Neue jüdische Monatshefte
- Journal
- Neue jüdische Monatshefte
- Volume
- 1918-1919
- Issue
- Heft 19-20 (10.7.1919)
- Article
- Zur Frage der Westjuden
- Date
- 1919-07-10
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Zeitschrift fw Politik; Wirtschaft und Literatur in Ost und West Erschein! r^eirnßS Im HonaÄ unter Mitertrhms voa AksaEfc Elksbcrg / Dr. Adolf Fricdemöös Geh* JteoäarcJ Dr. Eü^cn Fuchs / Prof. Dr. Frans Oppenheimer M!tbcßrün<ScJ von Hermann Cohera MBHB!9t3nMti!3rs9i!9S5nfiinsBset!£ris:Hnnii!iniiinnnn:3in rini liiiMiniEEüftiitiniitiuiinfiisiMfnisinsüiinEEnüü^sB! III. Jahrgang 10-/25. Juli 1919 Heft 19/20 iiiiinniftiHiiiiiinimKtmmifiiimtiMnm Diese Zeitschrift ist ein offener Sprechsaal für Jedermann. Für den Inhalt der Artikel tibernehmen die Autoren selbst die Verantwortung iimnnnimjKumntnnmiHmuinmwiäu^ Alle redaktionellen Sendungen wolle man an Herrn Dr. Wlad. W. Kaphin-Kogan, Breslau 16, Auenstr. 13, richten Zur Frage der Westjuden Von Georg Hermann, Berlin as ich hier niederschreiben will hat im gewissen Sinne den Wert eines Bekenntnisses. Und doch fühle ich, dass ich es nur tastend Schritt vor Schritt machen kann, vorsichtig die "Worte wählend und nicht — wie das sonst im Wesen des Bekenntnisses liegt — mich entlastend, indem ich unbekümmert sie herausschreie, damit die Seele frei werde und sich hingebe. Ja, ich werde sogar das letzte, was ich zu sagen hätte, absichtlich verschweigen. Falstaff enthüllt sein Wesen, (indem er dem (gefallenen Feind iden 'Degen hinterrücks in die Waden stösst, dem Feinde, den er nicht niederstreckte; und wieviel verächtlicher wäre es noch, wenn man dem Freund, dem man viel, ja alles dankt oder zu danken glaubte, da er nun neben und mit uns niedergesunken, nun;noch einen Stich versetzte und sich von ihm. abwenden würde. Um nichts in der Welt möchte ich die»sen Vorwurf auf mich laden. Und doch kann es manchem scheinen, als ob ich es beabsichtige. Ich tue es nicht'. Aber ich will reden, selbst auf die Gefahr hin, missverstanden zu werden. Ich würde mich dieser Gefahr wohl nicht aussetzen, wenn das, was ich zu sagen hätte, mich selbst nur beträfe. — Man lernt ja schweigen, wenn man älter wird und erkennt: der einzelne bedeutet nicht allzuviel. Aber ich empfinde, dass ich das aussprechen und umschreiben möchte, was viele, viele Tausende in Deutschland und darüber hinaus in diesem Augenblick fühlen, ja fühien müssen, sofern sie ähnlich organisiert, sind wie ich, d. h. sofern sie Juden, sofern sie deutsche Juden sind;; — und das bei ihnen doch nur dumpf, unbewusst und rudimentär bisher geblieben ist . . . bisher.