Neue jüdische Monatshefte
- Journal
- Neue jüdische Monatshefte
- Volume
- 1919-1920
- Issue
- Heft 1 (10.10.1919)
- Article
- Kritik des Zionismus
- Date
- 1919-10-10
- Page
- Seite 20 (sequence 4)
- Language
- German
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20 — und Jiinter fden Worten klaffen Abgründe, verbirgt sich leeres, nichtiges, ohnmächtiges Leben. So wird ,uns die Welt durch Worte verborgen. Künstle^ des Wortes, Literaten jagen Wolkensdhlder zwischen uns und das Leben. Es ist ein Buch erschienen, das, frei von jeglicher Literatur, vom wahren Leben, vom (einfachen, ungezwungenen, vom Leben ohne Kunst und Krümmung und darum vom heroischen Leben berichtet — ein einziges Buch: Jiskor. Wir aber, wir Helden des Wortes, gaben die Literatur dazu, Vorworte, Nachworte und gerührte Besprechungen. Das ist das Verhältnis unserer ' Geistige« zur Tat 1 Dieser Zustand ist unerhört. Wer ihn erkennt — und die Zahl, der Erkennenden wächst ebenso rascH wie die Zahl derer, die ihn dumpf spüren — bäumt sich auf. Dämpfe sammeln sich und wenn sich kein Ventil öffnen Jässt, wird es in absehbarer Zeit zu Explositionen kommen. . Aus dem Mangel an Kritik kann leicht ein Uebermass an Kritik werden, das uns nicht zum' Outen gereichen wird. Darum gilt, es vorzubeugen. Kritik woran? 'An dem jämmerlichen Versagen irgendwelcher Führer? Kritik daran etwa, dass trotz aller Worte vom Ernstmachen noch nirgends Ernst gemacht worden .ist? Kritik etwa in dem Sinne, dass noch neuere Forderungen proklamiert, hoch unbedingtere Taten, noch brutalere .Diktatur des Geistes gepredigt, wird? Das wäre eitles Bemühen, das hiesse, den Teufel durch Beelzebub austreiben; das tyäre nichts, was nicht all "die |jetzt als unzulänglich Erwiesenen bisher auch schon <getan hätten* Wir halten grundsätzlich Abkehr von diesem Wege. Wir wollen nicht schnüffeln und nachspüren, wo und bei wem' die Kraft versagte. Wir wollen nicht Inquisition treiben und vor unser Tribunal fordern. Denn wir dienen dem gütigen Ausgleich, nicht der verständnislosen Gehässigkeit. Darum wollen wir uns bemühen, vorurteilslos so weit wir es können, die Dinge zu-erkennen, die sich stärker erwiesen als der menschliche Wille. Und es wird sich zeigen, dass wir uns oft ohne Sinn und ohne Ziel, nur aus Unkenntnis und Missverständnis, mit Hindernisse)« herumzubalgen, die »wir selbst uns ohne Zwang erbauen; mit Hindernissen, die allein auf einem bunten Wirrwarr theoretischer Irrungen und falscher Vorstellungen wuchern; mit Hindernissen also des unkritischen Zionismus. Man muss die Voraussetzungen prüfen. In vielen Forderungen, die uns heilig scheinen, beten wir falsche Götzen an. Sie danken ihre Macht allein der starren 'Dogmatik, sie haften an der Oberfläche, nicht am Wesen des Problems. Dieses bliebe unberührt, liesse man sie fallen. Und da ihnen alle Voraussetzungen der Erfüllbarkeit fehlen, sind sie nicht nur unnötig, sondern gefährlich: denn sie erzeugen einen Konflikt zwischen Sollen und Können, der empfindsamen Naturen unmöglich wird. Rufen wir auf zur Kritik und zur Selbstbesinnung! Werfen wir Flitter und Lüge von uns ab, wo wir sie als solche erkennen! Stellen ■wir keine Dogmen auf, die alier Fundierung entbehren und deren Er-