Mannheim
Compact Memory

Neue jüdische Monatshefte · 1919-08-10 · Heft 21 (10.8.1919) · p. Seite 461

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1918-1919
Issue
Heft 21 (10.8.1919)
Article
Schamvolle Reue und kühner Entschluss
Date
1919-08-10
Page
Seite 461 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2908689-2908735-2908750-2912052--2640-2912076
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

459 uns wäre ein solcher spontan wie laus dem, Anonymen und Gamsen brechender Gesarhtgeist jetzt nicht zu erwarten; der Dichter, der Einzelne, der Religiöse könnte ihn in sich tragen, über düe andern ergiessen und das £a jedem Verborgene, das Menschentum erwecken/1 Landauer, Analytiker und Prophet, gibt damit das Programm dieses Buches, das Dichter und Essayisten vereinigt. Die einig sind im glühenden Wunsch nach Erneuerung, aber nicht in der Wähl des Weges und die darum nicht beisammen bleiben werden: „Jene, die ohne Grund sich zusammentun, trennen sich auch wieder ohne Grund" (Dschuan^ds Ein anderes Wort des alten Chinesen könnte ihr schwerblütiges Ringen um die Identität von Wort und Gedanke, ihren sprachlichen Schöpferwillen veranschaulichen:;,Wprte sind da um der Gedanken willen; hat man den Gedanken, so vergisst man die Worte. Wo finde ich einen Menschen, der die Worte vergisst, auf dass ich tajit ihm reden kann?" Der E£ne oder Andere wird dabei preziös: „Der Jüngling, mit einem Worte, mit dem hohen Masstab für die niedrigen Dinge/4 (S t r i n d b c r g). Gottlose Gottsudier! Der Glaube, der sich in inbrünstiger Hingabe bettende, schwand ihnen allen, den Söhnen des Krieges. Zorn, Wut, Aufhadern peitscht sie: „Auch du bist Spielzeug in den Händen von Dämonen. Sie werfen dich in Irrsinn, Qual und Kot. Sie höhnen deine Angst, dein Flehen um Verschonen, Bis du zu ihrem Zeitvertreib '; in fürchterlicher Not Hinstreckst den willenlosen Leib." (A. v. Hatzfefd). „ich weiss, dass du auch Henker bist, Der tausendmal und täglich Mörder ist." (Derselbe). „Ich bin doch ein Jammer und kein Hund. Doch keinen Wurm je erschlug ich mit dem Millionstel an List (Noch schlüge ein Mörder je Fliegen also wund) Wie du, Gott, zu uns allen bist." „Unschuldig sind wir. Alle Lämmlein. Wir lieben uns und du lässt es nicht zu. Wir lieben uns nach deinem Gebot. Doch da kommst du, irrer. Irrenwärter. Uud du schlägst alles tot Rings um dich, heute oder morgen. Und lieb ist dir ewig nur das Nichts. (PaufAdier). Ergreifend klagt ErnstToSler: * „Ziellos irren wir, furchtsame Kinder, Preisgegeben sinnloser Willkür. 'Morden, hungern, vollbringen Gewaltige Taten. * Bleiben doch furchtsame Kinder, Schrecküberfailen von iichtloser Nacht." In heimatloser Einsamkeit schweben sie alle: „Ewig verschlossen bleibt der Weltgeschichte Schicksalsbuch. Unwissend in ein Tier Gefahrene sind wir alle." (Paul Zech). „O Mensch, ich bin arm vor] Sehnsucht nach dir!" (Reinhardt). Alles Behagen liegt hinter ihnen: „Nun kann ich mich gar nicht erinnern mehr, Wie man sich lachend auf die Fusspitze stellt." (Werfei). Und nie mehr wird eine Freude ohne Grausen sein: „Hernach wird Lachen über Gräber gehen — ich werde mitten in der Freude stehen / mit irren Augen. Und alle Freude wird jäh ein Geschoss durchschwirren. . . ." (Heyn icke). Ein Ende soll sein! „Was wollen v/ir länger in dieser Verheerung, Brüder?" (Adler).

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.