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Neue jüdische Monatshefte · 1919-10-25 · Heft 2-4 (25.10.1919) · p. Seite 35

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1919-1920
Issue
Heft 2-4 (25.10.1919)
Article
Das hebräische Buch
Date
1919-10-25
Page
Seite 35 (sequence 11)
Language
German
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35 Brüder im Westen ihre Ordnungsgabe und ihr Wissen zur Verfügung stellen und unsere Brüder im Osten — den hebräischen Stil und den lebendigen jüdischen Geist, so wird die Arbeit von Erfolg gekrönt sein. Zeit ist es. Unsere Westler schufen die Wissenschaft des Judentums in fremden Sprachen. Unsere Schriftsteller im Osten schufen „bloss" die neuhebräische Literatur. Sic unterschätzen die Wissenschaft nicht, halten aber die hebräische Sprache für sie notwendig. Ist nicht an der Zeit, dass die Wissenschaft des Judentums mit der Sprache des Judentums verwächst, um die Renaissance von beiden und von dem jüdischen Geiste zu vervollkommnen? Durch eine solche Vermählung hätte sich die Wissenschaft des Judentums von all den Fremdkörpern befreit, die einer echten Wissenschaft schädlich .sind: von der Neigung zu Apologetik, zu Beschönigung und Demonstrierung, vom Sichumschauenmüssen, und — was noch wichtiger ist — vom Nagen an den Knochen der Vergangenheit, von der fruchtlosen Dürre, von der Blutarmut und Impotenz. Indem sie sich ans Hebräische anschliesst — schliesst sich die Wissenschaft dem Leben an, dem Volksganzen, seinem'Leben in der Gegenwart und Hoffnungen für die Zukunft. Nur auf diesem Wege kann die Wissenschaft des Judentums verlebendigt werden. Die 'hebräische Sprache wiederum würde inhaltsreich werden. Mit dem neuen Stoff wird auch die Sprache erweitert werden. Es würde nicht mehr nationale und nichtnationale Literatur geben. Die Sprache wird alles nationalisieren. Ucbrigens wird die von mir vorgeschlagene Sammlung auch von selbst kommen. Sie muss kommen. Teilweise geschieht es bereits von selbst. Gerade deshalb aber glückt sie nicht. Eine solche Arbeit soll nicht von selbst geschehen. Der Wille und das Bewusstsein des ganzen Volkes und seiner Vertreter haben bei der Sammlung mitzuwirken. Selbstverständlich 'bleibt neben der Sammlungsausgabe noch Raum für allerhand hebräische Ausgaben. Ist doch Zweck der Sammlung gerade die Erweiterung des Einflusses der neuhebräischen Literatur. Es soll auch eine Reihe neuer wissenschaftlicher Arbeiten in hebräischer Sprache unternommen Jwerden: in Geschichte, Literaturkunde und auf anderen Gebieten. Es ist auch nötig, gute Uebersetzungen europäischer Klassiker im Hebräischen zu bekommen. Die Sammlung will überhaupt niemanden und nichts über Bord werfen. Ebensowenig ist von Heiligsprechung und Verewigung von Klassikern die Rede. Sondern es handelt sich darum, dass wir um unser zerstreutes Vermögen besorgt sind. Wir wollen Bilanz machen: besitzen wir noch was ausser totem Kapital oder nicht? Das jüdische Volk wird wohl die neue Sammlung nicht als heilig ansehen. Das schadet aber nicht. Vielleicht ist die Zeit des Heiligtums bereits wirklich vorbei. Aber Achtung und Liebe wird das Volk der Sammlung sicherlich schenken, und das ist heute das, was wir brauchen. Wollen wir' den Wert eines befiebten Buches nicht unterschätzen. Unser Land gab uns ein kleines Buch mit, vielleicht wird uns das Buch das Land zurückgeben.

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