Neue jüdische Monatshefte
- Journal
- Neue jüdische Monatshefte
- Volume
- 1918-1919
- Issue
- Heft 22 (25.8.1919)
- Article
- Aus der Welt des jüdischen Volksliedes [Rezension]
- Date
- 1919-08-25
- Page
- Seite 492 (sequence 4)
- Language
- German
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490 Aber auch dann, wenn diese Ausgaben von den bisher im Druck vorliegenden 1000 jiddischen Volksliedern nur edite und hochwertige Proben gebracht hätten, kann man sie doch nicht einfach1 dem deutschen Leser vorlegen und ihm sagen: jetzt sing! Man muss ihm doch eine Anweisung? geben, wie die jiddischen Texte ausgesprochen werden, muss nach Möglichkeit den Sinn der unbekannten Inhalte dieser Volkskunst erläutern und darf den Benutzer auch in der musikalischen Ausführung nicht ratlos lassen, wenn nicht ein tinmögliches Gedudel entstehen soll. Man würde ja auch französische Chansons dem der Sprache Unkundigen nicht ohne sprachliche, phonetische und kulturhistorische Erläuterungen in die Hand geben. Ich habe aus diesen Gründen in dem Liederbuch „Volkslieder der Ostjuden" zum ersten Male den Versuch gemacht, dem westindischen Benutzer diese Lieder in einer Form darzubieten, durch die er ihrem gar nicht so leicht ergründbaren Wesen näher zu kommen vermag.2) Folgende Licdergruppen sind darin vertreten: das religiöse und das diassidische Lied mit 10, das Wiegenlied mit 6, das Kinderlied mit 5,. das Liebeslied mit 10, das Mädchen- und Hochzeitslied mit 8, die Lieder aus dem Familienleben der Handwerker, der Soldaten usw. mit weiteren acht Proben. Erstrebt wurde, jede dieser Gattungen, weniger durch die Zähl als durch die Qualität der gebotenen Probe irgendwie erschöpfend darzustellen. Von einer komplizierteren polyphonischert Instrumentalbegleitung wurde abgesehen; es genügte, den Melodiensatz mit einer schlichten, .bezifferten Lautenbegleitung zu versehen. Die Texte sind in zwiefacher Form gedruckt, einmal in der originalen Quadratschrift, dann dieser gegenüberstehend, im einer lateinischen (Antiqua-) Transkription. Diese Uebertragung in westindische Schriftart wurde nach dem Vorgang des Grammatikers Saloono Birnbaum (vgl. dessen vorzügliche Praktische Grammatik der jiddischen Sprache, Verlag. Hart« leben, Wien 1915, 2,50 Mk.) In vereinfachter, dem praktischen Zweck angepasstcr Form angelegt. Sie ist durchaus einheitlich durchgeführt, mit dem Zweck, den Benutzer zu zwingen, endlich1 diese Texte in einer legitimen 'Art 'auszusprechen und feu 'sktgen. Dazu] sind den meisten Liedern unTkngreiche Erläuterungen beigegeben, die das Sprachliche, die musikalische Ausführung und den Sinn der einzelnen Lieder behandeln. Das ß^suMtzlidie, rdas für die Anlage dieser Auswahl von 47 Liedern bectlsnmcnd war, wird eingehend in einem Vorwort erörtert. 9) Volkslieder der Ostjuden. Eine Auslese von 47 Liedern. jüdischer Verlag, Berlin 1919. \<