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Neue jüdische Monatshefte · 1919-10-25 · Heft 2-4 (25.10.1919) · p. Seite 62

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1919-1920
Issue
Heft 2-4 (25.10.1919)
Article
Zur Apologie meines Vaters
Date
1919-10-25
Page
Seite 62 (sequence 4)
Language
German
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62 ausserhalb des Judentums die Dichtung im Barnim der Theologie steht, so muss die Berechtigung einer solchen Kritik um' so mehr gegenüber den neuen jüdischen „Mystikern" zugegeben werden, die, in Verkennung des wahren, historischen Charakters des Chassidismus, diesem obendrein auch in der Gegenwart vermittelst künstlicher Konstruktion zu neuem, notwendig künstlichen Leben verhelFen wollen. In diesem so „modern" gewordenen Kultus erblickt Sch. J. H u r w i t z daher nicht eine Renaissance, sondern eine Reaktion. Chassidismus und Haskalah werden so für ihn zu symbolischen Wegweisern der jüdischen Geschichte. Nicht die geistige und kulturelle Inzuchl, sondern die gegenseitige Befruchtung des Judentums und Allmensehentums ist nach ihm der Zukunftsweg.*) Die den Menschen und sein literarisches Werk kannten, haben zuweilen über den Zwiespalt zwischen den beiden gestaunt: dieser unerhört scharfe Analytiker und Kritiker des Galuth-Judentums — ein Nationaljude von echtem Gefühl, ja ein in seinem Privatleben auch die Ritualgesetee, wenn schon nicht in aller orthodoxen Strenge, befolgender Jude! Ich wäre der letzte, diesen Zwiespalt zu leugnen. Aber wer die Literaturgeschichte der Welt kennt, wird um Anführung analoger Fälle — und zwar nicht aus der schlechtesten Gesellschaft — nicht verlegen sein. Es ist der Typus des Schriftstellers,. der, sobald er das Leben mit seinen Kompromissen und Inkonsequenzen —4 in die er selbst verstrickt ist — verlässt und sich in den Bereich des Geistes begibt, von einem rücksichtslosen, absolutistischen Denken beherrscht wird. Und 'doch andererseits: wer sich in so glühender Weise mit den Problemen des Judentums auseinandersetzt, der zeigt doch, dass sie ihm nahegehen, näher gehen als denjenigen, die in Sachen der jüdischen Probleme in den Tag hinein leben und dadurch den bequemeren Geistern keine Unruhe verursachen. Das erste Buch des Chassidismus Von Dr. S. Ä.. H o r o d e z k i, Bern. «f^y as Volk des Buches". Das Buch stand immer im Mittelpunkt N jj aller geistigen Bewegungen des jüdischen Volkes. Jede Bewegung •ka&r^ sciluf siCh )>mr Buch", aus dem sie Nahrung schöpfte, und durch" welches ihr frische Gräfte zuflössen, die ihren -Einfluss auf das Volk vergrösserte, und welches seinerseits der Bewegung seinen Stempel aufdrückte. Der „Führer der Irrenden" war <fas Buch der rationalistischen Geistesrichtung, der „Sohar" das der mystisch-messianischen Bewegung, während in dem „Toldoth Jakob-Joseph" des Jakob-Joseph ha- Kohen aus Polna das Buch des beschtianischen Chassidismus geschaffen wurde. Ueber dieses erste chassidistische Buch, welches im Mittelpunkt der Bewegung steht, will ich hier einiges sagen. *) Die Herausgabe seiner sämtlichen Werke ist vor Ausbruch des Krieges in Angriff genommen und die zwei ersten Bände bereits (bei Itzkowsky, Berlin) fertiggestellt worden. Erscheinen und Vollendung dieser Ausgabe sind jedoch durch den Weltkrieg und Abwesenheit des Verfassers bisher vorläufig verhindert worden.

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