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Neue jüdische Monatshefte · 1919-08-25 · Heft 22 (25.8.1919) · p. Seite 488

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1918-1919
Issue
Heft 22 (25.8.1919)
Article
Max Brod
Date
1919-08-25
Page
Seite 488 (sequence 2)
Language
German
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486 x gewoben hat, Gar bald aber erscheint er sich darum als Verfolgter und Bedrängter und grollt seinen Freunden, die ihn ausnützen und hindern, zu eigener Arbeit zu kommen. 'Erst unter der Einwirkung der Orossmutter, einer in sich beharrenden echten Jüdin, überwindet er die Katzenjammerstimmung und ringt sich 'zur Wahrheit durch. Er erkennt die Grenzen seiner Begabung und findet ein Ziel für sein Streben. Ernsthaft nimmt er sich vor, seine Vielseitigkeit und Gewandtheit in den einzig hierfür möglichen Beruf zu leiten: den Journalismus. Es berührt nur seltsam, dass Brod die journalistische Gabe aus dem alten Judentum/ableiten will; sie ist doch nur ein Ausfluss der neuzeitlichen Golusyerhältnisse. Ein Meisterwerk war sein Roman: Tycho Brahes Weg zu Gott. Tycho Brahe, das Talent, verzehrt sich in Sehnsucht nach dem Glück Keplers, des Genies. Immer meinte er, der Mensch könne das Schicksal verbessern, leiten und so Gott im kleinen spielen. Bald jedoch sieht er seinen Irrtum eiin. Blind ist der Mensch und nur ein Werkzeug eines Mächtigen über uns. Aber bis Tycho das einsieht, ringt er wie Jakob mit Gott um seinen Segen. Eine Episodenfigur, allerdings glänzend ausgeführt, ist Rabbi Low von Prag. Das Drama: Eine Königin Esther zeigt, dass Brod nach neuen Ausdrucksmitteln und Formen für echt jüdische Empfindungen ringt. In Haman wollte Brod den abtrünnigen Juden auf die Bühne bringen, der sein Volk hasst, weil es die Grösse vermissen lässt, und der .es aus Lauheit ünd Versöhnlichkeit zum Trotz, Stolz und Kampf aufpeitschen möchte. Sein Gegenpol ist Mordechai, der König bloss sein Werkzeug. Auch Esther soll es werden. Aber sie erweist sich stärker als Haman; Als neue Judith triumphiert sie über ihn. Doch nachdeim sie den Dolch weggeworfen hat, bricht sie zusammen, bis der König:, dem sie das Geheimnis ihrer Abstammung- und ihre Tat eröffnet, sie aufrichtet. Dennoch bleibt sie nicht bei ihm. Ob sie zu ihrem Volke, das von ihr gerettet wurde, zurückkehren wird, lässt der Dichter unentschieden. Einheitlicher, harmonischer, wahrer wirkt Brod in den Gedichten Das gelobte Land.; : Er dichtet Gedanken, schwelgt in Reflexionen, versinkt in das Kosmische, sucht tiefste Zusammenhänge, sinnt uralten Rätseln nach, wühlt in quälenden Fragen, baut neue Wjelten auf, schlägt goldene Brücken zu regenbogenfarbnen Hoffnungslandien. Ein Geist, der schmerzvoll, hoffnungsreich die Nähe seines vielleicht zu lange entfremdeten Volkstums sucht, und für es so wie für sich den Weg ins Freiem den Weg zur Selbstbestimmung, zur Grösse zu finden bemüht ist. Die Sehnsucht glüht in ihm, der jahrelang verirrt war, ein Dichter-Prophet zu werden und zu seinem Volke zu sprechen, es zu wecken, aufzurütteln, zu läutern, zu veredeln, wie es die Propheten einst getan haben. Jene sprachen zu Israel „so stark, dass Schall davon und Heiligkeit zwischen den Wänden unserer Körper noch, der naehg-eboreneu, , umherirrt wie gefangener Sturmwind in Ruinen haust". Und die neuen

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