Neue jüdische Monatshefte
- Journal
- Neue jüdische Monatshefte
- Volume
- 1918-1919
- Issue
- Heft 22 (25.8.1919)
- Article
- Die Kritik am Zionismus
- Date
- 1919-08-25
- Page
- Seite 478 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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476 Die, Kritik am Zionismus® " Von C. Z. Klötzel, Berlin , . " «pT^er. Zionismus leidet daran, dass die Kritik, die von aussen an N j/inn herantritt, nicht sehr tiefgründig: ist. Das kritische Moment, 'djas in erster Linie fast alles beeinflusst hat, was bisher jüber den Zionismus geschrieben worden ist, bestand in der Erwägung, in welchem Orade die zionistische Theorie vereinbar sei mit dem Ideal der bürgerlichen Emanzipation. Die national-jüdische Bewegung in ihrem geistigen Inhalt, unabhängig/von allen Nützlichkeitserwägungen, zu bewerten ist bisher kaum jemandem eingefallen, und die ganz vereinzelten Versuche, welche in dieser Richtung unternommen wurden, blieben derartig unzulänglich, dass sie irgendeine Wirkung nicht auszuüben vermochten. Umso grössere Aufmerksamkeit verdient eine kleine Schrift: Judentum und Zionismus von Eduard Strauss (J. Kauffmann- Verlag, Frankfurt a. Main, 1919), die zum ersten Male mit zulänglichen geistigen Mitteln und auf der Grundlage einer mehr als gewöhnlichen Kenntnis der inneren Triebsmomente des Zionismus eine Kritik desselben * unternimmt. Auf den 40 Seiten dieses Heftchens steht Wesentlicheres als das meiste dessen ist, was in nunmehr jahrelangen Diskussionen zwischen Zionisten und Antizionisten zutage gefördert worden ist. Eine Auseinandersetzung mit Strauss wird daher zur unabweislichen Pflicht der jüdischen Presse und vor allem für den deutschen Zionismus. Von dessen Standpunkt. soll im folgenden eine kritische Würdigung dieser „Kritik des Zionismus'' unternommen werden. Die 'Art der Argumentation dieser Schrift hat nichts zu tun mit der tendenziösen Polemik, die der Antizionismus bisher geführt hat. Alle diejenigen Fragen, welche in dieser Polemik den breitesten Raum und das stärkste Interesse aufweisen, treten bei Strauss völlig in. den Hintergrund. Die Frage nach der Möglichkeit und Durchführbarkeit der zionistischen Politik, die Frage nach der Einwirkung des Zionismus auf die Stellung der Juden in der Diaspora, die Frage nach der Berechtigung der Anwendung des Volksbegriffes auf die jüdische Gemeinschaft, alle diese Dinge, die so sehr in den Vordergrund treten bei einer Betrachtungsweise, die darauf ausgeht, den Zionismus aus Opportunitätsgründen zu widerlegen, erweisen sich als völlig unwesentlich für Strauss, der an den Zionismus den kritischen Masstab höchster Wertung legt, und nur das eine Kriterium als bestimmend gelten lässt: Wie beeinflusst der Zionismus die verlorengegangene Einheit von Judentum und Judenheit? , Strauss geht methodisch vor und entwirft zunächst eine Schilderung von der Psychologie des Zionismus, die trotz einiger Mängel als überaus interessant und fast erschöpfend' bezeichnet werden muss. Er erkennt, dass eine Kritik der Bewegung sich nichtrationalistischer Waffen bedienen dürfe. Er sieht . im Zionismus ein bestimmtes jüdisches Ethos, die Vorherrschaft bestimmter Wertgebiete, aus der heraus sich jede geistige Bewegung allein erklären lässt. Und er versucht es, am Zionis-