Neue jüdische Monatshefte
- Journal
- Neue jüdische Monatshefte
- Volume
- 1918-1919
- Issue
- Heft 19-20 (10.7.1919)
- Article
- Augen des Ostens
- Date
- 1919-07-10
- Page
- Seite 426 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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424 Ens .anderes Mal will ich erzählen von den einzelnen, denen mich dqr Krieg über den Weg geführt hat. Philos Bedeutung für die abendländische ' Geistesgeschichte Von Dr. IFtfifz Heinemann, Berlin^ Um die Wende der christlichen, Zeitrechnung* lebte in Alexandria ein Jude mit Namen Philo. Von seinem Leben wissen wir kaum mehr, als dass er etwa zwischen 30 und 20 v. Chr. als Spross eines vor- -nehmen Ges'chlechtes geboren und' in jüdischer und griechischer Wissenschaft gründlich erzogen wurdje, dass er später an einer Oesandtschaft an Caligula teilnahm, die den Casaren erfolglos um die Einstellung der Judenverfolgungen in der Heimatstadt bat, und dass er wahrscheinlich zurzeit der Regierung de9 Claudius (41—54 n. Chr.) starb. So spänlich die Erinnerungen sind, die das äusserliche Erdenwallen dieses Mannes auslöste, so tief eingeprägt fcindi die Schriftzüge, die sein Geist den, Blättern der abendländischen Kulturgeschichte einzeichnete. Wir können sagen: Philo ist von epochemachender Bedeutung. Sein Auftreten begründet eine Epoche In der philosophischen Kultur des Abendtandes. Der Erkenntnis dieser Bedeutung Philos; steht bislang die Tatsache entgegen, dass man sich gewöhnt hat, von einer griechisch-römischen Philosophie zu sprechen und1 infolgedessen die ersten nachchristlichen Jahrhunderte als einen Nachklang, Niedergang, Verfall! der griechischen Kultur betrachtet. Dadurch wird auch Philo in diese Verfallsperiode hineingezogen, die Ausstrahlungen Philos in die jüdische und christliche Kultur bleiben ganz ausserhalb der Betrachtung und man verschiiesst sich die Möglichkeit, die aufbauende Kraft des Philonismus, der, wie wir sehen werden!, bis; ins; sipäte Mittelalter nachwirkt, zu verstehen. Diese Auffassung, dje nach Zellers umfassendem Werk über die Philosophie der Griechen zugrunde liegt, gilt es zu zerstören. Man braucht. deshalb keineswegs die Nachwirkung des Griechentums in den ersten* nachchristlichen Jahrhunderten zu unterschätzen; aber das hellenische Element ist in dieser Kultur doch eben nur ein Bestandteil und das Charakteristische dieser Epoche ist vielmehr der Synkretismus, d. h. die bewusste Verschmelzung national verschiedener Kulturen, das Hinauswachsen über die national getrennten Philosophien des Altertums und ihre Verbindung zu einer höheren Einheit. Diese Verbindung bedingt zugleich ein Ueberschreiten einer rein theoretischen Philosophie KncS ihr Verschmelzen mit der Religion, sei es, dass die Philosophie sich mit einer historischen Religion verbindet, ohne dass beide ihre relative Selbständigkeit aufgeben wie bei Philo, oder dass sie sieh ihr unterordnet wie im Christentum, oder dass sie gar selbst zur Philosophie wird wie im spateren Neuplatonistnus. Diese wesentlich neue Einstellung, die auf dem Erlösungsbedürfnis des Individuums und auf seiner Sehnsucht zur Vereinigung mit dem Absoluten beruht, die in der Philosophie zugbkh eine Trösterin in den Schmerzen des Erdenlebens und einen SvTeg zu Gott finden will, ist die der mittelalterlichen Philosophie. Der