Neue jüdische Monatshefte
- Journal
- Neue jüdische Monatshefte
- Volume
- 1918-1919
- Issue
- Heft 17 (10.6.1919)
- Article
- Menachem Mendel, der Pazifist
- Date
- 1919-06-10
- Page
- Seite 376 (sequence 5)
- Language
- German
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374 etwas Bestimmtes weis?. Die Wolken ballten sich, bedrohlich immer mehr zusammen, unbestreitbar ging, alles anders als es das gute pazifistische Herz Menachem Mendels wünschte, aber in bezug auf Italien blieb er dennoch ruhig. Dort sass ja einer, auf den man sich verlassen konnte; Luzatto. Als ich viel später Menachem Mendel in Zürich auf der Strasse traf, erkannte ich ihn fast nicht. Die durchgemachten Enttäuschungen verwischten in seinem Gesicht alle Spuren der Sicherheit und des Optimismus. Er sah (gedrückt und schuldbewusst aus, als könnten die anderen ihn dafür verantwortlich machen, dass Europa noch immer keinen Frieden habe. Er sprach nicht mehr mit heissem Pathos von der unbesiegbaren Macht der öffentlichen Meinung. Seine Energie hatte in bedeutendem Masse abgenommen. Auf die Frage, wann denn seiner Meinung nach der Friede zu erwarten sein dürfte, antwortete er achseizuckend und verlegen lächelnd: „Ich weiss nicht, ich weiss nichts mehr". Und eine wunde Stelle gab es in Menachem Mendels Seele, die zu berühren grausam war, besonders da er selbst diese Wunde vor allen verheimlichte: Luzatto. Ja, dieser Alunn hat die Hoffnungen, die Menachem Mendel in ihn gesetzt hatte, nicht erfüllt. Nur eine gute Seite hatten die katastrophalen Enttäuschungen für iMenachem Mendel gehabt, nämlich, dass er auf wichtige Dinge zu achten begann, die er früher in seiner pazifistischen Begeisterung gar nicht beachtete, So erinnerte er sich des Umstandes, dass er chronisch hungerte. Wovon Menachem Mendel überhaupt gelebt und wie er sich ernährt hat, das wusste niemand ausser Gott, Aber jetzt wandte er sich diesem abnormen Zustand selbst zu. Eines Tages wurde ich beim Einbiegen Ln eine Strasse von ihm angehalten, wobei er mir nicht seinen neuesten Projekt der sichersten Einwirkung auf die öffentliche Meinung mitteilte, sondern mich mit stiller, lyrischer Stimme bat, ihm eine Lektion für Unterricht im Hebräischen zu verschaffen. Auf meinen Vorschlag ins vegetarische Speisehaus zu gehen und dort zusammen eine Tasse Tee zu trinken, ging er bereitwillig und. gerne ein. fflilllll | j *Bat Utocpa. [ I j Blätter für.Me Jjemntoadjfcnbe jübtfdje Sugenb. £§ | j SjerauSgegcben t>on ©. 3- ®löt$<>l. §§| I i ©ine 3eitfdjrlft für Ätober im 'Ulkt »on 9—15 Sauren. H I i S&arafteröoE, ober of)ite Senbett3. =ff I i monaiM) 3&el §efte, 16 6eitcn ftarf, mit reic&em' p I i <Mbfd)mud, Abonnement blcrtetjä&rlldj cSRl 3— §| t-i ^VftfopnMIWfäGXft 9esen ®l«f««bung öon M p ^wwmumm^m 50 ^jennig burc^ g! \ «SDett^erlafl Berlin $tSÖX 7, Storot&eenftr. 35. H [.äiiiiiiiiiiii