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Neue jüdische Monatshefte · 1919-06-10 · Heft 17 (10.6.1919) · p. Seite 361

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1918-1919
Issue
Heft 17 (10.6.1919)
Article
Fragen des Galuth
Date
1919-06-10
Page
Seite 361 (sequence 2)
Language
German
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359 Im allgemeinen sind auch die Gegner des Zionismus geneigt, für die Judenheit des Ostens den Begriff der jüdischen Nationalität und das Recht auf nationalpolitische und nationalkulturelle Autonomie anzuerkennen. Der Streit dreht sich hauptsächlich um die Juden heil des Westens. Dabei scheidet, wenigstens was Deutschland betrifft, die Frage nach der eigentlichen, der nationalpolitischen, Autonomie aus, nachdem diese nicht einmal von der Zionistischen Vereinigung für Deutschland gefordert wird. Somit bleibt die Frage nach dem nationalen Bekenntnis und der Möglichkeit bezw. dem Recht einer eigenen jüdischer Kulturpflege. Was über das nationale Bekenntnis der deutschen Juden zu sagen ist, braucht hier nicht mehr ausgeführt zu werden. Ich habe meine Meinung darüber schon früher teilweise dargelegt.1) Zudem scheint sich' der Streit um diesen Punkt nachgerade zu einem Wortstreit auszuwachsen. Von der einen Seite gibt man immer mehr zu, dass die Judenheit nicht nur eine Religionsgemeinschaft bilde, sondern zugleich eine besondere Stammes¬ und Blutsgemeinschaft mit eigener Geschichte und von eigener körperlich- (geistiger Prägung.2) Von der anderen Seite hören wir, dass die jüdische Gemeinschaft durch den Begriff „Nation" sowenig zureichend bestimmt sei wie durch den der Religion, dass man mit solchen von. aussenher genommenen Bezeichnungen der singulären Wesensart der jüdischen Gemeinschaft überhaupt nicht gerecht werden könne. (Hachum Goldman n). Sollte es angesichts dieses Sachverhaltes 'so sehr schwer sein, sich — beiderseits im Bewusstsein ihrer nicht völligen Adäquatheit — auf die Bezeichnung „jüdische Nation" und „jüdische Nationalität" zu einigen, zumal sie bereits von dem grössten Teil der Judenheit wie der übrigen Völkerwelt akzeptiert ist? Es handelt sich demnach vor allem um die dritte Frage: um die Möglichkeit und das Recht einer vom auflebenden hebräischen Palästina wesentlich bedingten besonderen jüdischen Kulturpflege in Deutschland. Können wir deutsche Juden ein jüdisches Kulturleben, das notwendig eine hebräische Grundlage haben muss, in Deutschland führen und sind wir dazu moralisch berechtigt, d. h. geraten wir dadurch niclrt in einen Konflikt mit unseren Pflichten als Glieder des deutschen Kulturkreises, dem wir bis jetzt angehören? Dies scheint mir die eigentliche, grundlegende Zukunftsfrage des deutschen Judentums zu sein, so wichtig andere, wie die der kulturellen und Gemeindeautonomie usw. sein mögen. Aus zionistischen Kreisen werden drei verschiedenartige Antworten. erteilt, die zunächst ihrem Kerne nach kurz wiedergegeben seien. Den äussersten Radikalismus vertritt Jakob Klatzki n.3) Er verneint prinzipiell/das Galuth und (anerkennt das kommende jüdische Gemeinwesen in Palästina nicht wie es sonst der Zionismus tut, als das Zentrum 1) Neue Jüdische Monatshefte 1918 Heft 18. 2) Vgl. Eugen Fuchs „Glaube und Heimat" in „Neue Jüdische .Monatshefte", 1. Jahrgang, Heft 22; neuerdings die Hinweise im III. Abschnitt des Aufsatzes von Carl Lewin „Das Galuthproblem und der Zionismus", ebenda 3. Jahrgang, Heft 9/12. 3) Probleme des modernen Judentums. Berlin, Jüd. Verlag 1918.

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