Neue jüdische Monatshefte
- Journal
- Neue jüdische Monatshefte
- Volume
- 1918-1919
- Issue
- Heft 16 (25.5.1919)
- Article
- Die wirtschaftliche Zukunft der Ostjuden
- Date
- 1919-05-25
- Page
- Seite 339 (sequence 8)
- Language
- German
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o***? OOS Hessen Handelshäuser im Eisenbahnwagen entsprechend Sand heranfahren, um die Schiffe, in denen das Getreide verladen wurde, mit dem nötiget Besatz zu versehen. Und von diesem Getreidereichtum des: südlichen unc?. südwestlichen! RussSands ging ein grösserer Teil auch ins westliche Russ- Ijand, Pokn, Kurland, Litauen und Estland, die jetzt so viel genanntem . Gebiete, sind Getreidezuschüssgebiete gewesen. Von Osten nach Westen kam ein anderer uralter Warenstrom, der Tee, der einzige Luxusartikel, den auch der ärmste Muschik nicht missea mag. Durch die ganze v/eite sibirische Steppe hindurch gingen von uraltersher Karawanen, und in Moskau konzentrierte sich dieser eine Warenström. Karawanentee heisst noch heute der beliebteste Tee in Russland, obwohl längst die Karawanenbeförderung der moderneren mit der Eisenbahn und der neu entstehenden Flusschiffahrt gewichen ist. Da der Osten dem Juden verschlossen war, ging der Teehandel zumeist durch russische »Hände, der Altrussen. Und mit dem Tee ging ein anderer grosser Handelsartikel gleichsam den umgekehrtem Weg. Der Zucker, der zum Tee für den Russen so gehört, wie für den Deutschen die Milch zum Kaffee vor dem Kriege gehörte, wurde in riesigen Mengen im reichsten Gebiete Russlands produziert, in der Ukraine, auch in Bolen und in einigen anderen Randgebieten und ging nun geWissermassen den inngekehrten Weg nach dem Osten ins ungeheuere russische Reich hinein. Diesen Handel lenkten wieder stark die ukrainischen Juden. Daneben sind dann seit der Mitte des vorigen Jahrhunderts immer neue Handelszweige aufgeblüht und mit ihnen Industriezweige von zukunftsreichster Art. Von Russlands grossen Ausfuhrgütern nenne ich nur noch eines, das in den letzten Friedensjahren überhaupt erst zu einem Wje-lthandelsartikeS geworden ist, die sibirische Butter. Sibirien 'hätte an sich Ueberschüssa an Getreide. Aber so gross sind die Entfernungen und so hoch sind die Kosten des Transportes aus Sibirien, dass das sibirische Getreide für Europa überhaupt nicht mehr marktfähig gewesen ist. Das einzige Gut, das in grossen Massen zu Geld gemacht werden konnte, war die Butter, die dort drüber* so gut wie nichts kostete, und die nun von Aufkäufern in eigens dafür geschaffenen Zügen in grossen Massen über die weiten Landstrecken geführt wurde. Die sibirische Butter ist nicht nur in London in grossen Mengen als echte dänische Butter verzehrt worden. Sie hat nicht nur in Dänemark selbst den Bedarf gedeckt. Sie ist in Deutschland in viel grösseren Mengen verbraucht worden, als irgendeine Berliner Hausfrau es geahnt hat, aber dieser Handel konnte dank des zarischen Antisemitismus nicht von den Juden bewältigt werden, sondern es mussten teils Japaner, teils Danen dieses neue Gut des Welt Verkehrs aus den zerstreuten sibirischen Dörfern in die Länder der Kultur hinüberführen. Und ebensowenig konnte der Jude bisher sich an gewissen Warenstromen beteiligen, die aus einem Gebiete de? Riesenreiches ins andere hinüberflossen. Schon in der Mitte des voriger: Jahrhunderts War eine grosse »Eisenindustrie im Gebiete des Baikahccs und am Ural entstanden. Eine Industrie, die mit unglaublich primitiven Mitteln arbeitete. Um nur eins hervorzuheben: Verladen wurde dieses Eisen vorn Ural im Frühjahr auf Holzkähne. Es kam aus den holzreichcn Gebieten der oberen Nebenflüsse der Kama in die Wolga und brauchte für