Neue jüdische Monatshefte
- Journal
- Neue jüdische Monatshefte
- Volume
- 1918-1919
- Issue
- Heft 21 (10.8.1919)
- Article
- Jüdische Politik
- Date
- 1919-08-10
- Page
- Seite 454 (sequence 10)
- Language
- German
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zw schreiben, nach dem Klatzkin in seinem wohltuend klaren und Ionischen' Buche den ganzen Widersinn so klassisch beleuchtet hat. Welches Land wird sich eine solche Perversität gefallen lassen 1 Selbst von dem erwähnten „deutschen Staatsbürger französischer Nationalität" wird man doch verlangen können, dass er sein Franzosentum rein kulturell, aber nicht vaterländisch, also staatsbürgerlich betätigt. Der Volksbegriff bedeutet aber auch die Sprengung des Judentums. Heute ist die Einheit zur Not noch da! Der religiöse Bund ist gewiss schwach, aber er ist noch nicht zerrissen. Die Anerkennung des politischen Volkstums bedeutet jedoch, da man weder in Russland noch in den anderen Ländern mit der Einstellung auch nur der Mehrheit geschweige denn der Gesamtheit — auf diese Forderung rechnen! kann,' ein sofortiges Auseinander allen in zwei Teile, in ein religiöses und ein politisch-nationales Judentum. Bei allem Verständnis, das man jugendlicher Romantik entgegenbringt, wenn sie sich an Extremen und Paradoxen berauscht, muss man doch hier sich der furchtbaren Verantwortung, bewusst sein, die jeder auf sich nimmt,. der das Judentum durch Hineintragen wesensfremder politischer Begriffe in seiner Struktur ändert. Das Judentum Ist und hltibt R eligionsgem ei n>v scliaftl Nicht jeder freilich hat das moralische Recht, das zu betonen. Mit innerlich empfundener und darum überzeugender Kraft kann nur derjenige den Volksbegriff ablehnen, der wirklich den festen Boden der Religion unter den Füssen hat. Wem das Judentum aber ein relatives Gebilde der Zeit, ein Gemisch von 'Antiantisemitismus und An ti Zionismus ist, der sollte recht vorsichtig sein, wenn er den unjüdischen Charakter des Nationaljudentums hinausschreit. Selbst auf die peinliche Gefahr, hin, dass diese Zeilen die Anerkennungder zionistischen Presse linden, muss betont werden, dass das Bekenntnis zum „Rcligionojudentmn auch1 religiöse Taten verlangt. Heute stehen die Synagogen leer, weite Kreise freuen sich auf die neuen Schulgesetze nur darum, weil der lästige Religionsunterricht damit ein Ende hat. Wenn es gewiss das gute Recht auch dieser Kreise ist, den Volksbegriff zk verwerfen, Eellgionsjudsn dürfen sie sich ganz bestimmt nicht nennen, und wenn sie das Nationaljudentum für eine vorübergehende Zeit- •erseheinung. ohne jüdischen Wert halten, ihr Trotzjudentumf ist ganz gewiss noch weniger. Reiigionsjudentum ist keine politische Partei, der man sich' durch Zahlung eines Jahresbeitrages verschreibt. Reiigionsjudentum verlangt das Opfer des inneren Bekenntnisses und der werktätigen Ausübung religiöser Gebote. (Fortsetzung folgt.) Judaeo — Polonia * Von Dr. N. W. Gelber, Baden bei Wien TT et seinem Briefe1) an Wilson erklärte der polnische Ministerpräsident Ii Pade rew ski: „Polen zeichnete sich stets durch eine Toleranz aus, <-* selbst in solchen Zeiten in denen die Toleranz in anderen Staaten eis tmuc,:annter Begriff war/' Wie kommt es nun — wenn dem so ist-—, dass Pmm noch-immer unter dem Zeichen der Pogrome steht? Oder ist die l) im Juni 1919.