Neue jüdische Monatshefte
- Journal
- Neue jüdische Monatshefte
- Volume
- 1918-1919
- Issue
- Heft 15 (10.5.1919)
- Article
- Israels Stellung in der Kulturgeschichte des Altertums
- Date
- 1919-05-10
- Page
- Seite 315 (sequence 2)
- Language
- German
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313 standteilen dier hebräischen Kultur mit solchen anderer Kulturen im einzelnen festzustellen und dann die Frage nach der Herkunft der etwaigen Zusammenstimmungen der Kultur Israels mit anderen Kulturen des Altertums nach allgemeineren "Gesichtspunkten zu beantworten. I. Das Material zur Vergleichung der Kultur Israels mit den kulturellen Besitztümern anderer Nationen .des Altertums und spezieil seiner Verwandten und Nachbarn ist ja durch dite neueren Ausgrabungen und Forschungen sehr erweitert worden. Wir können daher bei der anzustellenden Vergleichung jetzt leichetr als früher alle Gebiete der Kultur, das physische wie das geistige, das profane wie das religiöse, durchwandern, ohne auf zu viele leere Strecken zu treffen. Treten wir also einen raschen Gang durch diese Kulturgebiete an! •1. Fassen wir, wi)e es das Richtigste sein dürfte, zuerst so allgemeine Elemente der Kultur ins Auge, wie es die Mittel, des Verkehrs und der gegenseitigen Verständigung sind! Da begegnet auch bei den alten Hebräern die weithin verbreitete Erscheinung, dass Massp, Gewichte und Münzen vielfach internationale Dknste leisten. Denn die hebräische Elfy: ist wahrscheinlich die babylonische gewesen, welche nach einer schon aus dem dritten Jahrtausend stammicndcn Angabe die Länge von 49,5 cm hatte. Dieser babylonische Ursprung dies hebräischen Ellenmasses ist deshalb der wahrscheinlichste, weil die Länge der zu Tacannek (in der Ebene Jesreel) ausgegrabenen Ziegelsteine zum Teil gerade 49 cm beträgt.1) Noch sicherer lässt sich über die babylonische Herkunft des grössten Gewichtes der Hebräer urteilen. Denn dieser kikkar „Kreis" (oder Talent) wurde, wie bei den Babyloniern, in sechzig Minen zerlegt, die wenigstens in der älteren Zeit wieder in je sechzig Schekel („Gewicht?') geteilt wurden, weil in dem anerkannt alten Bundesbuche der gewöhnliche Preis eines Sklaven auf dreissig Schekel normirt wird (Exod. 21,32), womit doch nach aller Wahrscheinlichkeit eine halbe Mine gemeint ist. Die Z a h ] „sechzig" ab*er weist sicher auf Babylonien als ihren Ausgangspunkt hin. Denn dort rechnete man nach dem Sexagesimalsystem. Die Grundpfeiler der Zahlenreihe waren dort die Zahlen 1, 60 und 60x60 3600 ein Saros. Doch hat Babylonien hiermit bei den Hebräern ebensowenig einen absoluten Sieg davon getragen, wie im Verkehr der Völker überhaupt. Denn der hebräische „Scheffel" (Epha 36,4 Liter) ist der zehnte Teil vom Chomer, und auch das Epha wieder wurde in Zehntel zerlegt, wie die Vergleichiung von Num. 23,9 mit V. 5 beweist. Schon die Hebräer haben also Spuren vom Dezimalsystem, welches überhaupt über das babylonische Sexagesimalsystem im Völkerleben triumphiert hat. Unter den Mitteln des gegenseitigen Verkehrs nimmt ferner nächst der Sprache gewiss die Schrift die hervorragendste Stellung ein. In bezug auf si^e ist es1 aber ganz zweifelhaft, ob diie Hebräer jemals zujr Niederschrift ihrer eigenen Literaturdenkmäler die babylonische Keilsclirift *) Hughes Vincent, Canaan d'apr£s l'exploration rdeente (1907), p. 32 .9.