Neue jüdische Monatshefte
- Journal
- Neue jüdische Monatshefte
- Volume
- 1918-1919
- Issue
- Heft 19-20 (10.7.1919)
- Article
- Judentum - Sozialismus - Christentum
- Date
- 1919-07-10
- Page
- Seite 418 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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416 der Finsternis erstrahlte ein JLfciht^. Der Bolschewismus ist aber nicht das Kind, ja nicht einmal die Ausartung dieses jüdischen Sozialismus, der diesen Namen vielleicht einzig verdient. JDer Bolschewismus als ideelle und tatsächliche Erscheinung betrachtet ist vielmehr, wie ich anderswo schrieb, der Orgasmus aller spezifischen Fehler der russischen Geschichte und des russischen Nationalcharakters,6) die allerdings auch auf die Juden nicht ohne ansteckende Wirkung blieben; er ist also keine „Reifeform des jüdischen Sozialismus". Der westjüdische Sozialismus aber als Massenerscheinung entspringt dem jüdischen Rationalismus, nicht dem Materialismus. Gustav Landauer hat vielmehr den ökonomischen Materialismus bekämpft, ja in ihm bereits vor Jahren eine Gefahr vorausgeschaut. Aber auch die anderen jüdischen Sozialistenführer: Lev in 6, Mühsam, Eisner und Toller sind, wie Max W ober treffend sagte, Literaten mit lauteren Absichten, gepaart mit Weitfremdheit. Und das sind im Grunde genommen, nur in (höherem Sinne, auch Las alle und Marx, der Schöpfer des ökonomischen Materialismus selbst. Man kann also wohl einen Gegensatz „Bolschewismus und Christentum" konstruieren; ja man kann in gewissem Sinne, im Sinne der Taktik, der Methoden, selbst von einem Gegensatz zwischen dem Christentum und Sozialismus sprechen. Obwohl „Tolstoi und E i s n e r", die Cossmann als Antipoden einander gegenüberstellt, doch zumindest in ihren Endzielen gar manches Gemeinsame haben; obwohl das Christentum selbst, in seiner evangelischen Offenbarung, zwischen dem Ideal der Beschaulichkeit und einem tätigen Sozialismus oder vielmehr Kommunismus beständig schwankt (während das Judentum, in seiner alttestamentarischen wie talmudischen Gestalt, ein ausgesprochen individualistisches, individualwirtschaftliches System mit sozialen Korrektivmassnahmen (Schmita, Erlass der Schulden, Peah usw.) darstellt); Man kann aber nicht, wie gezeigt, Bolschewismus mit „jüdischem Sozialismus" und letzteren mit Materialismus identifizieren. Der jüdsche Sozialismus Ist überhaupt nur eine Teilerscheinung des allgemeinen Sozialismus; in seiner Eigenart aber trägt er überall, wie wir gesehen haben, ein geistiges, rationalistisches Kennzeichen an der Stirn. Die Hauptversammlung des Centraivereins Deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens Von Rechtsanwalt Heinrich Stern, Berlin TTJ^s ist erfreulich, dass die Möglichkeit gegeben ist, in diesen Blättern ^--'-^die bedeutsame Tagung des Zentralvereines berichten zu können; denn, was Klötzel darüber mitgeteilt hat, ist so unvollständig und dringt so wenig in die Zusammenhänge ein, dass man nur zweierlei annehmen c) Beispiele neuerdings bei W. Kaplun-Kogan: Das russische Wirtschaftsleben seit der Herrschaft der Bolschewiki, B. G Teubner 1919 *) Neu« Jüdische Monatshefte III. Jahrg. Heft 18 S. 380. '