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Neue jüdische Monatshefte · 1919-08-25 · Heft 22 (25.8.1919) · p. Seite 473

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1918-1919
Issue
Heft 22 (25.8.1919)
Article
Die Mentalität der Sentimentalität
Date
1919-08-25
Page
Seite 473 (sequence 5)
Language
German
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471 stellt, für seine Ueberzeugung gekämpft und gelitten hat Respekt aber auch vor jedem, der die Sache der Revolution in dem einen oder dem anderen Lager zur seinen gemacht hat. Respekt gegen Respekt! Ueberzeugung gegen Ueberzeugung! Dahingegen hat der, der — wenn das Vaterrand in seinen Vesten schwankt — weder kalt noch lau, weder lau noch warm ist, auf keinerlei Respekt Anspruch, zumindest nicht bei denen, welche die Dinge dieser tollen Welt mit klaren Blicken betrachten, sich nicht von aufgepfropften Mentalitäten noch von falschen Sentimentalitäten oder von schalen Trivialitäten in irgend eins der vielen modernen Oedanken- oder Gefühls-Labyrinthe verlocken lassen. Gegen Antisemiten vollends hilft nur das Dante-Wort: „Geh' deinen «Weg und lass die Menschen schwätzen!" Jüdische Politik Von Dr. Felix Goldmann, Leipzig (Schluss) V. Jugendbewegung Die jüdische Jugendbewegung in Deutschland steht unter dem Zeichen der Neutralität. Wenn man nun auch keineswegs behaupten kann, dass man es hier mit einem nationaljüdischen Schlagwort zu tun hat, — denn neutral will eine zionistische Organisation gewiss nach keiner Richtung sein, — so ist immerhin der Begriff der Neutralität gerade so gefasst, wie es für das Eindringen des nationaljüdischen Gedankens am bequemsten ist, und man kann ruhig sagen, dass auch hier die von der grossen Mehrheit verfolgte Politik durch eine stete Unterwerfung unter zionistische Wünsche charakterisiert ist. Was ist Neutralität? Das Judentum stellt sich stets im einzelnen Individuum als ein durch die besondere Veranlagung seines Trägers beeinflusstes und gefärbtes Gebilde dar. Es liegt nicht in der Natur der Sache, wohl aber in der des Menschen, dass er orthodox oder liberal, nationaljüdisch oder deutsch-vaterländisch denkt und handelt. Gewiss ist eine Abstraktion denkbar, die das Gemeinsame betonend, auf Partei* Standpunkte mit der abgeklärten Einsicht und Ruhe des welterfahrenen Greises herabsieht. Aber diese Höhe ist nicht das Ideal einer Jugend, die von Leben erfüllt ist, die gern in Extreme verfällt, die liebt und hasst, die sich ereifert und kämpft und das Greifbare, um das man ringen kann, dem blassen Bilde der Idee vorzieht. Darum ist freilich Neutralität als Sache keineswegs zu verachten. Sie hat die Aufgabe, die Grenzen des Kampffeldes zu bestimmen und nach aussen hin über die Einheit zu wachen. Ihr Ziel müsste» es auch sein, das Verständnis für die einzelnen Richtungen bei den Gegnern erwecken. So wäre denn das Ideal einer neutralen Jugendbewegung ein' grosser Verband afs Träger dieser Neutralität,

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