Neue jüdische Monatshefte
- Journal
- Neue jüdische Monatshefte
- Volume
- 1918-1919
- Issue
- Heft 23-24 (10.9.1919)
- Article
- Die politische Entwicklung im polnischen Judentum während der Zeit der deutschen Okkupation
- Date
- 1919-09-10
- Page
- Seite 508 (sequence 6)
- Language
- German
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508 heitcn Rammenden und deshalb nicht überwindfeareri Ursachen unserer^ Misserfolge, die ich im vorstehenden auch berührt habe, als sehr massgebend zu bezeichnen. Aber wir fassen jedenfalls Fernen das Gefühlim politischen Verhalten und Handeln gegenüber dem Verstand mehr als das bisher und insbesondere in der Judenfrage geschehen ist, zurücktreten zu lassen,. Ein Nachwort Von Geh. Justizrat Dr. Eugen Fuchs, Berlin ßs*rpVi dem Artikel von Dr. Felix öoldma'nn1) sei mir ein Nach- // wort gestattet. Goldmann wirft der Politik der judischen Mehrheit eine Abhängigkeit von der national-jüdischen Phraseologie vor. Dieser Vorwurf wardT, wen'n er auch nicht so. gemeint sein mag, mancher auf die jüdisch-organisierte Mehrheit, und damit auf die Politik des Ceniralverem deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens beziehen. Deshalb will ich zu dieser Politik kurz Stellung nehmen. 1. Ein Musterbeispiel für die geschilderte Schwäche der jüdischen Politik, für ihre Abhängigkeit vom Zionismus sieht Gold mann in der Kongressfrage. Hier entbehrt sein Vorwurf jeder Begründung. Den national-jüdischen Kongress, der von seinen Teilnehmern die Zugehörigkeit zum jüdischen Volke verlangte und der ausschliesslich als eine Vorbereitung auf den Weltkongress gedacht war, haben die Zionisten auf unser Betreiben fallen lassen. Der Kongress, auf d^en wir uns mit den Zionisten geeinigt haben, deckt sich im wesentlichen mit dem; deutschen Jude'ntage, den auch Goldmann will. Ich kann mir denken, dass jemand den Kongress ablehnt, der auch die Demokratisierung der Gemeindeverfassung, und die Gesamtorganisation nicht haben "will. Dass aber jemand beides wünscht und unsere Kongresspolitik angreift, weil wir die Tagung nicht Judentag, sondern Kongress genannt haben, uns also von einem „Schlagwort" haben fangen lassen, das die Massen hinter sich hat, begreife ich nicht. Nicht wir sind es dann, die Schlagwortpolitik treiben. Der Kongress hätte sich mit genau denselben deutschen Juden problemen beschäftigt, die Gold mann anführt und über die v/ir, — das möchte ich im Gegensatz zu ihm betonen, — einem ausländischen Juden 'nicht ohne weiteres das Recht mitzustimmen geben könnten, da es sich nicht .nur um rein religiöse, sondern auch um speziell deutschjüdisch politische Fragen handelt. Der Kongress hätte sicher auch eine prinzipielle Auseinandersetzung mit dem Nationaljudentum gebracht, denn auch diese ist ja ein deutsch-judisches Problem. Ueber die Fragen: Palästina und nationale Autonomie in den Ländern der Massensiedlung hatte auf dem Kongress schon aus dem Grunde nicht viel verhandelt zu werden brauchen, weil, wie ich bereits auf dem Delegiertentage des Central Vereins erklärt habe, nach den V/orten des Grafen Bernstorff, - diese Fragen unabhängig von jeder Stellungnahme der deutschen Juden im positiven Sinne. gelöst werden würden. i,;45 JcliiX^GJ)loolna,n^: Jüdii*he Politik. Neue Jüdische. . Monatshefte Nr. 21 und 22. 1919