden des jüdischen Verlags
- Date
- 1919-10-25
- Page
- Seite 82 (sequence 2)
- Language
- German
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82 dann einen Aufsatz in der Welt1); dadurch machte es seinen Weg durch die ganze national-jüdische Welt von damals. Es liegt nahe, dass, sobald man daran ging, aus der Idee der jüdischen Renaissance heraus praktische Kulturpolitik zu treiben, man zuallererst an Kunst- und Literaturschöpfungen dachte; so versuchten denn B u b e r und sein nächster Mitarbeiter von damals, Bert holt! Feiwel, die vorhandene national-jüdische Produktion auf literarischem und künstlerischem Gebiet in einer mustergültigen Veröffentlichung zu vereinigen. Es entstand der „Jüdische Alamanach", die erste grosse Veröffentlichung des Jüdischen Verlags, dessen Gründung durch die beiden 1902 erfolgte, unter tätiger Mitwirkung von Davis Trietsch und E. M. Lilien. Eine Lebensäusserung des Jüdischen Verlags war aber schon auf dem V. Zionisten-Kongress, im Dezember 1901, vorangegangen. Dort wurden nicht nur Anteilscheine ausgegeben, sondern es gelang, den Kongress zur Bewilligung einer Subvention von zweitausend Mark zu bewegen, einer für damalige Verhältnisse ziemlich grossen Summe. Auch die Geschichte dieser Subvention ist nicht ohne Reiz für die Kenntnis des Werdeganges der nationaljüdischen Kulturpolitik. B u b e r und Genossen .standen mit an der Spitze der demokratischen zionistischen Fraktion, die sich auf dem V. Kongress gebildet hatte und der He rzl'sehen Leitung Opposition machte. Eine Reihe kulturpolitischer Anträge, die die Fraktion stellte, wurden auf Herzls Veranlassung abgelehnt, was zur ersten Sezession auf einem zionistischen Kongress führte. Um den schlechten Eindruck der drohenden Spaltung zu verwischen, hat sich der Kongress nun gleichfalls unter Herzls Druck u. a. auch zur Bewilligung der Subvention an den jüdischen Verlag entschlossen.2) II. Die Verlagstätigkeit setzte nun sehr bald ein. Es ist erstaunlich, mit welcher Sicherheit die Gründer des Verlags die Aufgab-en des jungen Unternehmens sofort -erkannten. Wenn auch die jetzigen Verhältnisse des Verlags mit den damaligen ebenso wenig verglichen werden können, wie die der zionistischen Bewegung überhaupt, so hat sich! das Programm des Verlags seitdem nicht wesentlich geändert. Die Grundtatsache, nämlich die Notwendigkeit, die westeuropäische gebildete Judenhcit mit dem zeitgenössischen jüdischen Schaffen und den lesenswerten Denkmälern der Vergangenheit bekannt zu machen, besteht nach wie vor. In diesem Sinne kann man sagen, dass das Programm des Jüdischen Verlags auch heute noch nicht ausgeführt ist, und zwar aus dem Grunde, weil es unerschöpflich ist. A Die innere Folgerichtigkeit unserer Tätigkeit lässt sich ziemlich weit in Details nachweisen. Schon im Jüdischen Almanach findet sich eine grosse Reihe von Werken ostjüdischer Dichter und Schriftsteller. Es folgten darauf einige Sonderausgaben^ Besonders verdi-enstlich war die von 'Mathias Acher besorgte Auswahl aus den Werken von Pcrez, 3) Abgedruckt in seinem Buch „Jüdische Bewegung", gesammelte Aufsätze und Ansprachen 1900—1915". Jüdischer Verlag Berlin 1916. 2) S. Verhandlungen des V. Kongresses.