Neue jüdische Monatshefte
- Journal
- Neue jüdische Monatshefte
- Volume
- 1918-1919
- Issue
- Heft 23-24 (10.9.1919)
- Article
- Die Verfassung der "Jüdischen Religionsgesellschaft" in Polen und das Recht der Minderheiten
- Date
- 1919-09-10
- Page
- Seite 496 (sequence 4)
- Language
- German
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496 nationalen, religiösen und sprachlichen Minderheiten werden das dringende Interesse daran haben, sehr scharf darüber zu wachen, dass dieses Mindestmass von freiheitlicher Entfaltung nicht durch irgend einen Eingriff im Wege der Verordnung oder Gesetzgebung verletzt wird. Die Verwaltungsreformen» die das Kultusministerium geschaffen hat, stehenvorläufig zum Glück auch nur auf dem Papier. Sie sollen nicht für das ganze Polen, sondern nur für «Kongress-Polen — hier allerdings auch für das ehemalige Generalgouvernement Lublin — gelten. Sie sind fernerhin noch nicht in Kraft getreten: es steht noch der Erlass der Wahlordnung aus, ohne welchen die Gemeindeverwaltungen wicht gebildet werden können. Schliesslich ist die Grundlage aller bisherigen Verordnungen eine provisorische. Es wird immer davon ausgegangen, dass die endgültige Regelung von der ordentlichen Gesetzgebung, dem Sejm, geschaffen werden muss. Bei dieser Sachlage reicht es aus, dass jetzt schon auf die dringenden Gefahren hingewiesen wird. Sie su bannen wird Sache, der berufenen Stellen, zunächst der jüdischen Abgeordneten im polnischen Landtage sein. jüdische und europäische Politik Von Heinrich Margulies, Wien ie Frage, welche Stellung der Jude dem durch den Krieg zerrütteten Europa 'gegenüber einzunehmen habe, drängt sich jetzt, wo langsam der Wiederaufbau beginnt, in den Vordergrund. Die zionistische Ideologie in ihrer bisherigen Begrenztheit reicht nicht aus; sie zu beantworten. Mit dem. Hinweis darauf, dass man ja Europa den Rücken kehre und in Palästina ein ausschliesslich rosig gefärbtes Gemeinwesen laufbauen werde, ist ebensowenig geholfen, wie mit der «allzu bequemen Geste, die besagt dass der jüdische Geist nichts gemein habe mit dem .verruchten Ungeist Europas, der den Krieg anzettelte. Wer da meint, sich dem Problem dadurch entziehen zu können, dass er hochmütig die Gemeinschaft mit dem Bisherigen leugnet, für die Zukunft aber ein ideales Vorbild zu liefern verspricht, ist in Eitelkeit vernarrt und spricht Worte ohne Wert. Mit der moralischen Attitüde ist wenig getan. Ebenso aber wie diese erschwert auch das präzisierte Programm es vielen Zionistejn, sich dieser Frage eingehender anzuwenden. Immer noch . geben sie das Prinzip nacht auf, welches jüdische Zukunft nur insoweit anerkennen und berücksichtigen will, als sie sich in Palästina abspielen wird. Lediglich mit Palästinaforderunge/t trat das zionistische Aktions-Komitee vor den Friedenskongrcss, und erst in einem späteren Stadium, nach dem Eingreifen Leo Motzkins auf der Londoner Zionistenkonferenz, wurden auch Galuthforderungen proklamiert, wurde eine Delegation der ad hoc konstituierten Nationalräte zusammengesetzt und dem recht unliebsam überraschten Friedenskongress ein buntes Bukett völlig neuartiger Wünsche überreicht. Zwar zog das Londoner Aktions-Komitee schliesslich die Konsequenzen daraus und aktivierte innerhalb einer neuaufgebauten Organisation eine .. Sektion für «die nationalen Rechte im Galuth, aber es wird wolil noch