Neue jüdische Monatshefte
- Journal
- Neue jüdische Monatshefte
- Volume
- 1918-1919
- Issue
- Heft 23-24 (10.9.1919)
- Article
- Ein Nachwort
- Date
- 1919-09-10
- Page
- Seite 509 (sequence 2)
- Language
- German
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2. Nationale Autonomie: Ich weiss es nicht, ob die Gstyuden so wenig ihre nationale Autonomie wünschen, wie es Oolcfmann darstellt, und ob diese wirklich nur eine von aussen erhobene Forderung {st. Jedenfalls ist den Angriffen Ooldmanns die Spitze. dadurch abgebrochen, dass auch wer die "nationale Autonomie nur den ostjüdischen Gemeinschaften zuerkannt wissen wollen, die sie selbst verlangen, Die individuelle Gleichberechtigung, wie sie Ooldmann fordert, ist in dsn östlichen Ländern, wo die ]uden etwas von den Polen, Litauern lacv." durchaus wesensverschiedenes darstellen, nur möglich in der Form: der kulturellen Autonomie, d. h. der Freiheitim religiös-kurturellen Lehes, die ja wohl auch Ooldmann für die Ostjuden wünscht. Ich weiss nicht, ob gerade die kulturelle und nationale Autonomie den Hass der Polten, Ukrainer usw. gegen die Ostjuden besonders mehrt; Progrome hat es schon zu einer Zeit gegeben, a!s von der Autonomie noch sticht die Rede war. Wir können jiicht so weit Vorsehung spielen, dass wir eine Forderung unserer östlichen Glaubensgenossen, die sich aus ihrem inneren Wesen ergibt, nicht unterstützen, weil sie vielleicht ihr Schicksal weiter gefährdet. Sie um deswegen für die Ostjuden prinzipiell abzulehnen, weil sich aus ihr bedenkliche Konsequenzen für uns deutsche Juden ergeben müssien, halte ich nicht für richtig. Die Furcht vor solchen bedenklichen Konsequenzen erscheint mir unbegründet. Niemand kann sich der Erkenntnis verschliessen, dass unsere Glaubensgenossen im Osten von den sie umgebenden Völkerschaften national und kulturell durchaus verschieden sind und verschieden sein müssen, weit es sich aus ihrer geschichtlichen Entwicklung ergibt. Sie haben sich gerade aus ihrer deutschen Vergangenheit heraus zu einer in sich geschlossenen Einheit entwickelt, und wenn auch auf diese Einheit nicht alfe Eigentümlichkeiten einer Nation zutreffen, so sind sie doch jedenfalls nicht polnisch usw. „national". Dass sich aber aus dem Bestehen einer solchen .— nennen wir sie auch nationalen Einheit — irgend welche Konsequenzen, auf da9 Wesen der Westjuden ergeben sollten, kann nur der behaupten, der aus einer Ueberschätzung des nationalen Gedankens heraus nicht einsieht, dass die nationale Gruppierung nur eine wie jede andere ist, dass in einer Gemeinschaft, wie es die jüdische ist, sie nicht neben solchen Teilen, die sich national entwickeln, auch solche befinden, die sich .Rationell und kultureil völlig den Völkern assimiliert haben, unier denen sie seit Jahrhunderten wohnen. Der Satz Ooldmanns: sind die Juden in Polen eine Nation, so sind sie es auch in Deutschland, entbehrt der Begründung. Auf die Verschiedenheit von Ost und Westjuden habe ich wiederholt hingewiesen. (Um Deutschtum und Judentum S. 255, 369.) 3. Palästinafrage. -Auch hier kann ich die Angriffe Ooldmanns gegen die jüdische Mehrheit nicht teilen. Wann ist jemals davon gesprochen worden, dass wir uns mit der zionistischen Palästina- Politik identifizieren wollen? Durch die Aufnahme des Palastsnaprogramrns in da!?, neue Centralvereinprogramrn haben wir nur die deutsche Judenheit dazu bringen wollen, in dem Worte Palästina nicht etwas a priori zionistisches und darum zu bekämpfendes zu sehen, sondern ein Gebiet,