Neue jüdische Monatshefte
- Journal
- Neue jüdische Monatshefte
- Volume
- 1918-1919
- Issue
- Heft 16 (25.5.1919)
- Article
- Neuordnung des Landesverwaltung in Palästina
- Date
- 1919-05-25
- Page
- Seite 330 (sequence 2)
- Language
- German
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328 Verhältnisse Palästinas zweifelsfrei festgelegt werden, dass Palästina die aaiionale Heimstätte der Juden werden soll, und dass die Regierangsorgane deshalb jede Massnahme zu unterstützen haben, die, ohne die wohlerworbenen Rechte der nichtjüdischen Einwohner zu beeinträchtigen, die Besiedlung des Landes durch Juden zu fördern bestimmt-ist. Wenn unter den 15 Millionen, Juden der Welt diejenigen, welche bereit sind, nach Palästina auszuwandern und Angehörige des jüdischen Gemeinwesens zu werden} durch ein Wunder mit einem Schlage nach Palästina versetzt werden und dort ihne Existenz finden könnten, so würde «die Konstituierung der n&tionahn jüdischen Heimstätte in Palästina sehr einfach sein. Dde Juden würden in diesem Falk in Palästina die überwiegende (Mehrheit bilden und würden mit ihrer europäischen Bildung das geistige und wirtschaftliche Burchschnittsniveau der ganzen Bevölkerung Palästinas so hoch heben, dass sie für die Selbstverwaltung auf demokratischer Grundlage reif erscheinen würde. In Wirklichkeit liegt die Sache aber anders. Alle jene nach Palästina strebenden Juden sind vorläufig nur spirituelle oder potentielle Angehörige des jüdischen Gemeinwesens in Palästina, korporell oder aktuell können sie erst allmählich im Laufe der Zeit v/erden, weil eben die Einwanderung und die wirtschaftliche Konsolidierung der Einwanderer in Palästina sich nicht mit einem Male, sondern nur schrittweise vollziehen kann. Wir stehen vor der Tatsache, dass zur Zeit Palästina unter einer Gesamtbevölkerung von etwa 880 000 Seelen nur etwa 10 Prozent Juden zählt und dass es einiger Jahrzehnte bedarf, bis die Juden in Palästina durch Einwanderung die Mehrheit der Bevölkerung bilden.. Es besteht Uebereinstimmung darüber, dass die jetzige Bevölkerung Palästinas, die unter sich höchstens 10 o/o Personen/ zählt1), die lesen und schreiben können, noch nicht diejenige Bildungsstufe erreicht hat, die zur Selbstverwaltung nötig ist Selbstverwaltung/kann erst auf Seihsterzichung folgen. Die Bevölkerung hat zu viele Jahrhunderte hindurch unter der schlimmsten Willkürherrschaft gestanden, als dass sie jetzt sofort als freie Männer den Gang ihres Staatsschiffes selbst bestimmen können. Die Bevölkerung ist auch noch zu weit entfernt von der Bekanntschaft mit dem europäischen Verkehrs- und Wirtschaftsleben, als dass sie das zur wirtschaftlichen Entwicklung des Landes nötige Verständnis besässe. Sie WA? bisher gewohnt, nur das Recnt des Stärkeren anzuerkennen, und es kann von ihr nicht erwartet werden, dass sie das Recht der schwachen jüdischen Minorität respektieren wird. Mann kann nur allmählich, mit dem Aufschwünge des Schulwesens ünd der wachsenden Bekanntechaft mit der Technik unä Wirtschaft des Abendlandes eine Beseitigung dieser Uebelstände erhoffen; dann wird die Zeit für eine Selbstverwaltung auf demokratischer Grundlage gekommen sein. Für die Uebergangszeit müss ein Verwaitungssystem gewählt iWerden, das die Rechte der Juden auf freie Einwanderung und freie Entwicklung im Lande sicherstellt und zugleich den pügemeinen ^Fortschritt des Landes auf dem Gebiete der öffentlichen Sicherheit, des Erziehung®wesens, der Rechtspflege und der Verkehrsmittel verbürgt , *) Von diesen 10o/o oder rund 90 000 Schreibkundigen sind schätzungsweise 40 ODO Juden, 20 000 Christen und 30 000 Mohammedaner.