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Neue jüdische Monatshefte · 1919-08-25 · Heft 22 (25.8.1919) · p. Seite 487

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1918-1919
Issue
Heft 22 (25.8.1919)
Article
Offener Brief an Herrn Georg Hermann
Date
1919-08-25
Page
Seite 487 (sequence 4)
Language
German
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485 schmökert wird, ruft eine hebräische Nachdichtung* in neuen und jungen Geschlechtern und Geschlechtern die Tränen hervor, die wir über das Leid der armen Henriette vergossen. Und (meine Sehnsucht jreht dahin, dass sich der Zionismus einst in dieser Weise an Ihnen rächen möge. Denn über allen Ausstellungen, dte wir an ihre Volkspolitik knüpfen, werden wir nie vergessen, was wir Ihnen, dem Dichter des judischen Volkes, schulden. Wollen Sie von mir den Ausdruck meiner ganz besonderen Hochachtung entgegen nehmen. Ihr ergebenster Wilmersdorf Felix A. Theilhaber Max Brod Von Dr. Marek Scherlag, Wien •pf*^ s gibt Dichter, die in ihrem ersten Buch sich ganz ausgeben und andere wieder, die sich erst im weiteren Schaffen entwickeln. ^^^Zm diesen gehört Max Brod. Er wächst mit jedem Werk. Aber schon seine ersten Arbeiten trugen wie die späteren den Stempel der Künstlerschaft. Erstaunlich ist der Fleiss dieses Mannes, der verhältnismässig noch sehr jung ist. Erstaunlicher noch seine Vielseitigkeit. Aber trotz dieser bei jüdischen Dichtern nicht seltenen Erscheinung merkt man an Brod keine Zersplitterung der Kräfte. * Nicht immer war Brod ein bewusst jüdisch schaffender Dichter. Er begann als Europäer. Dann ist er von der Höhe seines Schlosses Nornepygge, wo Phantastik und Weltanschauung thronten, zu den Niederungen des Lebens herabgestiegen, wo Wirklichkeit und Jugendtorheit, kurz der Alltag zu Hause ist, Seine erste Wendung zur Judenfrage — zur Gestaltung von Juden' — war der Roman Jüdinnen, worin die Verliebtheit eines jüdischen Gymnasiasten geschildert wird. Die Art, wie er uns mit jeder kleinsten Regung, jeder Stimmung, jedem Gefühl, jedem Gedanken des frühreifen Schwerenöters vertraut macht, deutet auf psychologische Schulung. Dagegen fallen die hier ßpärlich verstreuten Betrachtungen ab. Sie sind noch zu wenig entschieden. Wir erfahren nichts Wesentliches über die Jüdinnen, von denen ein ganzer bunter Reigen vorgeführt wird. Im Grunde sind sie alle gleich. Sie wollen geheiratet werden. Nur eine, Glga Grosslicht, ist gefestigt in sich, ein ganzer Mensch, eine echte Tochter Zions. Sein zweiter jüdischer Roman war Arnold Beer. In diesem Arnold Beer gab Brod eine gute Porträt-, um nicht zu sagen Charakterstudie. Ein Vielseitiger, Vielgeschäftiger ist der Held, ein Anreger und Allerweltsversorger, ein Entdecker und VermKN ler irn Reiche des Geistes, vergeudet er Zeit und Kraft an mancherlei, was ihm von Wert erscheint. Für sich selbst hat er keane Zeit, fortwährend zappelt er in einem Netz von Verpflichtungen, das er selbst

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