Neue jüdische Monatshefte
- Journal
- Neue jüdische Monatshefte
- Volume
- 1918-1919
- Issue
- Heft 15 (10.5.1919)
- Article
- Schalom Asch
- Date
- 1919-05-10
- Page
- Seite 327 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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325 Wo ist Gott? Weit muss er wohl .©ein, so weit, dass er das Gebet nicht erhören kann. Aber dass Ahasver noch betet! Obwohl Nacht und Trauer ihn umgeben und des Henkers Schwert über ihm sdiwebt. Er betet, ob rings auch ein Schluchzen ist, als sagten Vater Kaddisch aut Ehrer Kinder Gräbern. Er betet und sehnt sich nach Sonne und hofft und harrt und segnet den leisesten Strahl vom Fruhlingshimme!'. Als ob es für um. Frühling bleiben könnte. Für ihn, der doch ein Kind des Herbstes ist. Und/verwaist in der weiten Welt. Ein Waisenkind von uralten Geschlechtern her. Wo bleibt nur Gott? Und Ahasver wird bitter .... verliert sein Gleichgewicht, den Gleichmut. In £km weint eine verwaiste Welt, ein verwaister Gott! Das Jahr des Juden Neue Radierungen von Joseph Budko Von D. Karl Schwarz, Berlin as religiöse Leben des Juden spiegelt sich in semer Eigenart und in seinem tiefen Gehalt am deutlichsten in den Festtagen wieder, die sich inhaltsvoll und bedeuttmgsreich mit dem Rückblick auf vergangene Zeiten um den Alitag gruppieren, unserem Denken und Handcto den ethischen und sittlichen Rückhalt verleihen, sowie unserem Dasein die Weihe einer höheren und veredelnden Lebensauffassung geben. Allwöchentlich, wenn mit dem Liede von der festlich geschmückten Braut der Sabbath seinen Einzug hält, fallen die Schlacken der rauhen Wirklichkeit Von uns. Lichterglanz erhellt die armlichsten Hütten, und der Bettler gleichet, dem Reichen^ da sie alte das einende Band religiöser Beseligung umschlingt. Tage der Vergangenheit werden in unseren Festen zu Feierstunden der Gegenwart und verknüpfen somit das Leben des Juden mit der Geschichte unseres Volkes und der Jahrtausende alten, aber immer wieder aufs Neue wirkenden Lehre unserer Väter. » Den Inhalt unserer Feste hat foseph Budko in 12 kleinen Radierungen versinnbildlicht und sich bemüht, in seinen Darstellungen die tiefe 'Symbolik jedes einzelnen Tages zum Ausdruck zu bringen. Der Künstler, der das traditioneEIe jüdische Leben in seiner östlichen Heirrvsii von Kindheit auf kennen gelernt hat, inmitten einer von rteügiöser Poesie umwehten Armut aufgewachsen ist, und dessen ganze Kunst von der grossen Liebe zu seinem VoEke, der-Begeisterung an den Schöpfungen* jüdischen Geistes und der verzehrenden Sehnsucht nach seelischer Befreiung getragen wird, hat in so manchem seiner Blätter bereits Kunstwerke geschaffen, die recht d}azu geeignet sind, in weiteren Kreisen befruchtend uind anregend zu wWkenj,' Buidko findet wie kein anderer jüdischer Künstler allein durch die Formengebung seiner Bildwerke den Anschtuss überlieferter 5>inlx>Ii!k und Ornamentik an das moderne Stilempfinden und versteht es, so die :Brücke zwischen uns und der Vergangenheit zu schlagen, die den Born poetischer Urkraft in unser schales Alltagsleben leitet. Tage der Vergangenheit leuchten in unserem Bewußtsein auf, wfönn die Zauberkraft des Salbbat h, die die Welt in Blütenpracht wandelt, die Sorgen der Erde bannt. Mit der Versinnbildlichung des Sabbath eröffnet der Künstler seinen Zyklus: Ein kleines Häuschen, umrankt von •Wundergewächsen, die sich schirmend über sein Dach neigen, deutet die Wohnungen Israels an, die im Feiertagsgew'ande erstrahlen, wenn die. Engel des Ewigen herniedersteigen, um das Werk Gottes zu verkünden. Das folgende Blatt zeigt uns dieselbe Hütte, deren Umgebung mit dem Sabbathausgang wieder in kahlem? und traurigem Gewlande erscheint, da